Ferrari Challenge im Gamezone-Test

Test Michael Stadler

Mit diesem Rennspiel beweist uns System 3, dass man sich auch auf dem Handheld in Simulationsnähe bewegen kann.

Wenn eine Rennstrecke von knalligem Rot dominiert wird, und die Idylle der Rennstrecke von schreienden Hochdrehzahlmotoren wie ein Blatt im Wind verblasen wird, bekommen Autonarren auf der ganzen Welt große Augen und sabbernde Mundwinkel. Dieses Phänomen scheint die Entwickler von System 3 dazu ermutigt zu haben, den DS mit einem Rennspiel rund um die Scuderia Ferrari zu versorgen. Ferrari Challenge Trofeo Pirelli European Series ist ein Spiel mit 2 Gesichtern und einem ellenlangen Namen. Welches Gesicht die markanteren Züge und somit sprichwörtlich die Nase vorn hat, gilt es in den folgenden Minuten eurer Lesezeit zu klären.

Anfahren, beschleunigen, wohlfühlen

Ferrari Challenge Ferrari Challenge Bisher waren alle Rennspielauftritte auch namentlich großer Entwickler auf dem DS nicht unbedingt überzeugend. Die Steuerung war minimal bis gar nicht realistisch und echtes Race-Feeling war totale Fehlanzeige. Jedoch beweist System 3 dass es auch anders geht. Wer sich schon lange nach einem Rennspiel für den DS sehnte, welches der Genrebezeichnung wirklich gerecht wird, bekommt nun endlich Futter. Und das ist nicht von schlechten Eltern. Ferrari Challenge kann mit seiner Steuerung die Konkurrenz direkt in die Boxengasse schicken. So direkt und geschmeidig konnte bisher noch kein Fahrzeug über den Zwei-Schirmer bewegt werden. Ferrari Challenge schafft es den Gedanken eines Arcade-Racers mit dem Realismus einer Simulation symbiotisch zu verbinden und ein für den DS völlig neues Fahrgefühl zu vermitteln. Ein Schadensmodell ist leider nicht vorhanden. Selbst das zu Anfang etwas schwammig wirkende Bremsgefühl passt sich nach einigen Runden ideal dem jeweiligen Fahrstil an. Wer geschickt im Hantieren von Gas und Bremse ist, kann sich mit kontrollierten Drifts die Außenwelt der insgesamt acht Strecken mal durch sein Seitenfenster zu Gemüte führen. Für die Hetzjagd stehen euch, je weiter ihr kommt, immer mehr Ferrari Rennboliden zur Verfügung. Da wären der FXX, die Rennvariante des schon jetzt legendären Ferrari Enzo, die Challenge Modelle 360 und F355, der F430 und weitere Boliden die allesamt das gelbe Rechteck mit dem scheuenden Pferd auf der Motorhaube tragen.

Mein Freund der "Neustart"-Knopf

Ferrari Challenge Ferrari Challenge Je weiter ihr im Modus "Rennen" die Karriereleiter erklimmt, desto härter werden die Duelle mit euren "Kollegen". In jeder der insgesamt vier Schwierigkeitskategorien warten wiederum jeweils 4 Cups darauf, von euch gewonnen zu werden. Doch freut euch nicht zu früh. Je höher der Schwierigkeitsgrad, desto unfairer die Gegner. Der Spieler wird spätestens ab der Stufe "Schwer" folgende Beobachtung machen. Habt ihr die Führung nach spätestens drei Runden übernommen, könnt ihr den Sieg spielerisch nach Hause fahren, da euch die Computergegner nie mehr wirklich gefährlich werden können. Solltet ihr jedoch durch einen Fahrfehler die Führung verlieren, oder erst gar nicht die Führung übernehmen, wird es für euch fast unmöglich das Rennen noch zu gewinnen. Deshalb müsst ihr euch immer wieder einen Neustart zu Nutze machen um das eben erwähnte Problem möglichst schnell zu umgehen. Aber System 3 hat euch damit noch nicht genug Steine in den Weg gelegt. Denn wisst ihr schon vor dem letzten Rennen eines Cups, dass ihr eben diesen auch mit einem Finish auf Position eins nicht mehr gewinnen könnt, so könnt ihr ihn dennoch nicht abbrechen und neu starten und seid gezwungen bis zum bitteren Ende mitzufahren. Meist erwischt man sich dann aber doch, das letzte Rennen noch energisch zu bestreiten, da die Fahrphysik einfach zu viel Spaß am Racing macht.

