Carnival: Die Jahrmarkt-Party im Gamezone-Test

Test Andreas Keser

Nur eine von vielen Minispiel- sammlungen oder vielleicht doch ein echter Geheimtipp?

Gelegenheitsspieler (die so genannten Casual-Gamer) werden heutzutage mehr angesprochen denn je. Schon zum Start der neusten Nintendo-Konsole gab es massig Minispielsammlungen, die in der Handhabung sehr simpel und eingängig sind. "Wii Sports" und "Rayman Raving Rabbids" dürften wohl die bekanntesten sein. Sie haben gezeigt, dass solche Konzepte auf der Wii ganz besonders spaßig sind. Auch der Erfolg blieb nicht aus, sodass viele Entwickler ebenfalls auf diese Sparte gesetzt haben und man sich vor lauter Minispielen kaum mehr retten konnte. Ein weiteres steht mit "Carnival - die Jahrmarkt-Party" am Start. Hier hat man sich komplett dem allseits beliebten Rummelplatztreiben gewidmet und sämtliche Wurfbuden und Schießstände in virtueller Form auf die Disc gepresst. Doch ist das nur eines von vielen dieser Spiele oder ein echter Hauptgewinn?

Der Rummelplatz ruft

Carnival: Die Jahrmarkt-Party Carnival: Die Jahrmarkt-Party Wie die meisten Minispielsammlungen hat auch "Carnival" keine Story parat. Man macht sich erst gar nicht die Mühe, irgendeine Hintergrundgeschichte zu erzählen, denn für diese Art von Spiel braucht es das im Grunde auch nicht. Dafür setzt man auf ein ganz bestimmtes Flair - man möchte dem Wii-Spieler den Rummelplatz ins Wohnzimmer holen. Dies geschieht anhand von Minigames, die der Kirmes entsprungen sind. Doch bevor man auf den virtuellen Rummelplatz geschickt wird, muss man zunächst sein Alter Ego erschaffen. Anders als man das von Spielen wie "Die Sims" gewöhnt ist, fällt das aber sehr mau aus. Man hat nur eine Auswahl von fünf verschiedenen Hosen und solche Dinge wie Augen oder Nase gibt es erst gar nicht separat zu bestimmen. Man sucht sich einfach einen der vorgegebenen Köpfe aus und stellt fest, dass der Charakter so gar nichts mit dem eigenen Erscheinungsbild gemein hat. Enttäuscht über den schwachen Einstieg, machen wir uns schließlich auf den Weg zu den einzelnen Spielen.

Dosenwerfen, Entenschießen und Hau den Lukas - die Minispiele

Da sich bei "Carnival" alles um das Thema Jahrmarkt dreht, ist die Auswahl der verschiedenen Minispiele wenig verwunderlich. Wer kennt nicht die Klassiker wie Dosenwerfen, heißer Draht, Ballons zum Platzen bringen, Pferderennen oder Entenschießen? Sie sind allesamt vertreten, denn das Spiel bietet über 25 Herausforderungen. Hier ein paar davon im Detail:

Carnival: Die Jahrmarkt-Party Carnival: Die Jahrmarkt-Party Wie der Name schon sagt, geht es beim Entenschießen darum, möglichst viele Enten abzuschießen. Es gibt allerdings zwei Besonderheiten. Zum einen dürfen keine roten Enten getroffen werden, da man sonst Minuspunkte erhält und zum anderen sollte man versuchen die Zielscheiben auf den Enten zu erwischen. Trifft man diese, bekommt man mehr Punkte. Gezielt wird mit der Wii-Fernbedienung und geschossen per B-Knopf. Ganz nett, aber schon tausendmal in irgendeiner Form da gewesen. Auch so etwas wie das Dosenwerfen hat man anderswo schon etliche Male gesehen. Die Wii-Remote stellt dabei euren Ball dar, den ihr wuchtig auf den Dosenhaufen werfen müsst. Je mehr davon umfallen, desto besser. Sehr simpel und nicht gerade das, was einen länger an den Bildschirm fesselt.

Carnival: Die Jahrmarkt-Party Carnival: Die Jahrmarkt-Party Luftballons mit Pfeilen abschießen funktioniert ganz ähnlich. Dabei gibt es aber mehr Ziele, die auch unterschiedlich groß sind. Ansonsten ist es vom Spielablauf ähnlich unspektakulär wie das Dosenwerfen. Nach ein paar Runden hat man die Nase voll davon. Münzenschieben kann hingegen schon eher überzeugen, weil man so etwas nicht in jeder Minispielsammlung findet und das typische Rummelfeeling aufkommt. Eine kurze Erklärung dazu: Es liegen neutrale, rote und grüne Münzen auf sich bewegenden Plattformen. Oben bewegt sich eine Art Rohr hin und her. Durch Druck auf den A-Knopf kann durch dieses Rohr eine Münze auf die Plattformen geschleudert werden. Mit ein wenig Glück liegt diese so geschickt, dass sie andere Münzen nach vorne schiebt, bis diese schließlich herunterfallen. Für jede heruntergefallene rote Münze gibt es Punkte - grüne geben besonders viele.

