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Sim City 4

PC-Review von Peter Grubmair (20.01.2003)

Mit SimCity 4 liefert uns EA nicht nur die Referenz der Aufbausims schlechthin, sondern gleichzeitig auch einen Dinosaurier der Videospielbranche, der schon auf den 8Bit-Videospielsystemen sowie Homecomputern Mitte der 80er sein Unwesen trieb. So muss man heutzutage kaum noch erklären, um was es bei SimCity eigentlich geht, nämlich dem erfolgreichen Aufbau und erhalt einer florierenden Metropole. Dabei hat sich vom Spielprinzip her vom ersten Titel an nichts geändert, nach wie vor gibt es die drei grundlegenden Gebiete, aufgeteilt in Wohn-, Gewerbe- und Industriezonen, aus denen sich die Stadt zusammensetzt. Dazu gesellen sich die ebenfalls schon immer vorhandenen öffentlichen Gebäude wie die Schulen, die Feuerwehren und natürlich die Polizeireviere, womit wir die grundlegenden Spielelemente von SimCity schon beieinander hätten. Was also hat sich im Vergleich zu den Vorgängern getan? Ist SimCity 4 nur ein grafisches Update oder enthält es tatsächlich neue Spielelemente? Nun, soviel darf ich schon verraten, es hat sich einiges getan, was nicht nur die Optionsvielfalt des Klassikers beträchtlich erhöhte, sondern auch das Gameplay im positiven Sinne beeinflusste, indem die Simulation nun viel stärker auf die Evolution der Gebiete setzt, was den Spieler zwingt klein anzufangen, indem er z.B. große Agrarfelder anlegt, die von der Erstbevölkerung auch dankbar angenommen werden, diese aber im späteren Verlauf des Games zur schweren Industrie hin entwickeln lässt, da so eine Apfelplantage doch relativ viel Platz beansprucht aber kaum Gewinn abwirft.

Doch beginnen wir von Vorne, nämlich mit dem ersten Start des Games, welches uns mit dem Geländeeditor begrüßt. Dieser hält eine Landschaft bereit, welche bereits in verschieden große, quadratische Areale eingeteilt ist. Zwei der Areale sind zu Beginn mit einem Geländebau-Tutorial sowie einem Bürgermeister-Tutorial vorbelegt, welche man sich selbst als geübter SimCity-Spieler ansehen sollte, da dort angenehm schnell und kompakt die wichtigsten Funktionen erklärt werden. Haben wir dies hinter uns gebracht, dürfen wir das erste mal Gott spielen, indem wir das ausgesuchte Gelände nach unseren Wünschen gestalten. Per Mausklick können wir ganze Gebirgsketten entstehen lassen, Canyons ziehen oder Wälder pflanzen, die dann auch noch mit entsprechenden Tieren belebt werden können. All diese Faktoren wirken sich später natürlich auf unsere Stadt aus, auf das Wohlbefinden der Bevölkerung genauso wie die Attraktivität des Standortes. Sind wir mit unserem Gelände zufrieden, müssen wir es evtl. noch an das Gelände der Nachbarstädte anpassen, denn die verschiedenen Areale stellen gleichzeitig existierende Städte dar, mit denen wir in der Simulation auch interagieren können, indem man Strassen, Strom und Wasserverbindungen miteinander benutzt. Sehr Reizvoll ist hierbei die Möglichkeit fertige Städte auf die freien Areale platzieren zu können, oder gleich gegen einen Mitstreiter im Internet anzutreten. Ebenso ist es möglich, eine der mitgelieferten Städte, wie Berlin oder London, zu übernehmen und fortan ihre Geschicke zu leiten.

