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Wenn ein Spiel, welches sich um Piraten dreht, am Horizont auftaucht, dass angeblich schon letztes Jahr fertig war, dann im Sturm des Wintergeschäfts verloren geht und rechtzeitig zum Start des dritten Teils der beliebten Filmtrilogie um Tuntenpirat Jack Sparrow seine Segel erneut setzt, was soll man davon halten? Nun, zunächst einmal wittert der erfahrene Kritikercaptain einen Hauch von Anbiedern an den marketingtechnisch günstigen Wind, denn soviel Pirateneuphorie wie derzeit wird es wohl eine ganze Weile nicht mehr geben. Erstaunlicherweise stellt sich "Black Buccanner" vom Entwickler 10tacle Software dann aber doch als kurzweiliges Actionadventure heraus, dass mehr in die Fußstapfen von Lara Croft als die eines Piraten tritt.
 Black BuccaneerDie Story ist eigentlich auch komplett austauschbar und ich wage einfach mal zu behaupten, dass sie ohne "Piraten der Karibik" auch ein wenig anders ausgesehen haben könnte. Denn der Pirat Francis Blade, dessen Rolle der Spieler übernimmt, hat die Charaktertiefe eines toten Papageien und schlägt selbst damit noch locker den Rest der Belegschaft von Black Buccaneer aus dem Feld. Immer auf der Suche nach Schätzen und getrieben von den Winden verschlägt es ihn auf eine mehr oder weniger einsame Karibikinsel, wo es gilt Schätze zu sammeln und mittels zu reparierendem Boot in die Heimat zu verfrachten. Damit das Spiel wenigstens noch das Prädikat "mäßiges Storydesign" nach Hause trägt und den Tester nicht ganz starr angesichts so wenig Kreativität zurücklässt, hat sich 10tacle noch eine hastige und dünne Rahmenhandlung um einen Voodoo-Fluch einfallen lassen, der dafür sogt, dass aus Blade von Zeit zu Zeit der "Black Buccaneer" wird, ein totenkopfgesichtiger Voodoo-Hühne, dessen Schwertstreiche dafür sorgen, dass in der Trefferzone ordentlich die Planken beben. Um die Macht dieses Papa Jango - Verschnitts dreht sich dann auch der Rest des dünnen Plots aber die meiste Zeit heißt es Schätze sammeln. Karibik Raider oder Tomb Pirate  Black BuccaneerDiese liegen allerdings nicht einfach so herum und sie lassen sich auch nicht ganz so billig von der Insel entfernen. Vielmehr erinnern schon die ersten fünf Spielminuten so prägnant an die Hüpfabenteuer von Lara Croft, dass man gelegentlich mit den Augen blinzelt, weil man nicht glauben kann, dass da ein Kerl und keine Britin in der Third-Person-Ansicht hüft und hangelt. Zerklüftete Felswände bieten Möglichkeiten Hand und Fuß zu setzen, Blade hangelt an schmalen Graden und zieht sich an Klippen mit den Fingerspitzen hoch. Wo habe ich das schon alles mal gesehen...? Auch das Kampfsystem, dass beim großen Vorbild so gut funktionierte, wagte man nicht groß anzufassen und so wird ein Gegner auf Knopfdruck anvisiert und nicht mehr aus den Augen gelassen. Entweder heißt es es nah ran, den Säbel zücken und die Tasten für leichte und schwere Angriffe bearbeiten, bis tot ist, was auch immer sich in den Weg stellt, oder man bleibt lieber auf Abstand und zieht die klassische Piratenpistole. Diese Vorläufer moderner Präzisionstechnik haben jedoch den Nachteil, immer nur eine Kugel laden zu können und dann dauert es einige Sekunden, bis der nächste Schuss fällt. Damit das Kampfgeschehen nicht zu schnell langweilig wird, gibt es eine Reihe von mehr oder weniger effektiven Spezialmanövern, die, natürlich, etwas mehr Schaden verursachen, dafür aber auch ein wenig schwerer auszuführen sind. Die Kämpfe laufen mit diesen Möglichkeiten etwas einmütig ab, denn die Auswahl an Gegnern reduziert sich auch Affen in den ersten Stunden und ein paar Piraten im späteren Spielverlauf. Etwas mehr generelle Abwechslung hätte es schon sein dürfen. Auch hat man zu schnell aus, dass reale Affen weit schlauer sind als die KI hier, denn die meisten Feinde lassen sich sehr gut aus der Deckung einer einzigen Polygonkante erlegen. Selbst eine einfach Rampe ist für sie ein unüberwindbares Hindernis... Nicht neu aber bewährt: das Rätseldesign
