Black Buccaneer im Gamezone-Test

Test Gonzo09

Jack Sparrow meets Lara Croft, oder wie man mit einem Voodoo-Fluch am Hals trotzdem ein guter Pirat sein kann.

Wenn ein Spiel, welches sich um Piraten dreht, am Horizont auftaucht, dass angeblich schon letztes Jahr fertig war, dann im Sturm des Wintergeschäfts verloren geht und rechtzeitig zum Start des dritten Teils der beliebten Filmtrilogie um Tuntenpirat Jack Sparrow seine Segel erneut setzt, was soll man davon halten? Nun, zunächst einmal wittert der erfahrene Kritikercaptain einen Hauch von Anbiedern an den marketingtechnisch günstigen Wind, denn soviel Pirateneuphorie wie derzeit wird es wohl eine ganze Weile nicht mehr geben. Erstaunlicherweise stellt "Black Buccanner" vom Entwickler 10tacle Software dann aber doch als kurzweiliges Actionadventure heraus, dass mehr in die Fußstapfen von Lara Croft als die eines Piraten tritt.

Black Buccaneer Black Buccaneer Die Story ist eigentlich auch komplett austauschbar und ich wage einfach mal zu behaupten, dass sie ohne "Piraten der Karibik" auch ein wenig anders ausgesehen haben könnte. Denn der Pirat Francis Blade, dessen Rolle der Spieler übernimmt, hat die Charaktertiefe eines toten Papageien und schlägt selbst damit noch locker den Rest der Belegschaft von Black Buccaneer aus dem Feld. Immer auf der Suche nach Schätzen und getrieben von den Winden verschlägt es ihn auf eine mehr oder weniger einsame Karibikinsel, wo es gilt Schätze zu sammeln und mittels zu reparierendem Boot in die Heimat zu verfrachten. Damit das Spiel wenigstens noch das Prädikat "mäßiges Storydesign" nach Hause trägt und den Tester nicht ganz starr angesichts so wenig Kreativität zurücklässt, hat sich 10tacle noch eine hastige und dünne Rahmenhandlung um einen Voodoo-Fluch einfallen lassen, der dafür sogt, dass aus Blade von Zeit zu Zeit der "Black Buccaneer" wird, ein totenkopfgesichtiger Voodoo-Hühne, dessen Schwertstreiche dafür sorgen, dass in der Trefferzone ordentlich die Planken beben. Um die Macht dieses Papa Jango - Verschnitts dreht sich dann auch der Rest des dünnen Plots aber die meiste Zeit heißt es Schätze sammeln.

Karibik Raider oder Tomb Pirate

Black Buccaneer Black Buccaneer Diese liegen allerdings nicht einfach so herum und sie lassen sich auch nicht ganz so billig von der Insel entfernen. Vielmehr erinnern schon die ersten fünf Spielminuten so prägnant an die Hüpfabenteuer von Lara Croft, dass man gelegentlich mit den Augen blinzelt, weil man nicht glauben kann, dass da ein Kerl und keine Britin in der Third-Person-Ansicht hüft und hangelt. Zerklüftete Felswände bieten Möglichkeiten Hand und Fuß zu setzen, Blade hangelt an schmalen Graden und zieht sich an Klippen mit den Fingerspitzen hoch. Wo habe ich das schon alles mal gesehen...? Auch das Kampfsystem, dass beim großen Vorbild so gut funktionierte, wagte man nicht groß anzufassen und so wird ein Gegner auf Knopfdruck anvisiert und nicht mehr aus den Augen gelassen. Entweder heißt es es nah ran, den Säbel zücken und die Tasten für leichte und schwere Angriffe bearbeiten, bis tot ist, was auch immer sich in den Weg stellt, oder man bleibt lieber auf Abstand und zieht die klassische Piratenpistole. Diese Vorläufer moderner Präzisionstechnik haben jedoch den Nachteil, immer nur eine Kugel laden zu können und dann dauert es einige Sekunden, bis der nächste Schuss fällt. Damit das Kampfgeschehen nicht zu schnell langweilig wird, gibt es eine Reihe von mehr oder weniger effektiven Spezialmanövern, die, natürlich, etwas mehr Schaden verursachen, dafür aber auch ein wenig schwerer auszuführen sind. Die Kämpfe laufen mit diesen Möglichkeiten etwas einmütig ab, denn die Auswahl an Gegnern reduziert sich auch Affen in den ersten Stunden und ein paar Piraten im späteren Spielverlauf. Etwas mehr generelle Abwechslung hätte es schon sein dürfen. Auch hat man zu schnell aus, dass reale Affen weit schlauer sind als die KI hier, denn die meisten Feinde lassen sich sehr gut aus der Deckung einer einzigen Polygonkante erlegen. Selbst eine einfach Rampe ist für sie ein unüberwindbares Hindernis...