Ferrari Challenge Ferrari Challenge Es gibt aber einen Kritikpunkte über den selbst das tollste Fahrgefühl nicht hinwegtrösten kann, nämlich die Soundkulisse, die im Gegensatz zur recht realen Physik ganz besonders einfach ausgefallen ist. Denn wer denkt, dass bei einem Bremsvorgang von 200 km/h auf 100 km/h die Reifen quietschen oder sonst irgendein Geräusch von sich geben, scheint nicht bei System 3 zu arbeiten. Denn Bremsgeräusche scheinen dort völlig unbekannt zu sein, wohingegen unser roter Rennflitzer in den Kurven durchaus in der Lage ist Geräusche von sich zu geben. In Ferrari Challenge ist das einzige Indiz für den Bremsvorgang die sichtbare Verzögerung. Das Motorengeräusch ist zwar vorhanden, aber so gedämpft, dass man es nur schwer wahrnimmt.

Nur der eigene Ferrari sieht wirklich gut aus

Ferrari Challenge Ferrari Challenge Grafisch muss sich der Titel hingegen nicht verstecken, das komplette Spielgeschehen läuft absolut flüssig über den Dualscreen, selbst bei vollem Teilnehmerfeld von acht Fahrern auf der Strecke. Trotzdem ist ein deutlicher Unterschied zwischen dem eigenen Ferrari und denen der Mitstreiter zu erkennen, die wesentlich einfacher aufgebaut sind. Dafür sieht die Umgebung für ein DS-Rennspiel gar nicht mal so schlecht aus, auch wenn alles, dank der fehlenden Bewegung, etwas steril wirkt. Doch in dieser Hinsicht wollen wir mal keine zu hohen Ansprüche an den kleinen Handheld stellen. Eine Streckenansage à la Colin McRae und eine Ideallinie haben die Entwickler Ferrari Challenge auch spendiert. Es ist zwar nicht ganz einfach mit dem Digikreuz auf der Ideallinie zu bleiben, doch hilft sie einem durchaus enge Kurven besser anschneiden zu können. Die Streckenansage hingegen ist kaum behilflich und glänzt besonders mit ihrem militärischen Ton, sodass man sich wie in einem Bootcamp unter der Leitung eines Major Payne vorkommt.

Wer hat den größeren?

Ferrari Challenge Ferrari Challenge Aber auch Neben der Rennstrecke werdet ihr bei Ferrari Challenge gut unterhalten. Ihr könnt euch gegen den Computer in einer Runde Auto-Quartett die nackten Zahlen um die Ohren hauen. Alles was ihr dafür tun müsst, ist den entsprechende Menüpunkt auswählen, den DS drehen, damit ihr ihn wie ein Buch haltet und schon geht der Spaß los. Ihr wählt mit dem Stylus eine von 6 Kategorien (Hubraum; Zylinderanzahl; Höchstgeschwindigkeit; PS-Zahl; Baujahr; Preis) und versucht damit immer das Optimum - den Sieg im Vergleich - herauszuholen. Diese Idee ist sehr erfrischend und bietet neben einer Rückversetzung meinerseits in die Kindheit eine willkommene Abwechslung zum gut gemachten aber oft sehr öden Rennalltag. Karten für das Quartet schaltet ihr im übrigen mit den Siegen im Karrieremodus frei.

Auge um Auge, Blech für Blech

Zu guter letzt ist es der Multiplayermodus, den es zu erwähnen gilt. Ihr könnt sowohl im Einzel- als auch im Multikartenspiel gegen eure Freunde antreten. Ist die Verbindung einmal aufgebaut, könnt ihr euch auf der Rennstrecke oder im Quartett gegenseitig die Hölle heiß machen. Zur Verfügung stehen, wie zu erwarten war, alle Strecken, Autos und Karten die ihr in eurer Karriere gesammelt habt.

Meinung

Wertung zu Ferrari Challenge (NDS)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Für den DS hervorragende Physikfordernde MeisterschaftIdeallinie und Streckenansagedas Auto-Quartett
Nervige Soundkulissedeutlich schlechter aussehende Konkurrenten deren Details erst ganz nah "hochgepoppt" werdenein Fehler ist meist schon rennentscheidend
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