Amalur will das beste Action-RPG des Jahres werden. Aber schafft das Erstlingswerk das?
Was macht ein alternder Profi-Sportler am Ende seiner Karriere mit seiner neu gewonnen Freizeit und dem dicken Sparstrumpf? Wenn wir Pech haben und es sich um einen rothaarigen, ehemaligen Wimbledon-Sieger handelt, beschließt er vielleicht einfach den Rest seines Lebens als so genannter "Promi" mit einem ungefragt ausgebreiteten Privatleben der Öffentlichkeit auf den Geist zu gehen. Er wird auf allen Fernsehkanälen und Bild-Gazetten mit seinem Konterfei für Angst und Schrecken sorgen und nicht mal ansatzweise selbst mitbekommen, wie er sein eigenes Sportler-Denkmal demontiert. Ein positives Beispiel gibt es indessen aus Amerika zu vermelden: Curt Schilling, ehemaliger Pitcher der Major League Baseball und selbst passionierter Videospieler, verwendet sein Vermögen und seine Zeit lieber darauf, sich nach der Sportkarriere einen weiteren Lebenstraum zu erfüllen. Er gründet sein eigenes Spielestudio "38 Studios" und setzt sich das Ziel, die Games seiner Träume zu entwickeln. Da darf sich die rothaarige Nervensäge aus deutschen Landen gerne mal ein Beispiel nehmen, nicht wahr? Oder lieber doch nicht... Wer weiß, welche Besenkammer-Shooter da auf den Markt kämen.
Kingdoms of Amalur: Reckoning
Gedacht, gesagt, getan. Mr. Curt Schilling ging erst mal auf Einkaufstour, um eine Reihe seiner Lieblingskünstler für Design, Art und Story eines neuen Rollenspiels zu verpflichten. Mit Ken Rolston konnte er einen der ganz erfahrenen und sehr erfolgreichen Recken der Rollenspielszene gewinnen, der zuletzt für die Elder-Scrolls-Spiele Morrowind und Oblivion als einer der Leaddesigner verantwortlich zeichnete. Er scheint auch gleich den Source-Code von Oblivion aus dem Tresor des alten Arbeitgebers Bethesda herausgeschmuggelt und zur Entwicklung von "Kingdoms of Amalur" beigesteuert zu haben - wer Elder Scrolls gespielt hat, erlebt in Bezug auf die Umsetzung der Open-World-Mechanik in Amalur ein Deja Vu nach dem anderen.
Für das Artdesign wurde unter anderem Todd McFarlane verpflichtet, bekannt durch seine Comic-Serie Spawn und der Wiederbelebung von Spiderman. Der von ihm kreierte Grafikstil für Amalur erinnert zwar sehr stark an die Franchaise-Schwergewichte Fable oder World of Warcraft, ist aber gerade beim Gegner-Design so eigenständig, dass Kingdoms of Amalur nicht wie ein direkter Klon der genannten beiden prominenten Spielwelten wirkt.
Kingdoms of Amalur: Reckoning
Dass man auch für ein Action-Rollenspiel ein detailreiches Spiele-Universum mit jeder Menge interessanter Helden, Charaktere, Rassen und Völkern sowie eine wahrhaft epische Hintergrundgeschichte erschaffen kann, beweist Fantasy-Altmeister und Bestseller-Autor R. A. Salvatore. Dessen Romane, wenn sie vermutlich auch nie einen Literaturnobelpreis gewinnen werden, haben bei vielen Rollenspiel-Fans einen festen Platz im Bücherregal oder zumindest im Gamer-Herzen. Das Bild des Spieluniversums des Tabletops Dungeons und Dragons haben sie wie kein anderes Werk geprägt.
