Ein Titel der die Gamer in zwei Lager teilen wird, denn entweder man liebt den neuen Look und das Gameplay, oder man hasst es.
Was der Herbst für die realen Sportspielumsetzungen, ist der Spätwinter/Frühling für die Funsportgemeinde. Gerade haben wir das Causal-Game zur National Football League überstanden, da steht das nächste Release aus selbigen Genre an. Mit der Fortsetzung zur "FIFA Street"-Reihe wird auch heuer wieder versucht uns Europäern etwas mehr Spaß an der gerade in unseren Gefilden sonst so "ernsten Sache" Fußball zu vermitteln. Besonders interessant hierbei: mit dem dritten Teil der Serie wird endlich der Sprung auf die Next-Gen-Konsolen vollzogen - und zwar nahezu komplett, d. h. eine PS2-Umsetzung wird es hierzu 2008 nicht mehr geben. Und nicht genug damit. Wie den interessierten Usern sicher aus den diversen Vorankündigungen von Electronic Arts bekannt sein dürfte, gab es vor allem in punkto Optik beim aktuellen Ableger gravierende Veränderungen. Laut Publisher soll hiermit ein ganz neuer Weg beschritten werden. Der Test wird zeigen, ob ihnen das wirklich gelungen ist und den besagten Worten, dann auch die entsprechenden Taten gefolgt sind.
Flüssiger Comiclook
Quelle: EA
FIFA Street 3
Kenner der Serie werden sich beim ersten Betreten der diversen fiktiven Straßenplätze sicher verwundert die Augen reiben. Was ist nur mit den Spielern passiert? Statt, wie noch aus den diversen "FIFA"-Ablegern gewohnt, absoluten Realismus im Spielerdesign zu bieten, bekommt ihr bei der aktuellen "Street"-Version einen Comiclook der besonderen Art geboten. Zusammen mit dem integrierten Cel-Shading wird dadurch ein Flair aufgebaut, den man so sicher in noch keinem Fußballspiel gesehen hat, zumindest nicht aus dem Haus Electronic Arts. Zwar sind auch weiterhin so ziemlich alle Stars der Soccerszene ins Spiel integriert, aber halt etwas anders als man es erwartet hätte. Überzeichnung heißt hier das Stichwort. D. h. ein Rooney kommt bullig und klein daher, während ein Ronaldinho schlank mit dünnen Beinchen die irrsten Tricks ausführt. Alles wurde also irgendwie berücksichtigt: das tatsächliche Aussehen, aber auch die nachgesagten Eigenschaften. Und gerade deshalb erkennt man, trotz dieser Comicausrichtung, praktisch jeden der sich auf dem Platz befindlichen Spieler sofort wieder. Klasse Arbeit von den Designern. Objektiv betrachtet - allerdings kommt bei dieser optischen Stilrichtung auch viel subjektiver Geschmack hinzu. Mag sagen, dass der eine die Grafik genial findet, der andere nur lächerlich.
FIFA Street 3
Übrigens wurden ausschließlich die Spieler mit diesem Comiclook versehen. Die Bolzplätze selbst kommen trotz ihrer teilweise ausgefallenen Lagen äußerst realistisch daher. So könnt ihr Spielchen am Strand, im Hinterhof und auf einem Hochhaus ebenso, wie auch auf einem herkömmlichen, "normalen" Fußballfeld genießen - natürlich Streetball-typisch immer in einem durch Wände oder Zäune begrenzten Spielfeld. Die Hintergründe sind hierbei durchwegs schön bzw. absolut passend gezeichnet. Grundsätzlich fehlt es aber auch etwas an Leben und vor allem der Interaktivität. D. h. das Ganze wirkt durch die kaum vorhandenen Animationen abseits des Platzes sehr steril. Hier hätte man einfach mehr erwarten können.
FIFA Street 3
Kaum mehr erwarten kann man allerdings bei der gebotenen Technik. Auf beiden Systemen läuft der Titel durchgängig flüssig und das obwohl mit Spezialeffekten auf dem Platz selbst geradezu um sich geschmissen wird. Die häufigen Gamebreaker sind schließlich nicht nur gefüllte Leisten auf dem Screen, sondern eben richtige optische Feuerwerke, welche die betroffenen Spieler dann mehr oder weniger abfackeln. Alles immer ohne bemerkbare Framerate-Einbrüche - egal ob der Datenträger nun in der PS3 oder in der Xbox360 rotiert. Einzig ein schwaches Flimmern, besonders auf Sonys Großer zu beobachten, könnte man "FIFA Street 3" als technischen Makel ankreiden. Sonst bietet der Titel genau das, was man von solch einem Genrevertreter auch erwartet: irre Animationen, unrealistische Ballphysik und eine entsprechend hohe Spielgeschwindigkeit.
