FIFA 11 im Gamezone-Test

Test Thomas Pfnür

Die PS2-Fassung ist schon arg in die Jahre gekommen. Veraltete Grafik, langweiliger Sound und kaum mitreißendes Gameplay.

Noch am wenigsten Enttäuschung kommt bei der Umsetzung für die Wii auf. Warum? Ganz einfach, denn hier wird euch weiter dieses rasante Spielgefühl des letzten Jahres, aber eben auch die ein oder andere kleine Erweiterung geboten. Grundsätzlich bleibt es aber dabei, auf der Wii ist Realität weniger gewünscht, hier geht es vor allem um den puren, leicht zugänglichen Spaß. Erzeugt wird das Ganze, wie gehabt, durch eine enorm hohe Spielgeschwindigkeit, eine absolut geniale Bewegungserkennung, eine durchaus fordernden KI und unzählige, absolut irre Tricks. Und gerade dieses Tricksystem wurde nochmals etwas verfeinert. Durch eine Überarbeitung habt ihr nun direkteren Zugriff auf die diversen Moves und könnt somit Kombos noch leichter ausführen. Den Gegner mit "Scorpions Kick" oder "Rainbow Flicks" schwindlig zu spielen, steht also nichts mehr Weg. Im Weg stehen ist übrigens ein gutes Stichwort, denn in "FIFA 11" (Wii) habt ihr erstmals auch die Möglichkeit, Hindernisse geschickt in euer Spiel einzubauen. An Mauern hoch zu laufen ist somit nun genauso möglich, wie einen Pass per Bande zu spielen. Feine, kleine Erweiterung und vor allem besser als nichts.

Und genau dieses "Nichts" finden wir dann allerdings auf PC, PS2 und PSP. Zwar mit unterschiedlichen Voraussetzungen, aber mit dem absolut identischen Ergebnis. Soll heißen, auf PC wird zwar ein "Next-Gen-ähnliches" Gameplay geboten, aber man hat noch lange nicht die Möglichkeiten, welche einen die Versionen für PS3 und Xbox 360 bieten - eben genauso wie schon letztes Jahr. Ähnliches auf PS2 und PSP. Hier ist zwar das Spielgefühl eher arcarde- als simulationslastig und von einem realistischen Gameplay nichts zu spüren, zum Vorjahr unterscheidet sich das Ganze aber eben so wenig. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die PSP-Version von "FIFA 11" nun auch eine leicht abgespeckte Form des 360°-Dribblings beinhalten soll. Soll deshalb, weil man diese Anpassung praktisch nicht spürt.

Neuer Karrieremodus und Be a Goalkeeper...

Größte Neuerung bezüglich des Umfanges dürfte bei "FIFA 11" wohl der Modus "Be a Goalkeeper" sein. Der Ablauf ist hierbei so simpel, wie auch genial. Simpel deshalb, weil ihr eigentlich nur auf einen vor euch auf den Rasen projizierten farbigen Kreis achten müsst, der euch mehr oder weniger alle Informationen bezüglich eures Stellungsspieles mitteilt. Dann noch die richtige Reaktionszeit beim Drücken des Aktionsbuttons und schon könnt ihr die ersten Erfolgserlebnisse durch diverse Glanzparaden erleben. Hört sich langweilig an? Ist es aber nicht. Der Modi wirkt durch die komplett neue Spielansicht extrem fesselnd. Wenn man aus der Position eines Neuer, Adler, Butt und Co. das Spielgeschehen betrachtet, sich teilweise über vergebene Chancen der eigenen Mannschaft ärgert, dann aber plötzlich auch wieder diesen Adrenalinanstieg spürt, der entsteht, weil die Vorderleute geschlafen haben und deshalb der gegnerische Stürmer allein auf einen zu läuft, dann muss man feststellen, dass man so eine Fußballumsetzung wohl noch nie genossen hat. Der Versuch, eine weitere Facette der Sportart Fußball über den digitalen Weg an den Spieler zu vermitteln, gelingt auf ganzer Linie - und schon alleine dafür ein ganz klares "Daumen noch oben" aus der Gamezone-Redaktion.

