Gradius V im Gamezone-Test

Test GreenAcid

Die Legende lebt: Konami schenkt uns mit Gradius V endlich den seit vielen Jahren sehnlichst erwarteten Nachfolger.

Legenden können schlafen...
...aber sterben können sie nicht!

Die Geschmäcker der Konsumenten ändern sich stetig, dies ist auch in unserer Branche so. So wurde das vor zehn Jahren noch überaus beliebte Shooter-Gerne mittlerweile fast vollständig von den Bildschirmen verdrängt. Schätzt man den Geschmack der Spieler aufgrund der bereits am Markt befindlichen Titel ein, so müssen Spiele heutzutage reichlich komplex und umfangreich sein um gekauft zu werden. Kurzweilige Actionorgien, die stark an die goldene Zeit der Spielhallen erinnern, sind anscheinend out und finden höchstens noch in Form von Shareware, Emulatoren oder als Handy-Spielchen genügend zahlungswillige Käufer.

Doch es gibt sie auch heute noch, die Fans von blau-roten Laserstrahlen, Power-Ups, Parallax-Scrolling und Bildschirm füllenden Explosionen. Bei diesen Spielern sind Highscores noch von Bedeutung, Memory Cards eigentlich völlig unnötig und mit dicken Blasen gezeichnete Daumen keine Seltenheit. Größtenteils sind dies natürlich die erfahrenen Zocker der alten Schule, die ihre schönsten Jahre am Joypad im Zeitalter der 16-Bit Konsolen erlebten. Doch anscheinend birgt diese vergleichsweise kleine Zielgruppe doch noch genügend Potential, um den ein oder anderen Publisher das klassische Gerne des Shoot'em'Up aus der Mottenkiste holen zu lassen. Dabei scheint sich dieses vom Vintage- und Retro-Look gezeichnete Jahr als ein ganz besonders feiner Jahrgang für Spielesammler herauszustellen, schließlich durften die Freunde der gepflegten Ballerorgie bereits im März dieses Jahres mit R-Type Final einen gelungenen Abschluss dieser legendären Shooter-Serie erleben. Nach endlos scheinender Wartezeit bringt Kultschmiede Konami nun endlich einen weiteren Teil der ebenfalls unsterblichen Gradius-Serie auf den Markt. Ein Zeichen für die Wiederauferstehung des in Vergessenheit geratenen Genres oder doch nur ein Geschenk an die Fans? Ein Pflichtkauf ist es auf jeden Fall!

Ballern ohne Ende!

Gradius V Gradius V Das Gameplay eines Shooters ist glücklicherweise recht einfach erklärt: Feindlichen Schüssen ausweichen und deren Urheber auf dem schnellsten Wege vom Bildschirm putzen. Außerdem die zahlreichen Power-Ups aufsammeln und somit die Feuerkraft des eigenen Raumschiffs drastisch steigern. Mit diesem einfachen Prinzip fährt man bei fast jedem Shoot'em'up ganz gut. Der richtige Einsatz der Power-Ups wird dann schon zur regelrechten Wissenschaft, ganz besonders bei Gradius: Durch das Erledigen von ganzen Feindverbänden oder den Abschuss eines orangefarbigen Aliens werden die heiß ersehnten Upgrades freigegeben und lassen den Cursor in eurer Waffenanzeige einen Schritt weiter nach rechts wandern. Per Knopfdruck wird das dort angezeigte Waffensystem oder Upgrade gekauft. Vom bleibenden Geschwindigkeitsschub über Raketen und Laser bis hin zum Schutzschild ist alles dabei, was das Ballerherz begehrt. Schade nur, dass man den unter Fans sehr beliebten "Ripple-Laser" erst nach dem erstmaligen Durchspielen im "Weapon Edit Mode" anwählen darf. Während die R-Typer mit einem unzerstörbaren Satelliten auf die Alienjagd gehen, schwören Gradius-Veteranen auf so genannte Options oder Multiples. Bis zu vier dieser ebenfalls unzerstörbaren Drohnen können eurer Raumschiff begleiten und bei richtiger Verwendung zu schnellen Erfolgserlebnissen verhelfen. Denn wer auch nur das Ende des zweiten Levels erleben möchte, muss sich mit der Funktion und der Steuerung der lebensrettenden Helfer voll und ganz vertraut machen.

Gradius V Gradius V Deshalb stehen die Multiples in diesem Teil der Serie auch deutlich mehr im Vordergrund. Man hat sogar auf die komplexe Waffenauswahl zu Beginn des Spiels verzichtet und unterscheidet lediglich zwischen vier möglichen Konfigurationen des Gleiters in Bezug auf die Multiples. Die verhalten sich nämlich je nach anfänglicher Auswahl unterschiedlich und können mittels Druck auf die R1-Taste entweder um das Raumschiff kreisen, ihre Schussrichtung oder den Abstand zur Vic Viper ändern oder in ihrer aktuellen Anordnung bleiben. Spielerisch hat die Wahl der Multiple-Einstellung deutliche Auswirkungen, denn je nach Level wird das Spiel dadurch unterschiedlich schwer oder verlangt gänzlich andere Strategien.

