Resistance 2 im Gamezone-Test

Test Jonas Küßner

Resistance 2 macht fast alles besser, als es sein Vorgänger noch getan hat. Atmosphäre, Story und Grafik wissen zu überzeugen.

Mit Resistance: Fall of Man betrat das Entwicklerteam von Insomniac Games Anfang 2007, nach dutzenden Jump&Run-Spielen, zum ersten Mal das Genre der Ego-Shooter, was in der Spielergemeinde nicht nur positiv aufgenommen worden ist. Neben einer überzeugenden und mit Liebe zum Detail gefüllten Storyline schwächelte das Spiel vor allem in Sachen Technik, da diese bereits zum Zeitpunkt der Veröffentlichung gewiss nicht mehr das Maß aller Dinge war. Ob der heiß ersehnte Nachfolger den abermals hohen Ansprüchen gerecht werden konnte?

Das Ende der Menschheit? Noch nicht...

Resistance 2 Resistance 2 Die Geschichte von Resistance 2 setzt nahtlos an der des ersten Teiles an und lässt den Spieler einmal mehr in die Rolle des Sergeant Nathan Hale schlüpfen, der mit seinen Kollegen mühevoll gegen die Alien-Invasion der extraterrestrischen Rasse der Chimera angekämpft hatte. Letztendlich konnte der europäische Kontinent, über welchen sich die ersten Angriffe des bis dato unbekannten Gegners erstreckten, nicht gerettet werden, sodass man nun alles daran setzt, Amerika vor einem ähnlichen Schicksal zu bewahren. Hale hatte sich zwar mit dem Virus der Chimera angesteckt, wurde im Gegensatz zu seinen ebenfalls von diesem Schicksal betroffenen Mitmenschen jedoch nicht in eine dieser so genannten 'Bestien' verwandelt, was dazu führte, dass er sich dessen Stärke zunutze machen konnte, aber von seinen Kameraden eher mit Misstrauen überschüttet worden ist.

Resistance 2 Resistance 2 Letzteres begleitet Hale auch durchweg in Resistance 2, gleichwohl man sich allseits bewusst ist, dass man auf seine Unterstützung angewiesen ist. So gehört er nun der Sondereinheit Sentinels an, die auf Sabotage und Vernichtung strategisch wichtiger Chimera-Stützpunkte und -Einheiten spezialisiert ist und lediglich aus einigen Soldaten besteht, die man im Verlaufe der Geschichte besser kennen lernt. Erzählt wird die Story, die einen über bekannte, aber kaum wieder zu erkennende, reale Schauplätze führt, diesmal nicht von einer freundlichen Stimme aus dem Off, wie dies noch in Fall of Man von Statten ging, sondern durch viele Videosequenzen, die hauptsächlich zwischen den einzelnen Missionen einsetzen. Zwar kann dem ein oder anderen ein wenig der Überblick verloren gehen, da nicht mehr jedes einzelne Detail erklärt wird, in Kontrast dazu bekommt Resistance 2 so vor allem in puncto Atmosphäre einen gehörigen Schub nach oben, da man jegliche Storywendung am eigenen Leib zu spüren, jede Aktion hautnah mitbekommt.

Resistance 2 Resistance 2 Wer Resistance 2 allerdings ohne fundierte Vorkenntnisse in sein Laufwerk legt, etwa weil er den ersten Teil nie zu Gesicht bekam, wird es nicht ganz leicht haben. Gerade weil das Spiel inhaltlich so vehement auf seinem Vorgänger aufbaut und man allgemeine Informationen nicht angeboten bekommt, haben Einsteiger zu Beginn mehr als nur ein Fragezeichen auf der Stirn stehen. Man wird man sich die eine oder andere Frage stellen, was es eigentlich mit diesem Hale auf sich hat, warum er zu dem geworden ist was er nun ist, weshalb er von einem seltsamen Arzt ständig mit Gegenmittel voll gepumpt wird. Kenner werden sich hingegen wundern, aus welchem Grund der wortkarge Hale auf einmal so gesprächig geworden ist.

Alles eine Nummer größer

Resistance 2 Resistance 2 Bei der gewaltigen Inszenierung hat Insomniac jedoch an keinem Punkt gespart. Im Vergleich zum ersten Teil, der mit einer Spannungskurve auf eher durchschnittlichem Niveau auffuhr, bleibt letztere stets auf einem sehr hohen Level. Verschnaufpausen gibt es kaum, ständig wird man von einer Horde anstürmender Gegner attackiert, bekommt neue Einsatzziele per Funk mitgeteilt oder muss sich einem riesigen Endboss stellen. Riesig ist dabei fast eine Untertreibung, denn proportional sind die zwischenzeitlichen Obermotze eher mit Hochhäusern zu vergleichen, was den Kämpfen eine endzeitliche Note gibt. Egal ob eklige Riesenkraken, hässliche Spinnenmutationen oder Cloverfield-ähnliche Monster - sowohl optisch als auch spielerisch wird da für jeden was dabei sein. Zwar hält sich der Schwierigkeitsgrad während dieser Kämpfe sehr im Rahmen, Abwechslung bekommt man dennoch geboten, da man unter Umständen nicht nur auf brachiale Waffengewalt zurückgreifen kann.

