Lost Planet: Extreme Condition - Colonies Edition im Gamezone-Test

Test Sandro Odak

Capcom bringt eine Neuauflage zu Lost Planet auf den Markt, aber nur mit marginalen Neuerungen.

Seit dem 6. Juni 2008 gilt es erneut, den Vormarsch der Akriden auf E.D.N. III zu stoppen. Denn Capcom bringt ein Re-Release des Action-Shooters Lost Planet mit neuen Maps, Spielmodi und Waffen zum Preis von 29,99€ auf den Markt. Mit drei neuen Singleplayer-Modi will Lost Planet: Colonies Edition erneut das gesamte Shooter-Können vom Spieler abverlangen. Im Multiplayerbereich soll man sich nun erstmals plattformübergreifend Duelle liefern können. Das Angebot wird zusätzlich noch durch fünf neue spielbare Charaktere abgerundet, darunter unter anderem auch in Akriden-Form. Es hapert aber auch beim Re-Release wieder am Veröffentlichungs-Timing: Bei teilweise subtropischen Temperaturen kann ich mich beim besten Willen nicht so richtig in das Schnee- und Eis-Setting versetzen. Schade, denn das Setting und das Schneetreiben sind das Beste im "neuen" Shooter von Capcom.

Lost Planet: Extreme Condition - Colonies Edition Lost Planet: Extreme Condition - Colonies Edition Vorher aber eine Frage? Wie viele Leute mit massivem Gedächtnisverlust sind euch schon begegnet? Genau, mir auch noch niemand. Aber sobald es um den Helden in RPGs, Shootern und vielen anderen Genres geht, ist auf das Gedächtnis des Protagonisten wohl kein Verlass mehr. So geht es auch Wayne, einem Bewohner des unwirtlichen Eisplaneten EDN3. Er weiß noch, dass ein Schnee-Alien, die insgesamt übrigens Akriden genannt werden, seinen Vater tötete, dass dieses besondere Exemplar grüne Augen hat und ca. 10 Meter groß ist. Viel mehr kann er nicht zusammenbekommen, als er nach einer beinahe missglückten Flucht vor dem Alien halberfroren von Yuri, Luka und Rick eingesammelt, einer kleinen Gruppe eher philanthropischer Schneepiraten. Diese drei Final-Fantasy-Rejects zeigen deutlich, dass das Spiel aus Japan kommt und machen einem die Limitation und Unstrukturiertheit der Handlung schnell klar. Die drei wollen alle Akriden vom vereisten Planeten entfernen und Wayne darf die Arbeit machen. Es geht halt nichts über einen guten Plan... Dabei gibt es immer wieder ein paar Hinweise auf mysteriöse Vorgänge, das Grünaugenalien und andere Dinge, nur leider wird all dies dermaßen wirr und unzusammenhängend vorgetragen und noch dazu mit mehr losen als geknüpften Fäden beendet. Man hat ständig den Eindruck, dass da irgendwo eine richtig gute Geschichte versteckt sein könnte, nur irgendwann muss diese auch erzählt werden. So ist das Ganze leider nicht mehr als ein netter Versuch, der das Spiel an sich aber nicht ruiniert, schließlich geht es hier ums Shootern und nicht ums Welträtsellösen. Geschraubt wurde an der Geschichte im Verlauf des letzten Jahres leider nicht mehr.

Tödliche Kälte

Lost Planet: Extreme Condition - Colonies Edition Lost Planet: Extreme Condition - Colonies Edition Soviel zur Kurzfassung, das Ganze hat jedoch ein paar Eigenheiten. So ist es auf dem Planeten nicht nur kalt, sondern so kalt, dass menschliches Leben eigentlich nicht möglich wäre, zumindest nicht ohne eine spezielle Wärmequelle. Diese wird ist in Form von thermischer Energie, die aussehen wie orange Pfützen, zwar ausreichend vorhanden, nur leider befindet sie sich als Energiequelle in den Körpern der Aliens, welche sich nicht freiwillig davon trennen. Es gibt keine Lebensenergie im eigentlichen Sinne, denn wenn Wayne verletzt wird, regeneriert er sich durch die Aufnahme der Energie eines erlegten Akriden. Diese Energie kann sogar als gewaltiger Vorrat gesammelt werden.

Ödes Arsenal und spaßige Mechs

Lost Planet: Extreme Condition - Colonies Edition Lost Planet: Extreme Condition - Colonies Edition Es reicht aber bekanntlich nicht nur in einem Shooter am Leben zu bleiben, es macht wenig Spaß, wenn man nur einstecken und nicht austeilen kann. Ausgeteilt wird aber bei Lost Planet und zwar reichhaltig. Wayne kann zwei Waffen gleichzeitig tragen, wenn er eine dritte findet, muss er sich entscheiden. Ein Standard-MG muss jeder Shooter haben, danach geht es über Shotguns und Scharfschützengewehre hoch bis zum Raketenwerfer, alles aus tausend anderen Spielen wohlbekannt und erprobt aber wenig innovativ. Interessanter ist da schon z.B. die Energiewaffe, die die eigene thermische Energie abzapft und als tödliches Geschoss auf den Gegner feuert. Da das eigene Ende sich aber mit jedem Schuss beschleunigt nähert, sollte diese durchschlagende Waffe nur im richtigen Moment benutzt werden.

