Im Angesicht des Todes! Wer sich hier durchbeißt ohne aufzugeben, wächst aus sich heraus und mutiert zum Helden!
Düster, melancholisch und unheimlich, aber vor allem erschreckend schwer - damit wäre das erste Erscheinungsbild zu "Demon's Souls" schon sehr aussagekräftig umrissen! Doch diese Eigenschaften sind nicht allein schuldig am Mythos, welcher zwar unscheinbar, dank positiver Mundpropaganda aber auch im Westen merkbar seine Runden machte. Den vielen Fans ist es wohl zu verdanken, dass wir nach etlichen Monaten doch noch in den Genuss einer deutschen Version kommen und somit auf den Import verzichten können! Wir tanzten mit Gevatter Tod um die Wette und verloren, nicht nur einmal, sondern unendlich viele Male, doch letztendlich hat uns dieses Action-Rollenspiel trotz des hohen Faustpotenzials in den Bann gezogen!
Aller Anfang ist wahrlich schwer
Quelle: Atlus
Demon's Souls
Völlig schwarz in dunkelgrau gibt sich der Tunnel, vereinzelt blinzeln unscheinbare Fackeln in der Ferne und bemühen sich vergeblich, das schaurige Szenario zumindest im Ansatz aufzuhellen. Das blitzende Schwert stets griffbereit wagt man sich Schritt für Schritt ins Ungewisse. Jeder Stein könnte eine Falle bergen, jede Nische unverhofft einen Feind ausspucken. Während unter den Füßen berstende Bretter oder mörderische Kugeln aus dem Hinterhalt dem Abenteurer nur hin und wieder das Genick brechen, sorgen Ritter, Untote und schleimigen Biester für schweißnasse Finger auf dem Gamepad! Stets lauert der Tod im Nacken und haucht dem Spieler nur allzu gern seinen Willkommensgruß ins Ohr - leider meist erfolgreich! Nahezu chancenlos fügt man sich dem unausweichlichem Schicksal und kehrt wie einst Gandalf der Graue zum Ausgangspunkt des Geschehens zurück, sprich wiederholt denselben Level von Anfang an mit sämtlichen Hürden sowie auch reanimierten Feinden.
Quelle: Atlus
Demon's Souls
Wahrlich kein Einzelfall - das sollte vorweg schon gesagt und vor allem jedem Interessierten bewusst sein! Das Duell mit dem Gevatter werden auch erfahrene Haudegen vielfach verlieren und bitter mit den Zähnen knirschen. Ein jeder wird auf die Probe gestellt, sei es groß oder klein, jung oder alt: Ist das Spiel zu hart, seid ihr eindeutig zu schwach oder einfach durch heutige Titel wie z. B. "Prince of Persia" (Grüße an die adrette Elika) oder ähnliche Abenteuer nur verwöhnt. Wer in der magisch düsteren Welt von "Demon's Souls" wirklich Fuß fassen möchte, muss schwitzen, bluten und unendliche Qualen aushalten - doch wer sich auf das Wesentliche besinnt, alle Sinne offen hält und die Eigenheiten des Spiels studiert, wird nach etlichen bitteren Lehrstunden sogar einen Hoffnungsschimmer wahrnehmen - und wer weiß, vielleicht wächst auch ein wahrer Held heran, der sich tatsächlich mit den größten und bisweilen Bildschirme füllenden Dämonen zu messen wagt. Denn spätestens bei den zahlreichen Endbossen wird das Herz in der Hose verschwinden und der beste Freund aus dem Jenseits wieder seine Grußkarte hinterlassen! Nun heißt es den Mut nochmals aufzubringen und das Schicksal nach einem x-ten Anlauf vielleicht doch noch zu wenden!
