Der Glanz vergangener Tage ist noch nicht verblichen, ToV knüpft an seine brillanten Vorgänger an.
Vor etwas mehr als zweieinhalb Jahren schaffte es "Company of Heroes" an die Spitze der an sich sattsam bekannten und für gewöhnlich nicht gerade sonderlich akkuraten WW2-Strategiegames und ließ selbst hartnäckigste Kritiker mit einem Schlag verstummen. Denn der Titel vereinte so ziemlich alles, wonach Genre-Fans verlangten: Edel-Optik, taktischer Anspruch, eine spannende Inszenierung, und das Ganze bei gleichzeitig brachialem Donner-Sound und guter Bedienbarkeit. Nach dem Stand-Alone-Addon "Opposing Fronts" (2007), das nahtlos an den Erfolg des Hauptprogramms anzuknüpfen vermochte, liegt nun seit mehreren Tagen mit "Company of Heroes: Tales of Valor" die zweite, ebenfalls selbstständig lauffähige Erweiterung vor.
Tigerasse gegen Fallschirmjäger
Company of Heroes: Tales of Valor
"Tales of Valor" führt uns zurück ins Jahr 1944, unmittelbar nach der Landung der Alliierten in der Normandie (D-Day) und den sich anschließenden erbitterten Kämpfen zwischen deutschen und US-amerikanischen Truppenteilen in den Gefechtsabschnitten von Falaise, Villers-Bocade, Cauquigny, Caen oder La Fiere. Der Singleplayer-Teil besteht aus drei sehr kurzen Kampagnen (zwei davon entfallen auf die Wehrmacht, nur eine auf die Amerikaner), die jeweils drei Missionen beinhalten. Historische Begebenheiten fanden dabei Berücksichtigung. So übernehmen wir in einem Einsatz die Funktion eines "Tiger"-Kommandanten (im Spiel heißt er Hauptmann Maximilian Voll und ist Ritterkreuzträger), der seinerzeit in einer französischen Kleinstadt tatsächlich mit nur zwei Panzern gegen die zahlenmäßig weit überlegenen Verbände der Alliierten antrat und diese sogar in die Flucht schlagen konnte. Auf US-amerikanischer Seite übernimmt der Spieler die Führung der Kampfgruppen Baker und Able, die zur legendären 82sten Luftlandedivision (Airborne) gehören. Gleich zu Beginn der ersten Deutschland-Kampangne ("Die Geburtsstunde einer Legende") bekämpfen wir auch britische Truppen. Allerdings sind die Engländer als Fraktion hier nicht spielbar. Erfreulicherweise erhielten alle Parteien ein paar neue Einheiten; beispielsweise den Geschützwagen H-39, den Schwimmwagen Typ 166 (Wehrmacht) oder den Jagdpanzer M18 sowie den Panzerwagen T17 (US-Streitkräfte), wobei diese meist nur im Multiplayer vorkommen und dem Spieler nicht automatisch unterstellt werden. Vielmehr müssen wir vor Beginn einer Mehrspielerpartie eine entsprechende Auswahl treffen. Insgesamt gibt es drei unterschiedliche MP-Modi: Operation Panzerkrieg (Panzer kämpfen bis zum letzten Mann), Operation Sturm (hier gilt es, die Verteidigungslinie des Gegners zu durchbrechen) sowie Operation Steinwall (Koop-Modus, Spieler verteidigt eine Stadt).