Haben wir uns also entschieden, ob wir unsere Stadt von Grund auf neu aufbauen oder doch lieber eine vorgefertigte benutzen wollen, können wir auch schon beginnen. Obwohl sich das Interface etwas geändert hat, erkennt man die wichtigsten Elemente auf den ersten Blick. Mit dabei natürlich wieder die wichtige Bedarfsanzeige, welche uns signalisiert welche der drei Zonen wie dringend benötigt werden. Mit einem Klick auf diese öffnet sich aber eine wesentlich detailliertere Anzeige, welche uns den Bedarf nicht nur einzeln für die drei Bebauungsdichten anzeigt, sondern auch eine vierte für die Agrarflächen, die besonders zu Beginn eine sehr wichtige Rolle spielen. Generell fallen einem ziemlich schnell die unglaublich vielen Features und Details auf, welche dem Spieler nicht nur gestatten die Anzahl der Lehrer pro Schule einzeln zu begrenzen, sondern auch deren Einzugsraum für die städtischen Busse, welche die Kinder kostenlos in die Schule bringen. Gleiches gilt für Polizei, Feuerwehr und natürlich die Krankenhäuser, deren Budget sich bis auf den Euro genau einstellen und verwalten lässt. Dies ist auch unbedingt nötig, denn SimCity ist kein bisschen leichter geworden und verlangt vom Spieler eine strenge Hand bei der Vergabe von öffentlichen Geldern, denn das Stadtsäckchen ist schneller leer als man Bürgermeister sagen kann. So kann schon eine falsch oder zu früh platzierte Schule den Ruin bedeuten, so wie ein einträgliches Industriezentrum eine ganze Stadt finanzieren kann. So bemerkt man ziemlich schnell das etwas anders gewichtete Gameplay von SimCity, welches wesentlich mehr Wert auf die Evolution der einzelnen Gebiete legt. Besonders an den Industriezonen kann man das recht gut erkennen, die sich Idealerweise vom schwach bebauten Agrargelände bis hin zur dichten Industrie entwickeln, wobei kein Schritt übersprungen werden will. Denn ein Bauer wird sein Feld nicht auf eine doppelt so teuere Industriezone errichten, für die Anfangs auch noch gar kein Bedarf besteht. Stattdessen sinkt mit der Zeit der Bedarf an Agrarflächen und erst dann sollte man sie zur dichter besiedelten Industriezone ausbauen. Damit dies auch ohne große Umbauten funktioniert, kann man jederzeit die Dichte einer Zone erhöhen, ohne das die darauf befindlichen Gebäude abgerissen werden. Diese entwickeln sich im Idealfall von selbst zur höheren Stufe. Umgekehrt kann man zwar eine Zone auch wieder downgraden, allerdings werden in diesem Zuge dann die zu weit entwickelten Gebäude abgerissen. Damit wird man als Spieler regelrecht gezwungen, neue Zonen erst in der niedrigsten Bebauungsstufe zu erstellen und sie später, je nach Bedarf, zu erhöhen. So werden typischerweise junge Städte noch von riesigen Agrarflächen umgeben, die sich im Laufe der Zeit zu dichten Industriezonen hin entwickeln. Gleiches gilt für die Gewerbegebiete, welche zu Beginn kaum benötigt werden, im späteren Spiel aber die Haupteinnahmequelle darstellen.

