Nitrobike im Gamezone-Test

Test Alexander Winkel

Die grundsolide Ansätze reichen leider nicht aus, um einen wirklich empfehlenswerten Exklusivtitel für die Wii abzuliefern.

Nachdem Nintendo höchst persönlich mit "Excite Truck" die Messlatte der Wii-Rennspiele recht hoch gelegt hat, müssen sich alle Nachkommen an dem spaßigen Arcade-Racer messen. Nicht ohne Grund, sorgte der Titel doch für viele unterhaltsame Stunden. An Konkurrenz mangelt es derweil eigentlich nicht. Rennspiele mit einem soliden Grundkonzept erreichten durchaus das Händlerregal, nur müssten dieses auch stimmig umgesetzt und die Steuerung akkurat ausgefeilt sein. Ubisoft versucht nun mit "Nitrobike" wieder ins Rennen zu kommen und liefert ein rasantes Zweiradabenteuer inklusive einem Onlinemodus für waaghalsige Piloten ab. Aber auch wenn die spielerischen Ansätze eine solide Substanz darbieten, ist das Rennen schon auf der Startgeraden gelaufen. Warum uns der Titel nicht überzeugen konnte und das Potenzial verschenkt wurde, erfahrt ihr in unserem Review.

Nitrobike Nitrobike Auf dem ersten Blick erscheint das schwache Abschneiden von "Nitrobike" wie eine schemenhafte Surrealität und von daher recht abwegig. Denn der spielerische Kern ist durchdacht und bietet euch Pistenduelle und harte Zeitrennen für etliche Spielstunden. Das Herz der Biker gehört vor allem der ausladenden Karriere. Mit eigenem Profil steigt man in den Kampf um Ruhm, Ehre und Pokale ein. Die Erfolge bescheren euch neue Zweiräder mit mehr PS-Power und vor allem einer besseren Handhabe, die sich auch tatsächlich auf den staubigen Pisten und dem Asphalt bemerkbar macht. Der fahrbare Untersatz ist aber nicht mit heutigen Motocross-Varianten zu vergleichen. Ausgestattet mit Nitro gleichen die Geräte wie Raketen auf Rädern und preschen mit einem unglaublichen Tempo durch die verwinkelten Kurse. Ein passender Tunnelblick mit verzerrter Realität sowie verwischenden Effekten sorgt für das richtige Geschwindigkeitsgefühl, zumindest bis die nächste Kurve den schmächtig wirkenden Fahrer unliebsam von seinem hohen Ross wirft.

Nitrobike Nitrobike Der spielerische Umfang kann sich durchaus sehen lassen. Satte 60+ Events sorgen dafür, dass man sich tagelang mit dem Titel beschäftigen kann. Auf über 20 Pisten gilt es etliche Auszeichnungen in Bronze, Silber und Gold zu holen, um letztendlich am entscheidenden letzten Cup einer Klasse teilnehmen und einen Rang aufsteigen zu können. Zahlreiche unterschiedliche Aufgaben sorgen für Abwechslung im ansonsten doch tristen Alltag eines Rennpiloten. Neben normalen Einzelrennen gegen neun gegnerische Kollegen gilt es Rundenrekorde zu schlagen, als letzter aus einem Eliminierungsrennen auszusteigen, oder im Reifenchaos verteilte Symbole abzuklappern, damit man Zeit gutgeschrieben bekommt und die Runde zu Ende fahren kann. Besonderes Schmankerl ist das Trickrennen. Hier müsst ihr alle erforderlichen Tricks innerhalb der verfügbaren Zeit zeigen, um an die begehrten Auszeichnungen heran zu kommen.

... und dann kam es zum Sturz!

Nitrobike Nitrobike Bisher kann man sich also über den Titel kaum beschweren, doch noch haben wir die staubigen Pisten nicht besucht. Denn nach dem Countdown auf Null und dem Startschuss kommt die Ernüchterung. Gesteuert wird das Spiel ausschließlich mit der Wii-Remote, die wie in solchen Spielen üblich wie ein NES-Controller quer gehalten wird. Die 1- bzw. 2-Taste übernehmen den Gashebel und die Bremse, während die Lenkung per Neigung der Fernbedienung nach links oder rechts erfolgt. Grundsätzlich ist auch daran nichts auszusetzen, sofern der Spieler die Kontrolle über sein Fahrzeug behält. Doch genau in diesem Punkt scheiden sich die Geister! Wer die Herausforderung liebt, könnte durchaus gefallen an der Steuerung haben, doch die Meisten werden das schwammige Fahrverhalten und extrem feinfühlige System verfluchen. Jegliches Zweirad schlittert wie auf Eis über die Pisten und wer nicht rechzeitig und gut abgestimmt in die Bremsen haut, macht schnurstracks einen Abflug in die Pampa. Hat man den Dreh mit reichlich Übung mal raus, kann man das Fahrzeug durchaus auch perfekt durch die Kurve schlittern lassen. Anders herum gesehen übersteuert das gute Stück dann aber auch mal, sobald man eine gewisse Geschwindigkeit unterschritten hat, so dass selten eine Gerade ohne ausufernde Schlenker durchfahren wird.

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Nitrobike Nitrobike Somit wird das eigentliche Feature des Spieles dem Gameplay zum Verhängnis: Wie der Titel es schon aussagt, spielt das Nitro eine große Rolle. Von der ersten Minute an erscheint kein Sieg möglich, ohne den Boost ordentlich ausgenutzt zu haben. Extreme Beschleunigungen und hohe Geschwindigkeiten stehen dem Fahrverhalten aber konträr gegenüber: Wer bremst verliert das Rennen und wer dies nicht tut, küsst schmerzhaft die nächste Wand! Hinzu kommen diverse kleine Problem: Unter anderen sorgen die KI Kollegen für mächtig viel Frust. Diese sausen nicht nur von Anfang an mit ordentlich Turbo durch die Gegend und verhindern weitestgehend eine passende Lernkurve, sondern hemmen nicht selten den flüssigen Rennverlauf. In einem direkten Duell inklusive Feindkontakt verliert man sofort die Kontrolle über das Motorrad und kann meist weder durch bremsen noch mittels der Lenkung irgendwie die Kurve kratzen. Gelingt dies doch, übersteuert das Zweirad recht gerne und stellt sich quer. Wer jetzt nicht rechtzeitig vom Fleck kommt (es sei denn, das Schlusslicht ist erreicht) wird gerne vom nächsten Kollegen frontal mitgenommen und im hohen Bogen durch die Luft geschleudert. Dass dann die Rücksetzpunkte recht unfair gelegt sind, bringt das Fass zum überlaufen. Ihr dürft übrigens auch kaum abkürzen. Wer nur einige Meter die Kehre schneidet oder über die Böschung huscht und einen Vorteil gewinnen möchte, wird meist mit sehr hohem Zeitverlust aufgrund der Rücksetzpunkte bestraft. Ideallinie fahren ist somit angesagt! Das vor allem aber auch aufgrund der zahlreichen Hindernisse. Zäune, Steine, Röhren und Tausende anderer Objekte pflügen jeden Fahrer vom Bike oder lassen die Maschine gar durch eine heiße Explosion ins Jenseits wandern. So kommt bei einem Arcade-Racer einfach kein richtiger Spaß auf.

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