Schuster blieb' bei deinen Leisten
Chicago 1930 versetzt Euch in die Zeit der Prohibition und bietet Euch gleich zwei Spielvarianten: Entweder Ihr macht Euch als linke Hand eines Mafiabosses ganz Chicago untertan und eröffnet an jeder Ecke illegale Bars und Casinos, oder Ihr nehmt die Rolle der Gesetzeshüter ein und versucht die explosionsartig ansteigende Kriminalität einzudämmen.
Spielerisch erwarten sich Kenner der vergangenen Spellbound-Titel beim Anblick der Screenshots sicherlich einen spannenden Mix aus Taktik und Strategie, doch leider wurden zentrale Spielelemente eindeutig ins Action-Genre verlegt. Dies wäre ja gar nicht mal so übel gewesen, nur leider ist dieser Umstieg auf ein anderes Genre nicht ganz geglückt: Die beliebte Strategie "Gegner umhauen - fesseln - verstecken" ist nicht mehr von der Partie, man stürmt nun einfach auf die Feinde zu und macht sie platt. Sollte ein Bösewicht doch mal schneller seine Waffe zücken als erwartet, ist das Spiel vorbei und Ihr müsst den letzten Quicksave laden. Größtes Manko: Da man die Blickwinkel der Gegner nicht mehr anzeigen kann, entartet eine Schleichmission schnell zum Feuergefecht und man sucht vergeblich nach den intelligent ausgetüftelten Lösungswegen der Vorgänger. Wenn man zum Beispiel in einen Raum mit fünf Gegnern stürmt, ist es zudem sehr unrealistisch, dass sich alle Feinde genügend Zeit mit ihrem Angriff lassen und schön brav stehen bleiben bis man es gerade noch so schafft sie zu überwältigen. Wo ist da die Logik? Ohne sichtbare Blickwinkel bleibt nur noch die "Mit der Tür ins Haus fallen Strategie" und dadurch wird aus dem ganzen Spiel ein viel zu holpriger Actiontitel mit viel zu vielen unbekannten Variablen. Es macht einfach keinen Spaß die Gegner nach dem Zufallsprinzip abzumurksen und dabei mit der Maus eine wilde Klickorgie zu veranstalten.
Auf der Seite der Polizei wird etwas mehr investigatives Können verlangt, viele Gespräche dienen hierbei vorrangig dazu die Bösewichte dingfest zu machen. Selbstverständlich darf man als Polizist nur bedingt von der Schusswaffe gebrauch machen, was etwas mehr taktisches Feingefühl ins Spiel bringt. Dennoch ist auch bei den Polizeimissionen der merkwürdige Spagat in Richtung Action-Genre nicht geglückt. Die zahlreichen Dialoge sorgen zwar für etwas mehr Atmosphäre und geben Euch oftmals hilfreiche Tipps, nur leider wird das Spiel bei jedem noch so kleinen Satz unterbrochen und die gegenwärtig ausgeführte Aktion Euerer Truppe wird damit beendet. Eine sinnvolle Neuerung sind die Upgradepunkte, mit denen Ihr die einzelnen Eigenschaften wie "Nahkampf" oder "Gesundheit" der Truppe nach jeder Mission aufbessern könnt.
Aufgrund fehlender Hotkeys ist auch die Steuerung etwas daneben gegangen. Wenn man mal schnell einen Gegner umnieten möchte, muss man erst umständlich das Waffensymbol klicken - wer sogar mit mehreren Mannen einen Angriff starten möchte, klickt sich schnell einen Krampf in die Hand. Außerdem wird eine Auswahl nicht gleich entsprechend bestätigt, sondern erst wenn die Figur ihre dafür vorgesehene Animation gezeigt hat - nicht selten sorgt dieses "Lag" für zusätzliche, unnötige Klicks. Ihr könnt zwar mit dem integrierten Zeitlupenmodus etwas Luft gewinnen, nur leider ist der wiederum so langsam geraten, dass man lieber auf normaler Spielgeschwindigkeit bleibt. Der bewährte Pause-Modus zur Verteilung der Befehle wäre angebrachter gewesen.
