Sportliche Outdoor-Events auf einer Plastikmatte. Dennoch gewöhnliches und altbekanntes Casual-Gaming!
Atari bringt zusammen mit dem Entwickler Namco Bandai zusätzliche Bewegung in den Zockeralltag. Wii-Fanatiker haben den Tennisarm mittlerweile überwunden und dank neuer Halteschlaufe dürfte auch das Mobiliar keine Schäden aufgrund herumfliegender Fernbedienungen mehr abbekommen. Die Bewegungsfreiheit der Wii ist den Machern von "Family Trainer" aber nicht gut genug! Wer sich das gut 70 Euro teure Bundle kauft, darf nicht nur einen großen Karton nach Hause schleppen, sondern zunächst Platz für eine spezielle Controller-Matte schaffen. Stellt sich nur die Frage, ob die 15 Minispiele in Verbindung mit dem "Spielteppich" tatsächlich mehr Spaß herüber bringen können!
Im Karton versteckt sich also nicht nur das Spiel selber, sondern vor allem auch eine 83x93 cm große Plastikmatte, welche als GameCube-Controller an Port 1 der Wii angeschlossen wird. Diese Matte ist angenehm gepolstert, hat eine einigermaßen rutschfeste Unterseite (auch wenn wir bei einigen sportlichen Aktivitäten einen Meter durchs Zimmer gewandert sind) und scheint vor allem recht robust zu sein. Die Sensoren lösen auch nach längerem Gebrauch ohne Ermüdungserscheinungen punktgenau aus - aber im Gegensatz zu den Tanzmatten wird dieser Controller aufgrund der Spielmechanik nicht ganz so stark strapaziert. Die technische Seite des Bundles ist somit zufrieden stellend, was man aufgrund des hohen Preises aber auch erwarten sollte!
Auf die Matte, fertig, los!
Family Trainer: Athletic World
Prinzipiell handelt es sich bei "Family Trainer" um eine kleine Sammlung ausgewählter Minispiele, welche sich thematisch hauptsächlich den Outdoor-Events verschrieben haben und zugleich den Nutzer je nach spielerischer Intensität ins Schwitzen bringen. Auf dem Papier klingt die Angelegenheit recht abwechslungsreich: Ihr wandert durch den Wald und müsst Hindernissen ausweichen, seid auf der Rennbahn und versucht neue Rekorde aufzustellen oder paddelt fleißig als Konsolen-Kanuten durch den reißenden Fluss. Lorenfahrten, Skatetouren und Snowboarding runden den Einsatz ab. Als Solist sollte man zunächst den Abenteuermodus in Angriff nehmen, um die begehrten Minispiele auch für andere Modi freizuschalten. Auf mehreren unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden gilt es eine festgelegte Reihenfolge an Disziplinen erfolgreich abzuschließen. Das will heißen, dass bestimmte Vorgaben wie neue zeitliche Rekorde oder eine Höchstpunktzahl erreicht werden müssen.
Die Anleitung zum Spiel gibt übrigens nicht wirklich viel her! Wie die einzelnen Minispiele anzugehen sind, müsst ihr den umfangreichen Beschreibungen im Spiel entnehmen. Falls Unklarheiten aufkommen, kann die integrierte Anleitung auch während des Spieles per Pausenmenü aufgerufen werden. Das ist anfänglich auch immer wieder nötig, denn einige Disziplinen erfordern durchaus waaghalsige Manöver, vor allem auf der Matte. Spiele wie Sprintwettkampf, Seilspringen, Hürdenlauf oder Hau-den-Nager sind aber einleuchtend. Entsprechende Tasten drücken oder im richtigen Moment von der Matte abspringen, um den Hindernissen virtuell auszuweichen!
Family Trainer: Athletic World
Anders sieht es aber bei ausgefallenen Sportevents aus. Als Extreme-Boarder fegt man über eine Wiese mit Sprungschanzen und Tunnels und muss kunstvolle Tricks an den Tag legen. Man springt also von der Matte ab und muss darauf anschließend bestimmte Tastenkombinationen drücken, um Drehungen sowie Saltos zu machen. Auch der Skater hat einige Tricks auf Lager, kann die Bahn wechseln und muss Fallen durch gekonnte Sprünge ausweichen. Man hoppst und springt also ordentlich auf der mitgelieferten Matte herum, oder muss wie bei der Rutschbahn auch mal seinen Hintern darauf platzieren. Die Wii-Remote selber dient hauptsächlich der Navigation in den Menüs und nur selten dem eigentlichen Spiel. Bei der Lorenfahrt zum Beispiel muss man mit der Remote auf den Bildschirm zielen und herabfallend Kisten wie auch Stalaktiten durch Schüsse aus dem Weg räumen. Die Kajaktour wiederum erfordert gezielte Paddelbewegungen mit der Fernbedienung, um das Ziel vor Ablauf der tickende Uhr erreichen zu können.
Wii-Remote plus Matte gleich doppelter Spaß?
Family Trainer: Athletic World
Mit der zusätzlichen Integration der Controller-Matte versprach sich der Entwickler sicherlich eine deutliche Spaßsteigerung. Als Gelegenheitsspieler nimmt man die andersartige Steuervariante gewiss auch positiv auf - doch prinzipiell geht das Konzept nicht ganz auf. Einerseits basieren die meisten Disziplinen nur auf Eingaben der Matte, andererseits dürften fleißige Wii-Spieler die Auswahl eher als ernüchternd ansehen. Seilspringen, Hürdenlauf oder Wettrennen stellen keine Innovationen mehr dar! Erstlingswerke für Nintendos Flagschiff wie "Wii Play" oder "Super Monkey Ball Banana Bliz" offerierten schon zahlreiche Minispiele selbiger Art. Vor allem die Auswahl an 50 unterschiedlichen Spielen in Monkey Ball übertrifft das Familienevent deutlich. Der Unterschied besteht einzig allein darin, dass man nun auf der Matte herumspringt, während früher der Controller in der Hand die Bewegung erfasste.
Family Trainer: Athletic World
Die geringe Auswahl und Ähnlichkeit der Minispieler ist aber nicht der einzige Kritikpunkt. Zahlreiche Disziplinen lassen sich auch spielerisch wie auch thematisch zusammenfassen. Ob ich nun über einen rollenden Baumstamm, das geschwungene Seil oder einem Hindernis hinweg springe, ist schlussendlich vollkommen egal. Man muss immer von den mittleren beiden Tasten aus abspringen, damit das virtuelle Ego ebenfalls einen Hopser macht. Beim Hürdenlauf werden zusätzlich beide Tasten abwechselnd gespielt, um das Laufen zu simulieren. Es gibt leider nur wenige Spiele, die euch ein völlig individuelles Spielerlebnis offerieren. Die Rutschbahn zum Beispiel, bei der man sich auf die Matte setzen soll und mit den äußeren Tasten die Richtung dirigiert, oder die Lorenfahrt, bei der man durch Gewichtsverlagerung den Eisenwagen auf den Schienen halten muss.
