Zahlreiche taktische Elemente und die einsteigerfreundliche Benutzerführung zeichnen den dritten UFO-Teil aus.
Weitere Sorgenfalten
UFO: Afterlight
Solche bleiben uns nicht erspart, will man offen und ehrlich sein. So motivierend "Ufo: Afterlight" auch grundsätzlich aufgebaut ist, so mehren sich die negativen Aspekte mit zunehmender Spieldauer. Ein echter Schwachpunkt ist die mangelhafte Gegnerintelligenz, die uns erst viel später ab und an auf eine echte Probe stellt, so zum Beispiel, wenn die PSI-Angriffe der außerirdischen Feinde von Erfolg gekrönt sind und diese urplötzlich per Gedankenmanipulation unsere eigenen Kameraden gegeneinander aufhetzen. In der Regel aber zeigen sich die CPU-Gegner von einer schreckend dämlichen Vorgehensweise, zuweilen scheint es, also ob diese brav und geduldig eine Warteschlange bilden und sich daraufhin nacheinander geradezu abschlachten lassen wollen. Und dies auch noch ohne sonderliche Gegenwehr. Große Angst brauchen wir mit unserem Trupp im Außenbereich also regelmäßig nicht zu haben, es gleich erschreckend oft eher einem Spaziergang, zumindest erfahrene Strategiespieler rümpfen verächtlich die Nase. Schön, dass es praktisch keine unfairen Passagen gibt, aber chronisch unterfordert zu sein, ist ebenso wenig wünschenswert.
UFO: Afterlight
Doch damit noch nicht genug, auch im Bereich der Spieltechnik ist bei weitem nicht alles perfekt. Kann man möglicherweise über das unnötig zeitaufwendige "Begleiten" der Karriere des Nachwuchses noch hinwegsehen, so kann man der manchmal missglückten Kameraführung nur noch sehr wenig Toleranz entgegen bringen. So dynamisch die Kameraschwenks auch sind und offensichtlich ordentlich "leben in die Bude" bringen wollten, so sehr schießt man sich dabei nicht gerade selten damit ein klassisches Eigentor. Unübersichtliche Blickwinkel und das notwendige Erfordernis des manuellen Nachjustierens sind die unangenehme Folge. Weniger in den Außenbereichen als vielmehr in den engen Gebäudekomplexen gibt es einige unangenehme Laufwege, die mangels Übersicht vom Chaos geprägt sind. Der aufmerksame Leser hat längst gemerkt: hier wurde in einigen Bereichen leicht bis mittelschwer gepatzt.
Lichtblicke
UFO: Afterlight
Auch die gibt es, nicht dass jetzt ein falscher Eindruck entsteht. Diese will ich nicht unter den Teppich kehren. Den nicht gerade geringen Spielumfang und den vielseitigen Managerpart im Hinblick auf den Aufbau des Personals vor Ort sprach ich bereits an, nicht zu vergessen den uns gewährten großen spielerischen Gestaltungsfreiraum. Doch es gibt noch mehr, was in der Summe zumindest ein wenig über die angesprochenen Schwachpunkte hinwegtröstet: In erster Linie sticht das hervor, was man gut und gerne als echten "Pioniergeist" bezeichnen kann. Nicht von der Hand zu weisen ist, dass es Spaß macht, unbekanntes Terrain zu entdecken, erforschen und schließlich zu erobern, um sich in der Folgezeit an den wichtigen Ressourcen bereichern zu können. Ein nicht zu unterschätzender Suchtfaktor wohnt diesem Spiel theoretisch inne, spätestens nach den ersten erfolgreichen Eroberungs- und Verteidigungsmissionen und dem Anblick des sich immer mehr ausbreitenden eigenen Reiches pocht das Strategieherz merklich stärker als noch ganz zu Beginn. Nicht zu vergessen das Kreieren neuer Einheiten nebst nachfolgendem Aufleveln durch den Erwerb an Erfahrungspunkten. Begrüßenswert ist auch die Tatsache, dass die Anzahl des Personals in der Basis mit maximal zwanzig Einheiten angenehm stark begrenzt ist, so dass wir uns sehr genau mit dem Werdegang der einzelnen Figuren beschäftigen.
UFO: Afterlight
Speziell die Auflevelmöglichkeiten sorgen dafür, dass die Motivationskurve nicht bedrohlich nach unten sinkt. Soldaten gewinnen an Erfahrung durch das Töten von Feinden, für erfolgreich absolvierte Missionen und für den Einsatz ihrer speziellen Talente, Forscher hingegen für das Erforschen und Entwickeln neuer Technologien, das Errichten von Ausgrabungsstätten, Terraforming-Stationen und Geo-Sonden und für die Bewältigung von Spezialaufgaben. Schließlich sind die Techniker bestrebt, u.a. durch den Bau von Minen und Militäreinrichtungen sowie ebenfalls durch das Erfüllen von Sondereinsätzen an Erfahrung zu gewinnen. Weitere Ausbildungs- und Trainingsmöglichkeiten kommen dann für alle drei Klassen hinzu. Sogar Aliens und Cyber-Drohnen dürfen später mitmischen, auch diese können wir auf Wunsch als Personalkraft engagieren.