Düster, brutal schwer und anspruchsvoll
Quelle: Atlus
Demon's Souls
Die Entwickler schufen ein geradezu melancholisch anmutendes und fast schon deprimierendes Szenario. Euer Held wandelt zwischen den hohen kalten Steinmauern riesiger Burgen, mit Schatten überzogenen Plateaus und durch geradezu Gänsehaut erzeugende Kerker. Ebenso wie manch überdimensionierter und furchterregender Gegner schüchtern die gewaltigen Bauten mit bisweilen auffälligen Details geradezu ein. Einziger Wermutstropfen: Hin und wieder missfallen die Texturen und gelegentlich bekommt die Disc gar Schluckauf. Die Technik ist nicht vollkommen sauber, doch fallen die selten aufkommenden Probleme nur marginal ins Gewicht und dank der düsteren Farben und des Nebels wird eine Atmosphäre erzeugt, wie man sie sonst allerhöchstens aus westlichen Rollenspielen kennt - doch auch ein "Oblivion", welches sich im Kern ein wenig "Demon's Souls" ähnelt, kommt nicht an das Werk aus dem Hause From Software heran. Nur die Physik ist ein wirklich herber Schlag ins Gesicht, denn geborstene Objekte sowie die Toten kullern und fliegen wie Fußbälle über den Platz und bilden ein surreales Abbild zum ansonsten recht gehobenen optischen Niveau. Aber nicht nur der Dark/Gothic-Stil, sondern auch die zurückhaltenden, nur zaghaft verwendeten Klänge sowie atmosphärischen Effekte tragen ein gewaltigen Teil zum Umfeld bei und untermauern das Szenario. Von weitem ist das Knistern des Feuers, aber auch das Schlurfen und Stöhnen untoter Dämonen oder der Flügelschlag eines Drachen zu hören. Letzteres verheißt nie was Gutes und lässt unweigerlich die Angst aufkeimen sowie das Herz rasen!
Quelle: Atlus
Demon's Souls
Den Auseinandersetzungen mit zahlreichen Feinden kann man aber nicht entkommen - ein jeder muss sich also seinem Heldenschicksal stellen. Egal ob nun ein Vorpreschen auf den Burghof stattfindet, oder ein schleichendes Tempo im Schatten der Baracken und Mauern angeschlagen wird, sobald man sich einem Gegner im Sichtfeld bis auf einen gewissen Radius nähert, spitzt dieser nicht nur die Lauscher, er greift auch zur Keule oder ähnlichem mörderischen Gerät. Wie von der Tarantel gestochen regt sich Leben in den ansonsten meist wie Statuen aufgestellten Feinden - nicht gerade die feine Art, ein lebendiges Rollenspielwerk zu präsentieren! Dies und die Tatsache, dass jede Situation vor allem nach zigfachem Versuchen und vorprogrammiertem Scheitern dank der Skripte wie vorgekaut wirkt, vergisst man aber recht schnell, wenn es zur tatsächlichen Auseinandersetzung Mann gegen Mann (bzw. Dämon, Untier, Ritter, ...) kommt! Mit zahlreichen Argumenten wie Schwertern, Bögen, Hämmer und ähnliches, aber auch reichlich Magie und Zauber kann man sich zur Wehr setzen. Doch oberstes Gebot neben der Vorsicht ist das Anvisieren seines Gegenübers, da ansonsten Attacken nutzlose Luftlöcher hinterlassen. Auch die Defensive beweist ohne das Aufschalten der Kamera gravierende Mängel. Den Schild nicht gen Angriff des Gegners gerichtet, seid ihr schutzlos den Attacken ausgeliefert.
Quelle: Namco
Demon's Souls
Dabei läuft sowohl die Erkundung der weiträumigen und mit Fallen gespickten Anlagen, wie auch der Kampf eher etwas gemächlicher ab und lässt euch genug Zeit für durchdachte Aktionen. Kein simples Schnetzelabenteuer mit Dauer-Button-Smashing, sondern ein wohl durch Ryu Hayabusa geprägter taktischer, ja fast gar ästhetischer Schlagabtausch, dessen Schwerpunkt aber in Zurückhaltung und seltenen, dafür gezielten Angriffen liegt: Deckung gegen Fernangriffe wie Feuerbälle oder Pfeile suchen, den Schild zur Abwehr nutzen und mit gewieften Rollen und Seitwärtsbewegungen nahenden Attacken ausweichen. Wer sich diesem komplexen Regelwerk unterwirft und bedacht an das Abenteuer heran geht, wird spätestens nach den ersten 5-10 sehr bitteren Lehrstunden erste kleine Erfolge feiern und nach und nach - wenn auch nur langsam und mühselig - das düstere Reich erforschen! Der Stolz schwillt in der Brust an und schlussendlich überwindet man den inneren Schweinehund und erfreut sich auch an den kleinen Fortschritten! Wer stattdessen die brachiale RPG-Tour des Berserker durchzieht, dürfte alsbaldig weitere Rendezvous mit dem Gevatter - ihr wisst schon wen - bekommen und völlig die Lust an "Demon's Souls" verlieren!
