Die talentierten Macher von relic bescheren uns mit diesem Titel eines der besten Echtzeit-Spiele des Jahres.
Großformatiger Ärger: Die Überunits
Warhammer 40.000: Dawn of War
Wer seinen Techtree komplettiert und genügend Ressourcen gehortet hat, darf sich an die Erschaffung einer ganz besonders starken "Überunit" machen. Diese Einheiten sind, wie der Name schon sagt, den üblichen Kämpfern um einiges voraus und machen mit ganzen Armeen kurzen Prozess. Im Gegensatz zu "Age of Mythology: The Titans" haben die Leute von relic Entertainment penibel darauf geachtet, dass sich das Gameplay von Dawn of War nicht zu sehr auf die möglichst schnelle Erschaffung dieser mächtigen Kreaturen konzentriert. Besonders im Mehrspielermodus wird es sehr wichtig sein, dass es für jede Überunit auch ein passendes Gegenmittel gibt, man aber dennoch auf einen solchen Angriff gut vorbereitet sein muss. Als besonders eindrucksvoll empfanden wir die Einheit der Chaos Space Marines: Den Blutdämon. Dieser Dämon macht seinem Namen alle Ehre und benötigt zum Überleben jede Menge Blut. Deshalb geht der gehörnte Koloss mit seinen Gegnern im Kampf nicht gerade zimperlich um und der rote Lebenssaft fließt in den packenden Kampfanimationen in ziemlich rauen Mengen. Die Orks wiederum haben einen riesigen Kriegselefanten namens "Squiggofant" in der Hinterhand, welcher mit seiner Spezialattacke durch ganze Armeen stampfen kann. Die Gefahr hierbei: Auch eigene Einheiten werden von dem Dickhäuter überrannt. Der mächtige Avatar der Eldar hingegen schwingt sich mit seinem Schwert durch die feindlichen Reihen, kann jedoch schnell umzingelt und somit bewegungsunfähig gemacht werden. Die zentralen Space Marines haben aufgrund ihrer Stärke keine eigene Spezialeinheit, allerdings dürfen sie auf der höchsten Entwicklungsstufe einen ganz besonders dicken Panzer bauen. Dieser als "Land Raider" bezeichnete Bolide ist besonders gut im Kampf gegen Gebäude, hält einiges an Treffern aus und kann zudem einen ganzen Einheitentrupp durch gefährliche Gebiete transportieren.
Nicht nur für Einzelspieler absolut großartig
Warhammer 40.000: Dawn of War
Während der 11 Missionen der Einzelspielerkampagne erlebt ihr die fesselnde Geschichte einer Einheit der Space Marines - der Blood Ravens - welche dank eingängiger Charaktere und schöner In-Game-Zwischensequenzen sehr spannend und glaubhaft rüberkommt. Nicht nur Warhammer-Fans sollten dabei dank der wendungsreichen Story voll auf ihre Kosten kommen. Leider sind die anderen Rassen ausschließlich im Mehrspielermodus spielbar, eine so riesige Kampagne wie Warcraft 3 hat Dawn of War nicht zu bieten. Aufgrund der komplexen Story hat man sich bewusst auf eine einzige spielbare Rasse konzentriert, eventuell werden wir in einem durchaus denkbaren Addon mit einer der anderen Fraktionen in die Schlacht ziehen dürfen. Leider hat dies aber auch zur Folge, dass man nach ca. 10-15 Stunden Spielzeit mit dem Einzelspielermodus durch ist. Etwas mehr hätte es an dieser Stelle schon sein dürfen, denn so ist das fulminante Spektakel für Kenner bereits nach einem Wochenende durchgespielt. Im Gegensatz zum bockschweren Homeworld 2 hat man sich bei Dawn of War übrigens viele Gedanken über den Schwierigkeitsgrad gemacht. Dieser ist nun für jede Mission einzeln wählbar und auf "Normal" auch wirklich gut spielbar, weshalb frustrierte Neustarts der Kampagne ausgeschlossen sind.