 Black BuccaneerGut also, dass Kämpfe bei Black Buccaneer kaum mehr eine Fußnote im Log von Captain Blade sind und er eher der Entdecker als der Krieger ist. Und zu entdecken gibt es viel, denn die Spielwelt ist nicht linear aufgebaut. Vielmehr kann man gerade da herumstöbern, wo man einen Weg weiter findet und von solchen Wegen gibt es eigentlich immer mehr als nur einen. Die einzelnen Questen müssen in keiner bestimmten Reihenfolge abgearbeitet werden. Leier heißt dass aber auch, dass die meiste Zeit unklar ist, was eigentlich genau in der nächsten Schatztruhe wartet. Ob es ein Bauteil für das Boot, spezielle Kampftechniken oder etwas anderes ist, zeigt sich erst, wenn das Schloss geöffnet wurde. Die Rätsel auf den Weg dahin machen Spaß, aber das liegt hauptsächlich daran, dass sie in dieser Form auch schon bei Tomb Raider oder anderen Genreverwandten für Laune sorgten. Noch klassischer und unverfälschter als hier werden selten Sprungsequenzen und Kistenverschiebereien geboten. Leider gibt es wenige Aufgaben, die sich über mehr als ein kleines Areal erstrecken und schnell durchsichtig sind. Ein wenig zu kurz gekommen ist auch der Einsatz der Spezialfertigkeiten aus der Voodoo-Nische. Zwar muss für ein paar Rätsel der Black-Buccaneer gerufen werden, nur ist der Einsatz so offensichtlich und uninspiriert, dass es kaum mehr als beim Versuch bleibt, neue Wege in das Spieldesign einzuführen. Erfahrene und wetterfeste Abenteurer der Schule Croft werden eigentlich so gut wie nie groß aufgehalten, Einsteiger freuen sich dagegen über die keineswegs ganz geschenkten Erfolge.
 Black BuccaneerGeschenkt gibt es hier sowieso nicht viel, denn in der Welt der Piraten dreht sich ja bekanntlich alles um Pieces o´ Eight. Sobald sich Blade mal einen Fehltritt geleistet hat oder ein Affe wider Erwarten zu stark war, muss ein Tribut geleistet werden, soll es nicht an der Stelle Game Over heißen. Jeder Gegner hinterlässt eine Art Voodoo-Währung, die zum Wiederbeleben und auch zum Speichern gebraucht wird. Richtig, nicht nur dass, man nicht überall speichern darf, selbst wenn eine der Statuen dafür gefunden wurde, muss ein Obulus entrichtet werden. Persönlich bin ich ein Freund von "speicher, wann Du willst", schließlich ist nicht immer die Zeit da, um einen halben Level zur letzten Statue zurückzulaufen, aber zumindest ist der Preis für jeden Spielstand so gering, dass er kein echtes Manko darstellt. Die Kunst des konstanten Mittelmaßes
 Black BuccaneerAber nicht nur dieser Preis ist niedrig, auch der des Spiels an sich in der realen Welt ist mit 20-25 € ausgesprochen gering angesetzt. So sollte denn auch keine State of the Art - Grafik erwartetet werden, denn sie wird auch nicht geliefert. Wie bei den Rätseln blieb die Zeit in der Karibik auf dem Stand von 2002 stehen. Eckige Kanten, schlichte Texturen und eher einfache Animationen schreien nicht gerade 2007. Trotzdem kann man den Karibik-Charme nicht ganz entkommen, denn durch frische Farben und stimmige Settings kommt doch noch genug Sommerflair und Piratenhauch auf den Screen, trotz der nicht wegzudiskutierenden Schwächen. Eine davon ist übrigens der fehlende 16:9 / 10 Modus, der in der PS2-Version erstaunlicherweise enthalten ist. Erwähnenswert ist für die Besitzer frisch gekaufter PCs, dass Black Buccaneer Probleme mit Vista hat. Auch ein Schwäche, die ich nie müde werde zu beklagen, ist die Tatsache, dass ich erst mein Virtual-CD-Programm deaktivieren musste, damit der Kopierschutz es mir erlaubte, Black Buccaneer zu starten. Liebe Programmierer, es ist mein Rechner, ich habe diese Software gekauft, weil ich sie zur Arbeit brauche und ihr habt nicht das Recht, mir vorzuschreiben, was auf meinen Rechner passiert. Punkt.
