Fast ein viertel Jahrhundert ist es mittlerweile her, als ein mit kreativen Köpfen besetztes Entwicklungsstudio namens Epyx, mit Winter Games ein Spiel fabrizierte, welches den damaligen Zockern der 8bit Generation erstmals die Möglichkeit bot, sich bei einer virtuellen Winterolympiade mittels 8-Wege-Joystick zu messen. Warum ich diesen kleinen nostalgischen Ausflug in die Vergangenheit als Einleitung des folgenden Tests gewählt habe? Nun, spätestens nach dem Ende der glorreichen Epyx-Epoche gab es für virtuelle Olympioniken nur noch sehr selten Grund zur Freude, da viele nachfolgende Lizenztitel zumeist nur durch ein Hochglanzcover mit dem dazugehörigen Logo und Schriftzug der aktuell stattfindenden Olympiade auf sich aufmerksam machten. Tiefgreifende Emotionen sowie der Spielspaß, vor allem im Single-Player, eher außen vor blieben. Für die in knapp vier Wochen beginnenden olympischen Winterspiele, die diesmal im kanadischen Vancouver ausgetragen werden, konnte sich Publisher SEGA die Rechte sichern. Für die Produktion von „Vancouver 2010“ konnte man sich erneut die Dienste von Eurocom Entertainment sichern, die bereits an dem nicht ganz so glanzvollen „Beijing 2008“ werkelten. Doch genug der langen Worte, entflammen wir das olympische Feuer in „Vancouver 2010“ und beobachten ob die Hitze der Flamme in dem dazugehörigen Videospiel zu spüren ist.
Klassische Menüführung, moderne Disziplinen

Vancouver 2010Ein erster Blick in das übersichtliche, aber dann doch sehr auf Funktionalität ausgerichtete Hauptmenü, verrät uns sofort, dass wir uns wie bei vielen zuvor ausgetragenen virtuellen Olympiaden, entweder mit einem Trainingsmodus beschäftigen - auf den man allerdings auch verzichten kann, da man vor jedem Start noch einmal einen Testlauf mit erläuterter Steuerung absolvieren kann - oder uns doch sofort in den olympischen Wettbewerb stürzen, bei dem wir wie auch schon bei Epyx´s erstem Sporttitel namens Summer Games aus entweder einzelnen oder auch mehreren beliebig zusammengestellten Disziplinen auswählen können. Die Reihenfolge kann dabei übrigens individuell zusammengestellt werden, sodass man nicht zwangsweise zum Beispiel die vier Ski Alpin Disziplinen am Stück absolvieren muss. Bei der Auswahl der insgesamt 14 verschiedenen Wettbewerbe fällt sofort auf, dass Vancouver 2010 die modernsten olympischen Winter(video)spiele sind, da gleich sechs Wettkämpfe mit eher trendigen Sportarten wie dem Snowboarden oder dem Shorttrack, an den Start gehen Also Sportarten die erst in den letzten 10-20 Jahren in das Programm des IOC aufgenommen wurden. Vermutlich wollte man mit dieser Maßnahme vor allem Fans dieser Trendsportarten erreichen. Schade ist hingegen allerdings, dass solch altwürdigen Disziplinen wie der so gern gesehene Biathlon, der klassische Eisschnelllauf oder auch der Ski-Langlauf, beziehungsweise die nordische Kombination aus dem Programm genommen wurden. Ebenfalls hätte ich mir als Spieler der ersten Stunde den Eiskunstlauf oder auch den Hausfrauensport Curling gewünscht. „Sportarten“, die mit Sicherheit nicht unbedingt für Motivationsschübe gesorgt hätten, aber vor allem in punkto Humor recht gut in der Vergangenheit punkten konnten.
Ab auf die Piste…