Resistance 2 Resistance 2 Selbstredend muss man auf dem Weg zu den eben Beschriebenen ganze Horden an Alienbrut abknallen, was sich nicht als sonderlich schwierig darstellt. So sind fast alle Einheiten der Chimera lediglich Kanonenfutter, stets auf dem Präsentierteller und somit schnell erledigt. Auf Grund der Massen an Gegnern muss man dennoch behutsam vorgehen, um nicht gleich wieder das Zeitliche zu segnen, auf Unterstützung wartet man oft vergeblich. Zwar gesellen sich oft und gerne computergesteuerte Kameraden zum Spieler, eine wirkliche Hilfe stellen sie aber nur selten dar. Ebenso wie die Feinde feuern sie was das Zeug hält, Deckung suchen auch sie scheinbar nur, wenn sie sich gerade in der dazugehörigen Laune befinden. Insgesamt ist die KI eher mau, was dank der actionreichen Erzählweise trotzdem meist nur unterbewusst wahrgenommen wird. Wenn aber ein Chimera und ein computergesteuerter Soldat nebeneinander stehen und sich nicht beachten, lädt das doch zum Stutzen ein. Abhilfe schaffen da immerhin der ein oder andere Gegnertyp, denen man im ersten Teil bereits Hassliebe entgegenbrachte (spinnenartige Roboter) oder der komplett neu ist. Zu letzterem gesellen sich beispielsweise die Chamäleons, die zunächst unsichtbar sind und nur an der Geräuschskulisse oder an Wasserbewegungen auf dem Boden zu erkennen sind. Die sorgen das ein oder andere Mal für einen Schockmoment, lassen sich glücklicherweise recht schnell abservieren.

Resistance 2 Resistance 2 Apropos: das Waffenarsenal braucht sich natürlich einmal mehr nicht verstecken. Egal ob beispielsweise Maschinengewehr, das außerirdische Pendant dazu, Scharfschützengewehr, Schrotflinte, Panzerfaust oder diverse Granaten. Die Anzahl der verschiedenen Wummen lässt sich zwar in wenigen Zeilen zusammenfassen, vermissen wird man jedoch nichts. Auch sind die Waffen geschickt in der Umgebung verteilt, nimmt man diese nicht von seinen Gegnern auf. Je nach kommender Spielsituation liegt eine passende Waffe unübersehbar herum, sodass man sich auf die nächsten Minuten mental bereits einrichten kann. Kommen etwa gleich dutzende Zombies auf einen zu, wird man sicherlich eine Schrotflinte im Areal vorfinden. Das nimmt durchaus ein wenig von der Spannung, ist aber durchaus hilfreich und lebensrettend. Wenn wir schon einmal bei Thema sind, sei noch folgendes geklärt: Anders als in Fall of Man nutzt man keine Lebensanzeige mehr, denn ähnlich wie in den Call of Duty - Spielen verfärbt sich bei Beschuss der Bildschirm rötlich und signalisiert somit, dass man partout in Deckung gehen sollte. Andererseits wird man ins Jenseits befördert.

Resistance 2 Resistance 2 Das Missionsdesign hat man in Resistance 2 auch nicht neu erfunden, handelt es sich doch um einen streng linearen Ego-Shooter. Der Weg zum Ziel ist immer vorgegeben und meist direkt vor der eigenen Nase zu finden, alternative Lösungswege sucht man vergeblich, vermisst sie aber auch nicht. Durch gekonnt gesetzte Skripts wird man stets bei Laune gehalten und bekommt, wie aus dem Genre gewohnt, pure Aktion par excellence geliefert. Mehr als sich von Punkt A zu Punkt B begeben und Gegner C bis Z abzuknallen wird man nicht tun, auch das Bomben-anbringen aus Teil 1 findet man nicht mehr vor. Geschweige denn von den Missionen, die man in Fall of Man auf vier Rädern (beziehungsweise Beinen) absolvieren musste. In Resistance 2 schwingt man sich nicht einmal hinter das Lenkrad eines Panzers oder ähnlichem, was einige sicherlich böse aufschreien lassen wird.

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