Allein an der kurzen Aufzählung dieser Beispiele wird deutlich, dass es einige Minigames gibt, die ganz ok sind und andere, die einen totalen Griff ins Klo darstellen. Die Klogriffe überwiegen leider enorm. Es gibt fast nichts, was man nicht schon einmal (besser) irgendwo anders gesehen hätte. Sowohl in Sachen Steuerung, als auch Idee oder Spielprinzip. Hinzu kommt das Problem, dass sich selbst innerhalb der gut 25 Spiele einiges sehr ähnlich ist und wiederholt. Das dezimiert die Zahl erheblich und lässt uns zu der Erkenntnis kommen, dass nur eine handvoll wirklich spielenswert ist.

Rapp-Giraffe und Aufziehpanzer - Preise in Hülle und Fülle

Carnival: Die Jahrmarkt-Party Carnival: Die Jahrmarkt-Party Eines muss man "Carnival" wirklich lassen, es gibt sehr viel freizuschalten und zu entdecken. Wenn man beim Entenschießen einigermaßen gut abgeschnitten hat, dann erhält man einen Preis. Je nach Leistung fällt dieser entweder klein, mittel oder groß aus. Für vier kleine Preise, kann man sich einen mittelgroßen eintauschen. Drei mittelgroße ergeben wiederum einen großen Preis und zwei große Preise lassen sich zu einem Hauptpreis umwandeln. Zusätzlich werden Tickets verdient, die man wiederum in neue Kleidungsstücke oder andere Goodies investieren kann. Natürlich gibt es nicht nur beim Entenschießen Preise, sondern bei jedem der ca. 25 Spiele. Wer also sämtliche kleinen, mittleren, großen und Hauptpreise abstauben will, der dürfte eine ganze Weile beschäftigt sein. Doch wie sieht so ein Preis eigentlich aus? Im Grunde der typische Jahrmarkt-Ramsch. Von Luftballons über Plüsch-Teddys, Wasserpistolen, Aufziehpanzer, bis hin zur Rapp-Giraffe und anderen Kuriositäten. Es sind wirklich ulkige Dinge dabei, aber die Motivation, komplett alles zu sammeln, ist dennoch nicht sonderlich groß.

Technische Krücke?

Carnival: Die Jahrmarkt-Party Carnival: Die Jahrmarkt-Party Man kann es leider nicht anders sagen, aber in Sachen Technik hat man nichts Gutes zustande gebracht. Die Grafik ist so detailarm und lieblos gestaltet, dass man sich wirklich fragen muss, wozu wir die Next-Gen-Konsolen eigentlich haben. Das Charakterdesign ist stinklangweilig und lässt jede Form von Qualität vermissen und die Texturen tragen ihr Übriges dazu bei, damit "Carnival" optisch niemanden mehr auch nur ansatzweise begeistern könnte. Höchstens Kinder, die den bunten Stil mögen, aber mit zeitgemäßer Grafik hat das leider nicht mehr viel am Hut. Beim Sound sieht es nicht ganz so schlimm aus, denn dadurch, dass auf dem Rummelplatz meist seichtes Gedudel läuft, wirkt die Soundkulisse fast schon authentisch. Die lahme Sprachausgabe und die mittelmäßigen Soundeffekte sind aber dennoch keine Glanzleistung.

Was die Steuerung angeht gibt es sowohl positive als auch negative Beispiele. Einige der Minigames funktionieren wirklich gut und lassen sich prima steuern. Viele sorgen hingegen für wahre Frustmomente und wirken einfach nicht genug durchdacht. Insgesamt daher eine durchschnittliche Leistung.

Meinung

Wertung zu Carnival: Die Jahrmarkt-Party (Wii)

Wertung:

6.4 /10
Pro & Contra
Eine handvoll guter Minigameses gibt viele Preiseim Mehrspieler ansatzweise unterhaltsamLow-Budget-Titel
Miese Grafikdurchschnittlicher Soundteilweise unpräzise Steuerungwenig Neueskaum Abwechslung im Gameplaynur wenige Minispiele die überzeugen könnenschlechter Charaktereditor
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