 Black BuccaneerFür die Soundkulisse trifft ungefähr das gleiche zu, denn die Kompositionen der Dschungel Ooga-Booga-Musik mit Affenschreien und Vogelzwitschern ist sicher nicht unstimmig, nur leider kam die Abwechslung zu kurz. Der Spieler, der sich das auch noch nach Stunden mit Genuss anhört, muss hartgesotten sein, denn teilweise nerven die Komposition wirklich, vor allem wenn das, was der Erschaffer für ein Voodoo-Kulisse hielt, mehr wie ein Urwaldporno klingt. Die Soundeffekte stammen alle aus der Retorte, was bedeutet, dass es zwar nichts neues zu hören gibt, allerdings auch nichts wirklich schlecht klingt. Das ein Pirat nicht die Grazilität einer englischen Archäologin erreicht ist klar, aber hier auch nicht wirklich nötig. Denn obwohl Blade nicht gerade elegant animiert zu Werke geht, lässt einen die Steuerung nie im Stich, höchstens eine gelegentliche Meuterei der Kameraführung gibt es zu beklagen.
Gamezone Fazit:
Erstaunlicherweise sieht es danach aus, als hätte 10tacle einen durchaus brauchbaren Beitrag zum derzeitigen Piratenhype abgeliefert. Zwar ist das lizensierte Spiel zum Jack-Sparrow-Film weit schöner geraten als das Abenteuer um Francis Blade, hier wird aber spielerisch mehr geboten. Mehr ist aber leider nicht immer genug, denn Black Buccaneer hat zwar wenig Fehler aber auch nur wenig Stärken. Es gibt nichts, was nicht schon woanders genauso gespielt wurde, teilweise besser, teilweise schlechter. Wer also noch nie ein Third-Person-Action-Adventure gespielt hat sollte wohl eher zu Tomb Raider Anniversary greifen, das zwar etwas teurer ist, dafür aber auch bewegendere Spielmomente bietet. Wenn ihr allerdings unbedingt Piraten und Karibik haben wollt, oder einfach nur ein günstiges, nettes Spiel für das Wochenende sucht, ist hier kein Fehlgriff getan.
| Grafik |  | 5 |
| Sound |  | 5 |
| Steuerung |  | 7 |
| Gameplay |  | 6 |
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6,5 Geht so |
Negative Aspekte: Komplettes Mittelmaß auf technischer Seite, Spielablauf und Rätsel bieten nichts neues, wenige Speicherpunkte, zu wenig Abwechslung bei den Feinden, erschütternd schwache Gegner-KI, kein 16:9 Support, läuft nicht auf Vista
Positive Aspekte: Übersichtliches und logischen Rätseldesign, sehr freie Spielwelt, keine lineare Struktur im Ablauf, Voodoo-Verwandlungen lockern den Spielablauf auf, gute Spielbarkeit
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Titel: Black Buccaneer
System: PC Publisher: CDV Genre: Action-Adventure
Release: 06.11.2007 Spieler: 1 Spieler Version: DE


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