Nicht neu aber bewährt: das Rätseldesign

Black Buccaneer Black Buccaneer Gut also, dass Kämpfe bei Black Buccaneer kaum mehr eine Fußnote im Log von Captain Blade sind und er eher der Entdecker als der Krieger ist. Und zu entdecken gibt es viel, denn die Spielwelt ist nicht linear aufgebaut. Vielmehr kann man gerade da herumstöbern, wo man einen Weg weiter findet und von solchen Wegen gibt es eigentlich immer mehr als nur einen. Die einzelnen Questen müssen in keiner bestimmten Reihenfolge abgearbeitet werden. Leier heißt dass aber auch, dass die meiste Zeit unklar ist, was eigentlich genau in der nächsten Schatztruhe wartet. Ob es ein Bauteil für das Boot, spezielle Kampftechniken oder etwas anderes ist, zeigt sich erst, wenn das Schloss geöffnet wurde. Die Rätsel auf den Weg dahin machen Spaß, aber das liegt hauptsächlich daran, dass sie in dieser Form auch schon bei Tomb Raider oder anderen Genreverwandten für Laune sorgten. Noch klassischer und unverfälschter als hier werden selten Sprungsequenzen und Kistenverschiebereien geboten. Leider gibt es wenige Aufgaben, die sich über mehr als ein kleines Areal erstrecken und schnell durchsichtig sind. Ein wenig zu kurz gekommen ist auch der Einsatz der Spezialfertigkeiten aus der Voodoo-Nische. Zwar muss für ein paar Rätsel der Black-Buccaneer gerufen werden, nur ist der Einsatz so offensichtlich und uninspiriert, dass es kaum mehr als beim Versuch bleibt, neue Wege in das Spieldesign einzuführen. Erfahrene und wetterfeste Abenteurer der Schule Croft werden eigentlich so gut wie nie groß aufgehalten, Einsteiger freuen sich dagegen über die keineswegs ganz geschenkten Erfolge.

Black Buccaneer Black Buccaneer Geschenkt gibt es hier sowieso nicht viel, denn in der Welt der Piraten dreht sich ja bekanntlich alles um Pieces o' Eight. Sobald sich Blade mal einen Fehltritt geleistet hat oder ein Affe wider Erwarten zu stark war, muss ein Tribut geleistet werden, soll es nicht an der Stelle Game Over heißen. Jeder Gegner hinterlässt eine Art Voodoo-Währung, die zum Wiederbeleben und auch zum Speichern gebraucht wird. Richtig, nicht nur dass, man nicht überall speichern darf, selbst wenn eine der Statuen dafür gefunden wurde, muss ein Obulus entrichtet werden. Persönlich bin ich ein Freund von "speicher, wann Du willst", schließlich ist nicht immer die Zeit da, um einen halben Level zur letzten Statue zurückzulaufen, aber zumindest ist der Preis für jeden Spielstand so gering, dass er kein echtes Manko darstellt.

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