Ruhige Fans, laute Spieler
FIFA Street 3
Etwas mehr könnte man da schon am Sound herummeckern. Zwar kommt im heimischen Wohnzimmer sicher genug Stimmung auf, wenn man sich zu zweit, zu dritt oder zu viert bzw. auf der PS3 sogar zu siebt vor einer Konsole und einem Fernseher den Multiplayerfreuden von "FIFA Street 3" lauthals hingibt - ohne Zweifel eine der größten Stärken des Titels von EA Big -, trotzdem hätte man sich auch für den Solisten einfach etwas mehr akustische Unterstützung von den virtuellen Fans gewünscht. Doch da kommt nicht wirklich viel, um nicht zu sagen überhaupt nichts. Zum Glück geben sich dann die spielenden Protagonisten selbst nicht ganz so schweigsam. Sei es nun, dass ein Pass verlangt oder gar eine Verstärkung in der Abwehr benötigt wird, alles wird ziemlich deutlich und vor allem laut über den Platz gerufen. Trotzdem irgendwie fehlt etwas, irgendwie fehlt einem der Lärm, wenn man eine Torchance nach der anderen herausspielt oder gar vereitelt - und irgendwie ist das auch nicht EA-typisch.
Schon eher dem Standard des kanadischen Publisher erfüllt dann wieder der reichhaltige und sehr abwechslungsreiche Soundtrack. Eigentlich wird einem von allem etwas geboten, ob es nun der allseits bekannte Radio-Pop oder doch der etwas deftigere Hinterhof-Hip-Hop ist, so ziemlich jeder Geschmack sollte hier seine Erfüllung finden.
Sixaxxis-Steuerung?
FIFA Street 3
Während die Grafik mit entscheidenden, geradezu revolutionären Änderungen aufwarten kann, wird einem der Rest, vor allem als Kenner der Serie, sehr bekannt vorkommen. Gerade was Gameplay und Steuerung betrifft gab es praktisch kaum eine Weiterentwicklung. Besonders enttäuschend ist dies auf der PS3, würde hier der Sixaxxis-Controller doch einige Möglichkeiten bieten. Wohl abgeschreckt durch die teilweise eher lächerlichen Anbindungsversuche des PS3-Feature in vergangenen Spielen, gerade aus dem Hause EA, haben sich die Entwickler jedoch entschlossen gleich komplett darauf zu verzichten. Vielleicht eine weise Entscheidung, vielleicht aber auch eine vertane Chance.
Damit dürfte klar sein, dass Unterschiede zwischen den beiden Versionen in punkto Steuerung nicht auszumachen sind. Im Klartext heißt das, dass sich der Titel auf beiden Konsolen absolut identisch spielt.
Leicht, leichter, FIFA Street
FIFA Street 3
Sowohl auf der Xbox360, als auch auf der PS3 heißt das Gameplay-Motto: leichte Zugänglichkeit. Auch Neulinge werden daher kaum Probleme haben sich mit den einzelnen Steuerungselementen auseinanderzusetzen. Praktisch jeder Trick, jede Bewegungsvariante sollte nach nur kurzer Trainingszeit ins Spielerblut übergegangen sein. Apropos Trickssystem. Ja, im Gegensatz zum gerade erschienen "NFL Tour" gibt es in "FIFA Street 3" ein durchdachtes Tricksystem, das nicht nur einzelne Moves, sondern ganze Kombinationen, so genannte Combos, ermöglicht. Allerdings bewegt sich auch hier alles auf einem eher einfachem Niveau, also große bzw. lange Tastenfolgen werdet ihr nicht erwarten brauchen. Wohl wieder ein Zugeständnis an den Gelegenheitsspieler.
FIFA Street 3
Etwas mehr fordert dann schon der in praktisch unveränderter Form aus den Vorgängern übernommene "Gamebreaker". Hierbei handelt es sich um eine Art Spezialmanöver, das bei gefüllter Trickleiste ausgeführt werden kann. Fordernd ist dieses Feature vor allem deshalb, weil nur vollständig ausgeführte Moves - also von der ersten Ballberührung bis zum Torschuss - die Anzeige steigen lassen. Gerade anfangs wird man damit so seine Schwierigkeiten haben, nicht zu letzt auch deshalb, weil die KI innerhalb von "FIFA Street 3" durchwegs aggressiv zu Werke geht und somit auch CPU-gesteuerte Spieler ständig den Ball führenden Protagonisten attackieren. Interessant hierbei, dass diese "gewisse Intelligenz" nur auf die Feldspieler zutrifft. Die Torhüter hingegen schwanken mal wieder zwischen "nicht überwindbar" und "nicht vorhanden" - ein leidiges Thema bei Fußballumsetzungen generell und eben auch beim aktuellsten "Street"-Ableger. Aber kommen wir wieder zum eigentlichen Feature "Gamebreaker" zurück. Je nach Spieler unterscheidet sich dessen Ausführung - von ultra schnell über den Platz fegen bis den Ball mit "Lichtgeschwindigkeit" ins Netz jagen, ist so ziemlich alles vertreten. Allen Varianten gemeinsam ist, dass das Ganze extrem "cool" auf den Bildschirm gezeichnet wird.