Extrem schwer ist noch deutlich untertrieben

Gradius V Gradius V Doch was vereint so ziemlich alle großen Shooter die jemals über unsere Bildschirme flimmerten? Neben schmerzenden Daumen und prächtiger Grafik ist vor allem der beinharte Schwierigkeitsgrad in fast allen Fällen der gemeinsame Nenner. Die bockschweren Endgegner und ihre niemals müden Helfershelfer lassen auf dem Bildschirm fast nur eine Hand voll Pixel frei, auf denen nicht tödliche Schüsse, Laser oder Raketen den Weg verbauen würden. Deshalb zeichnet sich der Shooter-Fan nicht durch nur durch blitzschnelle Reflexe, sondern vor allem durch die Kunst des Auswendiglernens aus. Der Weg durch die abertausenden Projektile und Gegner muss erst einmal gefunden und dann für die nächsten Versuche verinnerlicht werden. Denn selbst auf dem leichtesten Schwierigkeitsgrad ("Very Easy") wird es wohl kein menschliches Wesen beim ersten Anlauf vollständig durch Gradius V schaffen. Auch der Einsatz der anfänglichen zwei Continues hilft hier nicht viel weiter, die gehen spätestens im zweiten Level drauf. Glücklicherweise merkt sich das Spiel die vergangene Spielzeit und spendiert nach und nach ein paar zusätzliche Credits, was besonders für das Einstudieren der späteren Levels extrem wichtig ist. Denn nach ein paar Stunden schafft man die ersten paar Spielabschnitte überraschender Weise ohne Probleme, doch der Schwierigkeitsgrad steigt derart rapide an, dass eine Lösung beim allerersten Versuch fast immer unmöglich scheint. Wer allerdings dran bleibt und sich vom mörderischen Schwierigkeitsgrad dieses Spiels nicht entmutigen lässt, kommt bei jedem Anlauf ein kleines Stückchen weiter voran. Und genau hinter diesem Umstand verbirgt sich auch das Geheimnis der Motivation bei Spielen dieser Machart: Wer fleißig übt, wird eines Tages auch den allerletzten Endgegner zu Gesicht bekommen - Freudentränen und ein Bildschirmfoto des Highscores gehören dann natürlich mit dazu. Aus diesem Grund kann man es dem Spiel auch verzeihen, dass die insgesamt acht Levels in Prinzip sehr schnell durchgespielt sind - viele Tage voller unzähliger Neustarts und actiongeladenem Spielspaß allerdings vorausgesetzt.

Das schönste Gradius aller Zeiten

Gradius V Gradius V Grafisch ist Gradius V sicherlich der schönste Teil der Serie. Schwer ist dies allerdings nicht, schließlich gab es auf den aktuellen Next-Gen Konsolen bisher nur eine halbgare Neuauflage der beiden Spielhallen-Vorgänger. Diese exklusive PS2-Version lässt es da schon deutlich schöner Krachen: Alle Gegner und die komplette Umgebung wurden in 3D gestaltet, weshalb das Geschehen mit einem wunderbaren Tiefeneffekt glänzen kann. Wie auch schon bei R-Type Final bewegt ihr euch trotzdem nach klassischem Muster von Links nach Rechts, weshalb das altbekannte Gameplay bestehen bleibt, aber eben mit völlig neuer Bombast-Grafik in Szene gesetzt wird. Für die musikalische Untermalung hätten sich die Entwickler allerdings etwas mehr ins Zeug legen müssen. Schon auf dem SNES klang die Ballerorgie deutlich besser und durch das belanglose Gedudel im Hintergrund leidet auch die Gesamtatmosphäre ein wenig. In dieser Hinsicht hätte sich Konami ruhig etwas bei der Konkurrenz inspirieren lassen dürfen, denn zu einem wirklich guten Shooter gehört eigentlich immer auch ein wirklich guter Soundtrack.

Einen Wunsch der Spieler hat man übrigens endlich Realität werden lassen: Zum ersten Mal in der Geschichte der Serie dürfen sich zwei Spieler gleichzeitig gegen die Alienhorden behaupten - einsame Schlachten sind nun vorbei. Außerdem vorhanden: Ein gelungenes System für Internet-Highscores. Leider noch nicht per Netzwerkadapter, sondern nur durch Eingabe eines Passwortes auf der offiziellen Webseite des Spiels.

Meinung

Wertung zu Gradius V (PS2)

Wertung:

8.5 /10
Pro & Contra
legendäres Kult-Gameplayspektakuläre 3D-Optiktoller 2-Spieler ModusInternet Highscoressehr fordernd aber immer fair
stellenweise extrem schwerMusik nur durchschnittlichWaffenauswahl nur als freischaltbarer Bonus
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