Im Handbuch begegnet man immer wieder dem Hinweis, dass man seine Bürger beobachten soll. Dies kommt nicht von ungefähr, denn die Detailfülle des neuesten SimCity schlägt alle vorhergehenden Teile der Serie meilenweit. Im sogenannten Info-Modus kann man nicht nur jedes Gebäude anklicken um detaillierte Informationen dazu zu erhalten oder Einstellungen vornehmen zu können, sondern sogar jede Straßenlaterne, jeder Mülleimer und auch jede Gartenlaube ist ein eigenes Objekt mit mehr oder minder wichtigem Informationsgehalt. Gekrönt wird diese Detailfülle von der Möglichkeit eigene "Sims" in die SimCity-Stadt einziehen zu lassen und fortan ihren Lebensweg zu beobachten, was sehr aufschlussreich sein kann. Um dieses Feature auch den Spielern zugänglich zu machen die nicht im Besitz von einem der "Sims"-Teile sind, werden einige vorgefertigte Charaktere mitgeliefert, die per Mausklick ins Spielgeschehen eingefügt werden können. Per extra vorhandenem "Meine Sims"-Knopf findet man diese auch jederzeit wieder, egal wie groß die Metropole inzwischen geworden und wie oft unser Sim umgezogen ist. Er gibt uns viele Informationen über das tägliche Leben in unserer Stadt die so manchen Hinweis enthalten was es noch alles zu optimieren gibt. Freilich wirkt die Funktion der Sims schon etwas wie bei Tropico geklaut, besonders wenn man sich das Fenster mit den Gedanken der Sims einblenden lässt, welches sogar optisch so aussieht wie das Pendant in Tropico. Trotzdem macht sich die Funktion ganz gut, auch wenn sie für das eigentliche Spiel nicht wirklich nötig ist.

Die Grafik gibt sich erstmals komplett in 3D, was aber nicht bedeutet, dass man die Spielarea frei drehen könnte. Ganz im Gegenteil stehen einem nach wie vor nur die vier Himmelsrichtungen zur Verfügung, um die Stadt zu betrachten. Auch das Zoomen geschieht nicht stufenlos sondern in vier Schritten, die von der Totalen bis hin zur Hausansicht reichen. Dafür hat die Detailfülle, wie bereits erwähnt, ziemlich zugenommen und verleiht der Stadt den Eindruck richtigen Lebens, wenn sich auf der Einfallsstrasse, wie jeden Morgen, der Verkehr zu stauen beginnt, während sich die Schulkinder bereits vor der Schule versammeln und die Ärzte wieder einmal streiken. Dabei kann man beobachten wie unser Sim zur Arbeit geht, den Arzt besucht, oder sich eine neue Wohnung sucht. Einzig Negativ möchte man dem neuen Interface die Straßenbauautomatik anlasten, die bei größer angelegten Arealen automatisch die Straßen anlegt, was einem zwar viel Zeit spart, allerdings nicht immer das gewünschte Ergebnis liefert. So fügen sich leider die Straßen nebeneinander liegender Areale nicht automatisch richtig aneinander, sondern manifestieren sich oft zueinander versetzt, was ein nachträgliches Korrigieren nötig macht. Zu allem Überfluss ist es nicht möglich dieses Feature abzuschalten, was besonders bei bereits bebautem Gebiet ärgerlich ist, wenn sich die Strassen ausgerechnet an den ungünstigsten Stellen hinlegen.
Neu in SimCity 4 ist der Tag/Nachtwechsel, der allerdings nicht direkt mit der Simulation verbunden ist und eigentlich nur ein grafisches Feature darstellt, da die "realen Tage" wesentlich schneller vergehen als der gezeigte Tag/Nacht-Rhythmus. Zudem wird es des Nachts wirklich dunkel, was einem die gewünschten Bauvorhaben doch ziemlich erschwert, weswegen die Möglichkeit existiert, den Tag (oder eben die Nacht) einzufrieren. So wird man zu Beginn noch den hereinbrechenden Abend bewundern, wenn die Landschaft langsam im Abendrot versinkt und die Beleuchtung Strasse für Strasse eingeschaltet wird, im fortgeschrittenen Spiel allerdings ist es dann wesentlich übersichtlicher auf den ewigen Tag umzuschalten.

