Call of Duty: Modern Warfare 2 ist bestimmt nicht grundlos einer der meistvorbestellten Videospiele dieser Tage und bei tausenden von Fans weltweit seit diesem Wochenende fast pausenlos im Laufwerk. Nicht grundlos ist aber auch die harsche Kritik an Modern Warfare 2, dass seit kurzem wegen eines im Internet geleakten Videos für Diskussionen (unter anderem auch bei uns im Forum) sorgt. Als Videospielredakteur, der schon seit frühester Jugend mit Videospielen und zwangsläufig auch mit Gewalt in Videospielen vertraut ist, sträuben sich mir aber bei Szenen, wie denen in der „Flughafen-Sequenz“, dennoch die Nackenhaare.
Das liegt nicht mal an der gezeigten und gelebten Gewalt – in Fairytale Fights war es für mich ja auch kein Problem, Kinder und süße Haustierchen zu zerhacken, in GTA auch keines, Passanten zu „streifen“, einfach weil die Settings dazu abgedreht sind - sondern an der Realitätsnähe, die das Spiel aufzubauen versucht. In skurrilen Welten berührt einen sowas nur kaum, während Bilder von sterbenden Zivilisten, fliehenden Unschuldigen und am Ende vermutlich auch noch verblutenden Kindern im hyperrealistischen Setting in mir nur Abscheu wecken (Anm.: Die Kinder hat man glücklicherweise weggelassen...). Ekel aber nicht nur, weil ich als Spieler Schuld an den Szenen trage, sondern auch Ekel, dass Infinity Ward die Szene nun schönzureden versucht und sie nur eingebaut hat, um zu verdeutlichen wie böse die bösen Russen sind, gegen die man zu kämpfen hat. Ein PR-Gag sondergleichen, wie ich finde, genau wie die Option, die Szene nach einer Warnung vor „verstörenden Bildern“ zu überspringen. Wie viele andere auch, könnte ich diese Szene leider nicht mit Erfolg abschließen, weil ich mich moralisch verpflichtet fühlte, nicht die Opfer zu beschießen, sondern die Täter – ja sogar in der Deutschen Version, in der es Spielern verboten ist, auf „Non-Kombattanten“ zu schießen.
Zu allerletzt stört mich an Modern Warfare 2 die Selbstverständnis, mit der Infinity Ward eine eh schon brisante Diskussion um Gewalt in Spielen (zumindest in Deutschland) anfacht. Dass der Titel mit solchen Bildern provozieren möchte versteht sich vielleicht aus Marketing-Sicht, dass er aber nun den Pfeiffe(r)n, ZAPPs, Panoramen und Co. dieser Welt in die Hände spielt und jegliche Kritik und Diffamierung an Spielern legalisiert, kann ich, der im privaten wie journalistischen Umfeld sein Hobby verteidigen und mit seiner ansonsten sehr pazifistischen Einstellung in Einklang bringen muss, einfach nicht nachvollziehen. Denn auch wenn jahrelang pauschale Kritik an Spielen als „Killerprodukt“ haltlos, schlecht recherchiert oder gar erfunden war, Modern Warfare macht den Spieler genau dazu. Danke, Activision und Infinity Ward, dass ihr aus „Killerspielen“ Killerspiele macht!
Gegenmeinung
Alexander Schneider, sexy, ledig und schwul, ist CoD-Fan der ersten Stunde, versucht aber gleichzeitig den Dienst an der Waffe zu verweigern. Zwar lehnt auch er Gewalt im realen Leben kategorisch ab, kann aber durchaus damit Leben, wenn derartige Szenen in Filmen und Videospielen gezeigt werden, handelt es sich dabei doch nicht um reelle Gewalt. Um in den Genuss des vollkommenen CoD-Feelings zu kommen, hat er sich daher die internationale Version geholt – mit toten Zivilisten und einer sehr moralischen Entscheidung. Seinen Kommentar finden Sie hier:
Kommentar Pro Modern Warfare 2
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