Schlachten schlagen, Sektoren einnehmen
Company of Heroes: Tales of Valor
Von großer Bedeutung in "CoH: Tales of Valor" sind drei Ressourcen (Arbeitskraft, Munition, Treibstoff), ohne die keine Armee auskommt, sowie das Bevölkerungslimit. Letzteres wächst mit der Anzahl der besetzten Sektoren. Und davon wiederum hängt es ab, wie viele Einheiten wir rekrutieren und in die Schlacht schicken können. Auch einzelne Treibstoff- und Munitionslager lassen sich erobern. Wichtig ist ferner das Halten unseres Hauptquartiers. Fällt es in Gegnerhand, schlägt sich dies - ähnlich wie der Verlust von Sektoren - nachteilig auf unsere Arbeitskraft bzw. Produktion aus. Nicht neu, aber immer wieder motivierend: Unsere Einheiten gewinnen mit zunehmendem Spielfortschritt an Erfahrungspunkten und lassen sich wie in einem Rollenspiel schrittweise um Spezialfähigkeiten sowie neue (Militär-)Technologien erweitern, so dass sie mit der Zeit immer mehr an Kampfwert gewinnen. Für besondere Aufgaben gibt es dementsprechende Einheiten, z.B. Reparaturtrupps für die Instandhaltung und Pioniereinheiten, die Minen legen oder Panzersperren beseitigen. In "Tales of Valor" ist dem Spieler erstmals ein direkter Beschuss feindlicher Ziele möglich. Diese manuelle Kontrolle gibt ihm das gute Gefühl, den Finger selbst am Abzug zu haben und nicht etwa von den Launen der CPU abhängig zu sein. Die Waffenphysik fällt insgesamt realistisch, in jedem Fall aber zumindest nachvollziehbar aus. Das war schon eine Stärke der Vorgänger. Panzer beispielsweise lassen sich durch einen 8,8-Pak-Treffer an der Hinterseite wesentlich leichter zerstören, als durch Beschuss des Vorderraums oder der linken oder rechten Außenseite. Die Verwendung diverser Munitionsarten (darunter Nebelgranaten) erlaubt unterschiedliche Vorgehensweisen im Gefecht.
Company of Heroes: Tales of Valor
Die Missionen sind - obschon man sie so oder ähnlich mittlerweile aus anderen WW2-Strategien bis zum Abwinken kennt - recht abwechselungsreich und werden anhand von Zeichnungen sowie Ingame-Zwischensequenzen stilecht in Szene gesetzt. So unterbrechen wir Nachschubwege, halten bzw. stürmen Stellungen oder sichern wichtige Schlüsselpositionen (z.B. einen Damm). Jede Einzelmission beinhaltet in der Regel zwei bis drei Teilaufgaben. So müssen wir beispielsweise im Rahmen einer Mission der Ami-Kampagne zunächst Kontakt mit einem befreundeten Trupp aufnehmen und im Anschluss ein Landgut in unsere Gewalt bringen. Überraschungen bleiben dabei nicht aus, seien es nun plötzlich auftauchende Panzer oder heftiger Mörserbeschuss. Doch ist der Spieler dem nicht hilflos ausgesetzt. So besteht u.a. die Möglichkeit, selbst Artillerieunterstützung anzufordern. Unser Erfolg ist zudem von der Wahl unserer Feindziele abhängig. Schwere Panzer, die von uns zerstört wurden, bringen mehr Siegmarken ein als kleinere vernichtete Gegnerfahrzeuge. Wie man es bei Spielen der "Company of Heroes"-Reihe gewohnt ist, darf auch im aktuellen Addon wieder taktiert und getrickst werden, wenn es darum geht, Mauervorsprünge, Gräben oder Häuser als Deckung zu nutzen. Ein umfassendes Tutorial macht uns mit all diesen strategischen Aspekten vertraut.
Packendes, aber zu kurzes Spielvergnügen
Company of Heroes: Tales of Valor
Technisch hat sich in "Tales of Heroes" gegenüber den beiden Vorgängern nicht wirklich viel getan. Offensichtlich wurden einige Texturen aufgefrischt, bestimmte Animationen verfeinert und die Effekte verbessert. Trotzdem wirkt das heute alles längst nicht mehr so bahnbrechend wie einst im Basisprogramm. Dasselbe gilt für den (Gefechts-)Sound. Der ist nach wie vor ebenfalls nicht von schlechten Eltern, liegt aber auch nicht wirklich weit über dem, was man inzwischen von anderen Strategiegames gewohnt ist. Die Bedienung entspricht gängigen Standards und dürfte auch Neulingen keine Probleme bereiten. Gelegentlich waren Aussetzer bei der Wegfindung festzustellen, die sich allerdings in Grenzen hielten und bei weitem nicht so dramatisch ausgefallen sind, wie wir das z.B. in diversen "Blitzkrieg"-Teilen so leidvoll (und verlustreich) erfahren mussten. Die KI bietet sonst kaum Anlass zur Kritik. Das Manko des aktuellen Addons besteht vor allem in der kurzen Spielzeit. Je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad hat man den Kampagnenteil von "Tales of Heroes" in drei bis vier Stunden durch. Und auch die gerade mal drei Karten, auf denen sich das ganze Geschehen abspielt, sind definitiv zu wenig - auch wenn zukünftig via Patches noch einiges an Kartennachschub in der Normandie eintreffen dürfte.