Die Steuerung kommt wie gewohnt mit der Maus alleine aus, auch wenn man per Tastatur so manche Tätigkeit abkürzen kann, ist sie für das Game selbst nicht unbedingt nötig. An der linken Seite des Schirms befinden sich, wie gewohnt, die gesamten Bauoptionen, inkl. der Möglichkeit Areazuweisungen wieder aufzuheben oder Gebäude abzureißen. In der unteren linken Ecke befinden sich die Steuerelemente für den Bürgermeistermodus, welcher nichts anderes darstellt als ein weggeblendeter Baumodus, sowie die Taste für unsere Sims, welche hier importiert oder beobachtet werden können. Am unteren Rand des Schirms verbergen sich alle Features zum Regieren der Stadt. Dort findet man nicht nur die Einstellmöglichkeiten für die Steuern der verschiedenen Zonen, sondern auch alle politischen Möglichkeiten die man so als Bürgermeister einer Stadt benötigt, wie verschiedene Dekrete und Verordnungen sowie die nicht minder wichtige Möglichkeit einen Kredit aufnehmen zu können. Wer sich also schon mit einem der Vorgänger auseinandergesetzt hat, der wird sich auch in "SimCity 4" sofort zurechtfinden.

Die Soundkulisse kommt erwartungsgemäß gediegen daher mit offensichtlichem Schwerpunkt auf eine möglichst stimmige Präsentation. So wird man im Landschaftseditor mit wahrhaft himmlischen Chor empfangen, damit man auch gleich weiß wen man darstellen soll, während man im Spiel selbst mit der üblichen Fahrstuhlmusik unterhalten wird, die auch nach mehrstündigem Spiel nicht auf die Nerven geht, da sie sich angenehm im Hintergrund hält. Dazu gesellen sich die unzähligen Geräusche der Stadt, die immer deutlicher werden je näher wir uns der Geräuschquelle nähern. In der extremsten Zoomstufe hört man z.B. die Stanzwerke der Industrie genauso gut wie das Geschreie der Kinder auf dem Schulhof oder das brummeln der Motoren der Autos die sich vor dem Bahnübergang ansammeln.


Gamezone Fazit:
"SimCity 4" hat sich im Vergleich zu SimCity 3000 ein kräftiges Stück weiterentwickelt, was nicht nur auf die Features sondern auch auf das Gameplay zutrifft. So erwartet uns nach wie vor das bekannte Prinzip der Wohn-, Gewerbe- und Industriezonen, gleichzeitig aber spielt deren Weiterentwicklung eine wesentlich wichtigere Rolle als noch in den Vorgängern. Obwohl fast dieselbe Mechanik verwendet wurde, lässt das Feature der upgradebaren Zonen tatsächlich eine sich weiterentwickelnde Stadt zu, die sich vom Agrardorf hin zum Businesscenter oder gar zum internationalen Industriezentrum aufbauen lässt. Durch die zusätzliche Möglichkeit Städte einfach importieren zu können oder gleich per Internet in den Wettstreit mit anderen Metropolen zu treten, bekommt das Prinzip der Nachbarstädte endlich einen tieferen Sinn der sich auch auf das Gameplay selbst auswirkt. Lediglich das Fehlen der bisher bekannten Szenarien kann man dem Game Negativ anlasten, da stattdessen nur fünf fertige Areale mitgeliefert werden, welche den Missionsmodus kaum ersetzen können. Ansonsten aber hat SimCity 4 die hohen Erwartungen voll und ganz erfüllt.
Grafik9
Sound8
Steuerung9
Gameplay9
8,8
Sehr Gut!
GameZone Silber Award
Negative Aspekte:
Nicht abschaltbare Straßenbauautomatik, keine fertigen Szenarien mehr.

Positive Aspekte:
Unglaubliche Anzahl an Handlungsmöglichkeiten und Features, sehr hoher Detailgrad, noch differenzierteres Gameplay. Die "Sim Option", welche es ermöglicht mehrere Sims in die Stadt zu setzen.


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Details Titel:
Sim City 4
System:
PC
Publisher:
Electronic Arts
Developer:
Maxis
Genre:
Strategie

Release: 16.01.2003
Spieler: 1 Spieler
Version: DE
Hardware: Win 98 / 2k / ME / XP, 500 MHz Prozessor, 128 MB RAM, 8x CD-ROM, DirectX 7, Tastatur, Maus.

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