Doch was wäre ein modernes Echtzeitstrategiespiel ohne umfangreichen Mehrspielermodus? Bei Dawn of War wurde darauf ganz besonders großer Wert gelegt, was ein gründlicher und mehrmonatiger Betatest dieses Spielmodus deutlich belegt. Die Entwickler haben sich sogar die weltweit besten Spieler der eSports-Szene für interne Tests nach Vancouver geholt, wo sie schon lange Zeit beim schwierigen Balancing des Titels behilflich waren. Obwohl die vier Rassen beim Bau der Basis noch recht ähnlich ausgefallen sind, wird man sich ihrer deutlichen Unterschiede im späteren Spielverlauf erst richtig bewusst. Aufgrund der verschiedenen Stärken und Schwächen der Fraktionen müssen völlig unterschiedliche Strategien im Kampf verfolgt werden. Besonders die Eldar stechen hierbei mit ihrem ungewöhnlichen Teleport-Feature heraus, aber auch die Orks spielen sich durch ihre ungewöhnliche Art an Techtree-Upgrades zu kommen völlig anders. Um den Fans des Brettspiels gerecht zu werden, aber auch genügend Individualität ins Spiel zu bringen, hat man den Army Painter integriert. Mit diesem Tool könnt ihr eure Armeen nach Lust und Laune in ihrer Farbgebung gestalten, die dabei zur Verfügung stehenden Möglichkeiten sind mehr als umfangreich. Der Mehrspielermodus für maximal 8 Spieler über das Internet ist jetzt schon sehr gut besucht und man wird wohl keine Probleme haben ein paar nächtelange Gefechte mit anderen Fans des Spiels austragen zu können. Ein Rangsystem samt offizieller Ladder ist auch mit dabei, somit dürfen auch die Profispieler gut bedient sein.
Einen Oscar für die Animationen bitte!
Warhammer 40.000: Dawn of War
So detailverliebt wie das eigentliche Gameplay präsentiert sich auch die Grafik des Spiels: Ganz besonders die Kampfanimationen der Einheiten übertreffen so ziemlich alles bisher dagewesene. Dies liegt daran, dass die Figuren in den Kämpfen nicht die immer gleichen, langweiligen Bewegungen ohne eigentliches Ziel ausführen, sondern der Kampf tatsächlich Mann gegen Mann stattfindet und selbst aus der nächsten Zoomstufe noch beeindrucken kann. Die Animationen sind derart abwechslungsreich und detailliert gestaltet worden, dass kein Kampf gleich aussieht und man gerne auch mal das laufende Spiel pausiert, um mit der frei dreh- und zoombaren Kamera im Kampfgetümmel auf Entdeckungsreise zu gehen. Dabei gehen die Kontrahenten nicht gerade zimperlich miteinander um und es wird mitunter ziemlich blutig auf dem Bildschirm. Spätestens dann, wenn die oben beschriebenen Überunits das Schlachtfeld betreten, wird eine saftige Actiongranate gezündet, sodass jeder Spieler beim ersten Mal sicherlich mit offenem Mund vor dem Bildschirm sitzen wird. Diese bombastische Grafik schreit natürlich nach einem aktuellen PC mit ebenso fortschrittlicher Grafikkarte, denn besonders bei großen Massenschlachten wird einiges an Rechenleistung benötigt.
Die deutsche Version ist übrigens komplett lokalisiert worden und dies sogar außerordentlich gut. Die Sprecher der Charaktere sind ebenso glaubhaft wie die gelungenen Übersetzungen der Einheiten- und Gebäudenamen. Hier stechen ganz besonders die Orks hervor, welche bereits in der englischen Version mit sehr "orkischen" Bezeichnungen glänzten und nun auch in lokalisierter Fassung mit "Ballaboyz" und "Panzabikes" in die Schlacht ziehen. THQ hat bei der deutschen Anpassung keine Kosten und Mühen gescheut und dies merkt man auch sehr deutlich an deren Qualität.
