The Amazing Spider-Man im Gamezone-Test: Fesselnde Action oder im eigenen Netz gefangen?

Test Michael Stadler

Während mit "The Amazing Spider-Man" die nette Spinne von nebenan auf der Kinoleinwand einen äußerst gelungenen Reboot hinlegt, bekommen auch Zocker ihr Stück vom Kuchen ab. Entwicklerteam Beenox schreckt dabei nicht davor zurück sich für das gleichnamige Spiel zum Film durchaus kräftig beim Klassenprimus im Genre der Comic-Videospiele in Sachen Spielmechanik zu bedienen. Fesselnde Action oder im eigenen Netz gefangen?

The Amazing Spider-Man (1) Quelle: Columbia Pictures The Amazing Spider-Man (1) Die Echse und andere Hybriden

Die Grundgeschichte des aktuellen Spinnenabenteuers für die heimische Konsole ist schnell erzählt. Während sich die Echse alias Dr. Curt Connors im Film noch höchstpersönlich für sämtliche Bedrohung Manhattens verantwortlich zeigt ist nun Oscorp an seine Stelle gerückt. Denn obgleich Connors in eine Nervenheilanstalt verfrachtet wurde, scheinen die DNS-Kreuzungen und deren Forschungsergebnisse den großen Konzern mächtig imponiert haben. Denn anstatt die Gefahr solcher Versuche zu erkennen und sämtliche Ergebnisse zu vernichten versuchen sich die Forscher von Oscorp daran der Lage Herr zu werden und die Hybrid-Forschung zu einem erfolgreichen Ende zu führen. Selbstredend geht dieser Schuss vollkommen nach hinten los und Spidey darf die Suppe einmal mehr auslöffeln.

Batman bist du's?

The Amazing Spider-Man (2) Quelle: gamesaktuell.de The Amazing Spider-Man (2) Die Spielmechanik der Filmumsetzung kann man getrost als Arkham City in der light-Variante bezeichnen. Ebenso wie die Stadt der Irren in der sich Batman vergnügen durfte bietet uns Manhatten für das neue Abenteuer von Spidey einen großen Raum zur freien Entfaltung. Das Freiheitsgefühl wurde gelungen eingefangen und man ertappt sich alsbald dabei einfach sinnlos durch die Metropole zu schwingen und Häuserschluchten zu erobern. Ab einem gewissen Zeitpunkt reduziert man seinen Handlungsradius darauf lediglich von Mission zu Mission zu hangeln und die Stadt links liegen zu lassen. Denn obwohl wir eine überaus große Stadt zur Verfügung haben findet die Action der auf 12 Kapitel ausgelegten Geschichte in abgegrenzten Arealen statt – schade! Als wäre das noch nicht genug sind die Level wenig abwechslungsreich und der Verbleib wird zusätzlich in die Länge gezogen was in den ersten Kapiteln noch ganz nett ist aber später einfach nur noch ermüdend wirkt. Zwar können wir uns auch diversen Nebenmissionen zuwenden, diese sind jedoch die Spitze der Monotonie und haben maximal den Ruf einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Ebenfalls wahnwitzig sind die hunderte in der Stadt verteilten Comics, welche von uns aufgesammelt werden sollten sofern wir die entsprechenden Erfolge und neue Kostüme freischalten möchten.

The Amazing Spider-Man (3) Quelle: Activision The Amazing Spider-Man (3) Natürlich bekommen wir es auch mit einigen Widersachern im Spielverlauf zu tun. Auch hier zeigt sich eine deutliche Parallele zum dunklen Ritter. Ganz im Zeichen der bewährten Freeflow-Methode brauchen wir lediglich einen Knopf für diverse Schlagkombinationen und einen weiteren für Konterattacken. Dabei kann die Dynamik des Kampfflusses durchaus mitreißen und so für einige packende Auseinandersetzungen sorgen. Zusätzlich finden wir zumeist auch etliche Gegenstände in unmittelbarer Umgebung die wir auf Knopfdruck zweckentfremden können. Noch bevor sich die Bösewichte versehen werden sie von Müllcontainern, Propangasflaschen oder Getränkeautomaten überrascht. Mit den Erfahrungspunkten, welche wir durch besiegte Feinde erhalten, können wir uns im als Menü dienenden Handy diverse Power-Ups freischalten. So technische Verbesserungen im Hinblick auf Netzqualität und-eigenschaften vornehmen und uns neue Attacken ins Repertoire holen. Leider hilft das auch nicht dabei über den eintönigen Spielverlauf hinwegzutäuschen. Meist erledigen wir haarsträubend dämliche und zudem äußerst generische Gegner auf die selbe Art und Weise und man wird das Gefühl nicht los stets einen herzlosen Abklatsch von Arkham City vor Augen zu haben. Es reicht nun mal nicht einfach der Spinne die Fähigkeiten und die Spielstruktur des Fledermaus-Hits in die Hände zu geben und zu erwarten, dass daraus umgehend ein Kracher wird.

Präsentationsschwächen

The Amazing Spider-Man (5) Quelle: Activision The Amazing Spider-Man (5) Technisch zeigt sich Spidey ebenfalls von einer maximal mittelprächtigen Seite. Obgleich die Farbgebung gerade in Manhatten ein durchaus gutes Level hat, sind die Areale der Missionen leider viel zu detailarm. Die in Spielgrafik präsentierten Zwischensequenzen zeigen deutliche Zeilenverschiebungen, unnötige Unschärfeeffekte und teilweise unangenehme Ruckeleinlagen. Wirkliches Prunkstück ist die Animation unserer Spinne, welche sich zu jedem Zeitpunkt äußerst gelenkig und flink durch amerikanische Metropole und ihre diversen Innenareale turnt. Tonal bekommen wir zumindest musikalisch solide Klänge geboten. Leider ist die Synchronisation bisweilen zu überzogen und flapsig und wirkt so mehr gewollt als gekonnt. Abgesehen davon passen die vertonten Zeilen nur selten wirklich passgenau auf die animierten Lippen. Zu allem Überfluss müssen wir uns auch mit einer durchaus störrischen und oft unpraktisch positionierten Kamera herumschlagen und so ebenfalls herbe Spielspaß-Einbußen hinnehmen.

Meinung

Wertung zu The Amazing Spider-Man (X360)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Rasante KämpfeEinbindung der UmgebungGroße StadtMarkige SprücheCoole Animationen
Bockige KameraSynchronisation nicht lippensynchronZu flapsiger GrundtonDumme, austauschbare GegnerMonotoner SpielablaufUnsinnige Sammel- und NebenmissionenMissionen nur in geschlossenen, auswechselbaren ArealenTechnische Probleme
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