Zudem ist es auch grundsätzlich nicht verkehrt, dass wir mehrere Möglichkeiten haben, mit den Aliens auf dem Mars klarzukommen: sowohl Krieg als auch ein friedliches Miteinander bis hin zum Bündnis sind möglich, in letzterem Fall ist der Ausbau von Handelsbeziehungen dann sicherlich sinnvoll. Interessant wird es dadurch, dass wir im späteren Verlauf tatsächlich den Kontakt zu den Menschen auf der Erde herstellen und wichtige Informationen austauschen können, bis dahin ist es allerdings noch ein sehr weiter Weg, lohnen würde es sich aber zweifellos.
UFO: Afterlight
Bemerkenswert ist letztlich die Liebe zum Detail, auch was die einzelnen Gebiete auf dem Mars betrifft: je nachdem, wo wir uns auf dem roten Planeten aufhalten, sind unsere Einheiten einer unterschiedlichen Belastung an Strahlen ausgesetzt. Das Klima ist generell nicht besonders gesund für unsere Truppen, besonders das Durchforsten der hochgelegenen Terrains ist wahrlich kein Zuckerschlecken. Außerdem wird es nachts sehr kalt, was zusätzliche Probleme mit sich bringt. Je weiter das "Terraforming" auf dem Mars, also das Anpassen der Umgebung an die auf der Erde vorherrschenden Prozesse, voranschreitet, umso mehr schwächen sich jene Belastungen ab. Das motiviert, sei es auch anfangs nur ein schmaler Silberstreif am Horizont.
Berg- und Talfahrt
UFO: Afterlight
Schließlich wird die Geschichte an sich auch in visueller Hinsicht angenehm präsentiert und dies, wie bereits erwähnt, wesentlich besser als in den beiden Vorgängern. Dialogboxen inklusive sichtbarer Portraitbilder der jeweiligen Charaktere und animierte Sequenzen lassen eine ansatzweise dichte Atmosphäre aufkommen. Doch immer noch nicht derart dicht genug, als dass von einer hohen Identifikation mit der Handlung und seiner in ihr vorkommenden Protagonisten gesprochen werden könnte. Es fehlt die ganz enge Bindung zum Geschehen, eher bleibt der Strategiefan durch die angesprochenen Gestaltungsmöglichkeiten und den sich ergebenden Freiraum bei der Stange. Angesichts der Vorzüge aber auch zweifellos vorhandenen Schwachpunkte ist man hin- und hergerissen und fragt sich, was man letztlich von "Ufo: Afterlight" denn nun eigentlich halten soll. Die zweite Hälfte gefiel mir deutlich besser, was nicht zuletzt den Außerirdischen zu verdanken ist, die auch den erfahrenen Strategen unter uns endlich einmal etwas abverlangen und für sehr willkommene Abwechslung in den doch zusehends eintöniger werdenden Missionsverläufen bringen.
Luxus für Augen und Ohren?
UFO: Afterlight
Nein, das wäre zweifellos übertrieben. Hinsichtlich Grafik und Sound wird nicht besonders tief in die Trickkiste gegriffen, Enttäuschendes wird uns aber wiederum auch nicht serviert. Formulieren wir es daher besser so: beide Bereiche sind nicht entscheidend dafür verantwortlich, zum Kauf zu animieren beziehungsweise von einem solchen abzusehen. Ein Feuerwerk an grandiosen Spezialeffekten wird ebenso wenig abgefeuert wie sonderlich beeindruckende Animationen von Freund und Feind oder überaus detaillierte Texturen in der näheren Umgebung. Richtig geschludert wird in diesem Punkt aber zum Glück nicht, manch nette Spielereien in Verbindung mit Licht- und Schatten, Tag und Nacht sowie Rauch, Feuer und Nebel stimmen uns jedoch milde. Trotzdem ist die ab und an doch erstaunlich texturarme Gestaltung eines Gebiets sehr verwunderlich, da darf von einem PC-Spiel aus dem Frühjahr 2007 doch ruhig mehr erwartet werden. Positiv ausgelegt: im Fall von "Ufo: Afterlight" handelt es sich definitiv nicht um einen Hardwarefresser. Immerhin gefällt generell das bunte Design, eine überwiegend auffallend leuchtende Farbgebung, die abwechslungsreiche Gestaltung der Schauplätze und die gut modellierten Figuren, die sich auch bei näherem Heranzoomen der Kamera keine Blöße geben.
UFO: Afterlight
Was die akustische Untermalung betrifft, so passen die Hintergrundmelodien stets gut zum Geschehen, drängen sich nie unangenehm auf oder langweilen mit zunehmender Spieldauer, doch trotzdem: so richtig treibend, mitreißend, einpeitschend oder wie auch immer empfand ich den Soundtrack wiederum auch nicht. Es gibt in dieser Hinsicht nichts, was mir missfällt aber auch wenig, was ich jetzt besonders lobend hervorheben möchte. Deutlich auffälliger ist die gelungene Sprachausgabe, die authentisch rüberkommt und in der Tat die Atmosphäre (phasenweise zumindest) verdichten kann. Unter dem Strich bleibt auch hier ein zufriedenstellendes aber keineswegs besonders aufsehenerregendes Ergebnis. Grundsolide ja, hitverdächtig nein.