Vancouver 2010Den größten Teil der einzelnen Wettbewerbe nehmen, wie in wahren Sportleben, die Ski-Alpin Disziplinen ein. Insgesamt vier Mal rasen wir, fair aufgeteilt in zwei männlichen und zwei weiblichen Wettkämpfen, die Piste im Abfahrt, Super G, Slalom und Riesenslalom herunter. Die einzelnen Bedienungselemente, die uns kurz nach Start eine möglichst schnelle Tastenabfrage mit folgendem kurzen Butto-Mashing abfordern und während der Fahrt mit dem so manchmal wichtigen Carving versorgen, funktionieren bei den Abfahrtsdisziplinen ebenso gut wie beim Snowboarden und dem Ski-Cross. Bei letztgenannten beiden Ereignissen dürfen wir uns sogar auf KI-gesteuerte CPU-Konkurrenten freuen, die zwar pfeilschnell den Hang herunter rasen, im direkten Duell allerdings stets auf ihrer Ideallinie weiterfahren, was sie umso ausrechenbarer macht. Doch trotz der vermeintlich nicht allzu guten KI, ist es umso erstaunlicher, dass jede Goldmedaille im direkten CPU-Duell hart erkämpft werden will. Jeder kleinste Fahrfehler wirkt sich sofort auf die Zeit bei Zielankunft aus. Dies dürfte vor allem hartgesottene Winterolympioniken freuen, während Gelegenheitsspieler eher gleich noch drei weitere Mitstreiter entweder online oder auf im eigenen Wohnzimmer aufsuchen sollten, um nicht ganz mit stets frustrierenden Erlebnissen konfrontiert zu werden.

Vancouver 2010Weitere Sportarten, die uns an die Bretter nageln, die in einigen Regionen die Welt bedeuten, sind das Skispringen sowie das Kunstskispringen, auch Ski-Akrobatik genannt. In beiden Disziplinen werden hier unsere Reaktionszeiten abverlangt, in denen wir innerhalb kürzester Zeit auf die entsprechende Taste drücken müssen. So entscheidet beim Skispringen das kräftige Abstoßen, der perfekte Absprung sowie Haltungsnoten in der Luft und einer genau getimten Landung darüber wie weit wir fliegen, während bei der Ski-Akrobatik neben den geforderten Tastenabfragen, auch eine Stickabfrage beider Analogsticks erfolgt. Dies ist in Betracht auf die Steuerung alles nicht besonders innovativ, aber mit Sicherheit immer noch erträglicher als ewiges Tastengehämmer. Neu ist hingegen, dass jeder ausgeübte Schritt mit einer Punktzahl zwischen 0 und 100 Punkten bewertet wird. Wobei es also nun das oberste Ziel sein sollte, nach jedem absolvierten Sprung mit voller Punktzahl bei jedem einzelnen Ablaufschritt belohnt zu werden.
…und über das Eis

Vancouver 2010Ein wenig öfters auf das Knöpfchen drücken muss man hingegen beim Shorttrack, welchen wir sowohl im Sprint (500m) als auch auf der Mittelstreckendistanz (1500m) in Angriff nehmen. Das besondere bei beiden Wettkämpfen ist auch hier, dass wir nicht stur gegen eine Uhr laufen, sondern wie beim Snowboarden und Ski-Cross die Konkurrenz direkt auf dem Eis vorfinden werden. Mittels linker Schultertaster skaten wir um die Kurven, wobei hier ein perfektes Timing gefragt ist und speziell der Positionskampf gegen menschliche oder CPU Gegner von enormer Bedeutung ist. Hat man den Bogen einmal raus, funktioniert dieses richtig gut, was man von der Tastenabfrage des 1500m-Laufes nicht unbedingt behaupten kann. Auf dem ersten Kilometer der Strecke sollte man nämlich ziemlich synchron die Aktionstaste mit dem Auftreten des Schlittschuhs des Läufers antippen. Doch leider verschwimmen die Kufen ein wenig in dem etwas zu schwammig wirkenden Eis. Ähnliche Probleme ergeben sich auch beim Rodeln, wo wir mit den Händen des Athleten aufs Eis schlagen müssen, um genügend Schwung beim Anlauf zu holen. Hat man dies geschafft, so gilt es möglichst hoch in die einzelnen Kurven der Eisbahn zu fahren. Auch hier bekommt man mittels der Skala zwischen 0 und 100 Informationen darüber, wie gut oder schlecht man eine Kurve gefahren ist, Stürze sind bei zu hohem Risiko allerdings inbegriffen. Ähnlich laufen übrigens auch die letzten beiden Disziplinen 2er Bob und Skeleton ab, bei denen lediglich die Steuerungselemente ausgetauscht wurden.