Durch das neue 360°-Dribbling, das punktgenaue Passspiel und die herrlichen Zweikämpfe kommt nun noch realistischerer Spielspaß auf.
Barcelona, 26. Mai 1999, Stadion Camp Nou. Die reguläre Spielzeit des Champions League Finales ist gerade abgelaufen. Der FC Bayern München führt 1:0 gegen Manchester United. Die Ersatzleute des deutschen Rekordmeisters haben die Bank schon verlassen und tragen bereits die obligatorischen Gewinner-T-Shirts. Wenige Minuten später liegen die Münchner Spieler schockiert auf dem Rasen. Jubel bei den Engländern, denn sie haben es geschafft und gewinnen den Cup doch noch durch ein 2: 1 in der Nachspielzeit.
Gelsenkirchen, 19. Mai 2001, Parkstadion. Schalke hat gerade das Spiel gegen die SpVgg Unterhaching mit 5:3 gewonnen. Der Jubel kennt keine Grenzen, Spieler und Fans sind sich schon sicher: Wir sind deutscher Meister. Vier Minuten später. Patrik Andersson tritt zu einem Freistoss für den FC Bayern München im Topspiel gegen den Hamburger SV an. Nachspielzeit. Letzte Chance für den Ausgleich, für den Meistertitel. Er trifft, die Bayern holen die Schale und Schalke versinkt im Tal der Tränen.
Das ist Emotion. Das ist Fußball. Und wohl auch einer der Hauptgründe, welcher uns Deutsche Woche für Woche ins Stadion oder vor die Fernsehgeräte treibt. Was das jetzt aber mit "FIFA 10" zu tun hat? Ganz einfach, genau das wollen wir auch beim virtuellen Kick erleben und fühlen.
FIFA 10 ist: 360°-Dribbling, genaueres Passen und härtere Zweikämpfe
FIFA 10
Endlich. Endlich kann man die Spekulationen wieder da hinpacken, wo sie hingehören. Und endlich kann man sich dem widmen, was wirklich Sache ist. Aber was ist Sache? Für große Ankündigungen im Vorfeld eines für den Publisher nicht gerade unwichtigen Produkts war EA ja schon von jeher bekannt, so natürlich auch dieses Jahr. Neu allerdings ist, dass man sich vor allem darauf beruft, die meisten Neuerungen, Änderungen und Erweiterungen aufgrund der Forderungen der ungelogen sehr großen "FIFA"-Community zu erst bestimmt und dann in den Titel eingebaut zu haben.
FIFA 10
Mehr Freiheit, mehr Realismus. Zwei sehr gerne in Bezug auf ein Fußballspiel in den Raum geworfene Begriffe. Diesen ist es nun dann auch geschuldet, dass das aktuelle "FIFA 10" für Xbox360 und PS3 mit einem gänzlich neuen 360°-Dribbling-System ausgestattet wurde. Punkt genau soll man damit praktisch jede Position auf dem virtuellen Rasen einnehmen können, um somit alle Schwächen der Verteidigung noch besser ausnutzen zu können. Und in der Tat. Bereits nach wenigen Minuten werdet ihr merken, dass die allgemeine Spielerbeherrschung - also wie sich der Protagonist bewegt, wohin er sich bewegt usw. - nochmals einen enormen Schritt nach vorne gemacht hat. Aber nicht nur das. Auch das Handling der Pässe gibt sich heuer deutlich präziser. Bisher gab es noch keinen "FIFA"-Teil bei welchen man Angriffe so durchdacht und so genau aufbauen konnte, wie beim aktuellen Ableger. Respekt, EA.
FIFA 10
Wer jetzt allerdings denkt, "FIFA 10" würde somit wieder in die grauen Vorzeiten zurückfallen, wo die Reihe vor allem durch ein auf die Offensive setzendes Arcadespielgefühl bekannt wurde, liegt komplett falsch. Warum? Ganz einfach, auch die Verteidigung gibt sich heuer extrem stark. Zum einen liegt dies an einer deutlich verbesserten KI-Logik, die den CPU-Gesteuerten Spielern jetzt ein schnelles und vor allem kluges Positionsspiel ermöglich, zum anderen aber auch an den feinen Änderungen bei den manuell ausführbaren Defensivaktionen. Ob nun Grätschen oder Blocken, alles geht deutlich genauer, deutlich stimmiger vom Controller. Und dann noch diese Zweikämpfe. Selten habe ich bei einem Fußballspiel so einen authentischen Kampf um den Ball gesehen und vor allem auch gefühlt. Da wird gerempelt, gezogen, der Weg geschickt verstellt - einfach klasse, was einem das Spiel hier für Möglichkeiten gibt. Da kann man richtig ins Schwärmen geraten.
Aber um jetzt auch gleich wieder etwas auf die Euphoriebremse zu drücken, es ist nicht alles so toll, wie es uns der Publisher gern glauben lassen würde. Natürlich hat das Gameplay durch die eben beschriebenen Features an Realismus hinzugewonnen, trotzdem sollte man jetzt nicht meinen, man würde einen komplett neuen Titel spielen. Nein, denn gerade bei längeren Spielesessions fühlt man sich mehr als ein Mal ziemlich deutlich ein Jahr zurückversetzt. "FIFA 10" hat einfach auch noch verdammt viel vom Vorgänger. Das bedeutet jetzt natürlich nicht unbedingt etwas Negatives, aber erwähnen sollte bzw. muss es schon.
FIFA 10
Und wenn wir schon am leichten Meckern sind. Die Ballphysik ist nach wie vor nicht wirklich der Weisheit letzter Schluss. Das virtuelle Leder verhält sich teilweise immer noch alles andere als realistisch. Selbiges bei der Torhüterintelligenz. Man merkt in diesem Bereich zwar durchaus, dass etwas am Programmcode geändert wurde, allerdings macht es deshalb das Verhalten des letzten Mannes auch nicht klüger. Viel zu häufig spurtet der Goalie nun dem angreifenden Stürmer entgegen und ermöglich selbigen ein leichtes Tor per Heber. Viel zu häufig ist er dann aber wieder, gerade bei Ecken, auf seiner Torlinie wie festgenagelt und bewegt sich gleich gar nicht aus dem Kasten heraus. Und viel zu häufig, gibt es eine Diskrepanz zwischen Weltklasse aus dem Winkel holend bis dümmlich dem Ball hinter herblickend.
FIFA 10
Schön allerdings, dass heuer erstmal die Ausführung der schnellen Freistöße gut funktioniert und auch der Schiedsrichter, sowohl bei der Vorteilsregel, als auch bei der Kartenverteilung, enorm hinzugelernt hat. Beides fördert nicht nur den Spielspaß, sondern vor allem auch den Spielfluss. Und weil wir gerade bei Freistößen waren. "FIFA 10" bietet auf Xbox360 und PS3 ein ganz nettes Feature, nämlich das selbstständige Erstellen von Standards. Wohl vom Hauseigenen "NHL 10" abgeschaut, bei welchen es einen ähnlichen Spielzugeditor gibt, habt ihr im aktuellen Ableger der Fußballreihe erstmals die Möglichkeit durch einfaches "Aufnehmen" des von euch bestimmten Ablaufes ganz spezielle Standards zu kreieren. Diese besonderen Taktiken für Eckball oder Freistoß können dann im Spiel bei der entsprechenden Situation durch Tastendruck ganz einfach aufgerufen bzw. ausgeführt werden.