Lost Planet: Extreme Condition - Colonies Edition Lost Planet: Extreme Condition - Colonies Edition Dazu kommen noch Granaten, Minen und Mechs, oder zumindest etwas, was einem Mech so nahe kommt, dass ich mir nicht die Mühe machte, den von Capcom erdachten Ersatznamen zu merken. Die zweibeinigen Exoskelette stehen von Zeit zu Zeit in der Gegend rum und können vom Spieler bestiegen werden. Die Steuerung ändert sich kein Stück, es können sogar Waffen im üblichen "zu Fuß"-Modus eingesammelt werden. Daher sehe ich hier nicht die von Capcom gelegentlich hervorgehobene neuartige Spielweise, aber das soll jetzt nicht heißen, dass es keinen Spaß machen würde in einem fünf Meter großen Stahlungetüm Strafe auszuteilen. Im Gegenteil, diese Momente gehören zu den Besten, die Lost Planet zu bieten hat, nur muss man etwas vorsichtiger sein als sonst, denn die Energie des Gefährts regeneriert sich nicht und wenn der Mech Wayne unter dem Hintern explodiert, gibt es einen drastischen Energieabzug.

Zu viel Waffen und Energie

Lost Planet: Extreme Condition - Colonies Edition Lost Planet: Extreme Condition - Colonies Edition Einen direkten Mangel gibt es weder an der wertvollen Energiesubstanz noch an den Waffen oder Mechs, denn die Anzahl der Aliens ist generell extrem hoch, zumindest solange es sich um die Standardviecher handelt. Aber selbst wenn ein großer Gegner den Weg durch den Schnee versperren sollte, wird er in der Regel von kleineren Artgenossen umschwärmt, die praktisch als Futter für den Spieler gedacht sind. Wandelnde Healthpacks also, wenn man es genau nimmt. Waffen liegen überall in der Gegend rum, selbst die dunkelste Höhle, die von Aliens bewohnt wird hat ein paar Gewehre zu bieten. Wir erfahren zwar nie, warum sie diese dort hingeschleppt haben, benutzen sie doch ausschließlich ihre Klauen und kinetische Energie. Aber einem geschenkten MG schaut man halt nicht in Lauf...

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Die Kombination aus zahllosen kleinen Feinden, reichhaltiger Munition und damit einem praktisch unerschöpflichen Energievorrat macht Lost Planet zu einem relativ einfachen Spiel. Nicht zu einfach aber trotzdem ist es relativ bequem möglich, die 12 Level lange Solo-Kampagne an einem gemütlichen Sonntag durchzuspielen. Es gibt zwar drei Schwierigkeitsgrade und der Dritte hat es letztendlich doch in sich, jemand der schon mal einen Shooter gespielt hat, sollte jedoch keine großen Probleme finden.

Dumm (Schneepiraten) und Dümmer (Akriden)

Dies liegt aber nicht nur an der guten Infrastruktur von Waffen und Energie, sondern auch an der nicht vorhandenen Gegnerintelligenz. Dies ist keine Übertreibung, denn sowohl Aliens, wie auch Schneepiraten überzeugen allein durch Masse, Klasse sucht man vergeblich. Bei den Ungetümen mag es noch angehen, dass sie sich in rauen Mengen hirnlos auf den Spieler stürzen, von den Schneepiraten hätte ich mehr erwartet, als dass sie...nun ja... eigentlich immer nur stehen bleiben.

Lost Planet: Extreme Condition - Colonies Edition Lost Planet: Extreme Condition - Colonies Edition Zwei Piraten auf einer erhöhten Plattform haben mich entdeckt. Zwei weitere stehen direkt vor mir. Ich stecke in Schwierigkeiten. Sollte man wenigstens meinen. Hier bewegt man sich gemütlich zu Seite, legt beim Strafing in aller Ruhe an und hält drauf. Wenn der eine Pirat einen guten Tag hat wird er sich ein wenig zur Seite rollen. Vielleicht, wenn er ein richtig harter Hund ist, hinter eine Kiste. Meistens aber nicht, nach zwei Sekunden liegen vier tote Piraten im Schnee und weiter geht es. Die Aliens sind nicht besser, mit einfach zu erkennenden und umgehbaren Mustern rücken sie dem Spieler zu Leibe und lediglich die Tastsache, dass ein eingesteckter Treffer Wayne zu Boden gehen lässt, bringt einen gelegentlich ins Schwitzen. Gelegentlich aber auch in ein eher zornige Stimmung, denn wenn eine große Gruppe Feinde den Spieler in der Zange hat, kann sie es schaffen, ihn immer wieder niederzureißen und man muss eine ganze Weile mitanschauen, dass man nicht das Geringste machen kann. Besonders auffällig ist dies bei den riesigen Endgegnern, die sich gerne sehr schnell im Gegensatz zum etwas trägen Wayne bewegen und häufiger solche Serien landen.

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