Die überarbeitete Karriere hingegen hinterlässt einen eher zwiespältigen Eindruck. Einerseits hat man das Gefühl hier würde ein simples Facelifting als ein neuer Modus verkauft, andererseits ist man froh, nach Jahren des immer gleichen Ablaufs, des immer gleichen Designs, wenigsten überhaupt ein paar Änderungen zu sehen. Einerseits gibt sich die "neue" Spielvariante viel zu oberflächlich, andererseits findet man dann wieder Bereiche mit mehr Realismus. Wie gesagt, sehr zwiespältig das Ganze. Aber kommen wir einfach mal zu den Fakten. In "FIFA 11" gibt es kein "Be a Pro" oder "Be a GM" mehr, sondern eben nur noch einen Karrieremodus. Selbiger bietet euch nun die Möglichkeit beim Start zu wählen, ob ihr nur Spieler, nur Manager oder doch beides sein wollt. Je nach Auswahl unterscheiden sich dann auch eure Aufgaben. Während ihr als Spieler nur eure persönliche Karriere im Sinn habt, euch der Verein mehr oder weniger schnuppe ist, sieht das aus der Sicht des Managers dann natürlich schon komplett anders aus. 15 Jahre habt ihr Zeit die entsprechenden Ziele zu erfüllen. 15 Jahre, die sich nun teilweise deutlich authentischer anfühlen, teilweise aber auch kaum mehr an die Tiefe des Vorjahres heranreichen. Beispiel Vertragsverhandlungen. War es vormals so, dass man einfach ein Angebot mit Kaufpreis bzw. Gehalt abgegeben hat und dann entweder eine Absage oder eine Zusage erhielt, kommen heuer deutlich mehr Aktionen hinzu. Es gibt Gegenangebote, getrennte Gespräche mit Verein und Spieler, mehr Mailkontakt usw. usw., ihr werdet teilweise richtig ins Geschehen gezogen. Beispiel Mitarbeiter. Konnte man in "FIFA 10" noch das Personal - vom Assistenztrainer bis zum Talentsucher - absolut speziell aufleveln und somit indirekt bzw. direkte Verbesserungen im Team bzw. bei den Mitarbeitern bewirken, so gibt es diese Funktion im Nachfolger praktisch nicht mehr. Geld kann jetzt nur noch in die Mannschaft selbst, nicht mehr aber in den Verein gesteckt werden. Und was ist die Quintessenz des Ganzen? Einerseits gibt es sehr gute und stimmige Erweiterungen, andererseits absolut unverständliche Streichorgien der Entwickler - mit dem abschließenden Ergebnis, dass es der "neue" Modus Karriere tatsächlich schafft gleichzeitig zu begeistern und zu enttäuschen.

Und sonst? Die russische Liga hält endlich auch in der "Next-Gen"-Version Einzug, über das neue Audio-Tool könnt ihr, falls gewünscht, eure eigenen Fangesänge ein- bzw. bei jedem Match abspielen und in der Mediathek habt ihr jederzeit die Möglichkeit eure Spielhighlights erneut ansehen. Das war's, viel mehr hat sich schon nicht geändert. Marginales Facelifting, kleinere Erweiterung und nette Spielereien würde das der Fachmann wohl nennen. Übrigens, bevor die Frage aufkommt: Nein, eine dritte deutsche Liga gibt es auch in "FIFA 11" nicht. Nichtsdestotrotz lesen sich die Daten des Titels auch heuer wieder richtig gut: 28 offiziell lizenzierte Ligen, über 500 reale Mannschaften und mehr als 15000 Originalspieler. Also wieder mal die volle Ladung an Authentizität und Realität - aber das hätten wir von der Fußballumsetzung aus dem Hause EA Sports auch gar nicht anders erwartet.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk