Eine Hexe mit zwei Gesichtern wie Tag und Nacht. Die dominante Schnetzel-Dame Bayonetta endlich im PAL-Vergleich.
Nach dem lasziven Date mit der heißen Braut Bayonetta kehren wir wieder auf den Boden der Tatsachen zurück und liefern euch einen ausführlichen Einblick in das von Hideki Kamiya geschaffene Meisterwerk. Doch es wird beim Versuch bleiben, die bluttriefende Hexenwelt in Worten zu Papier zu bringen, da die bildgewaltige Flut dieses Action-Pornos sich nicht verbal beschreiben lässt, sondern nur erlebt werden kann. Lasst euch dennoch in eine von Männern geprägte, aber nun von einer einzigen knallharten Frau dominierten Welt entführen, welche dank japanischer übertriebener Kunst ein audiovisuell unvergessliches Abenteuer darstellt.
Bayonetta
Allein die Hexennacht im Hause SEGA wird uns wie ein intensiver Kinofilm in Erinnerung bleiben, doch auch in den heimischen vier Wänden zittern noch die Hände unter dem bildgewaltigen Epos, welches unweigerlich nach dem Einschalten der Konsole über den Bildschirm flimmert. Angefangen mit der kunstreichen Inszenierung des geschichtlichen Anfangs bis hin zur rasanten Fahrt durch das fiktive europäische Städtchen Vigrid gleichen die nächsten zwölf bis fünfzehn Spielstunden fast gar einem Höllentrip auf Drogen. Graziös und dennoch vollen ernstes metzelt sich die wohl proportionierte und zugegebenermaßen nicht wirklich unattraktive Hexe durch engelsgleiche Gegnermassen und hinterlässt eine unübersehbare Spur der Verwüstung und ganz nebenbei feurig glänzende Augen beim Spieler! Tief versunken in der nahezu perfekten HD-Grafikpracht des postapokalyptischen Traumas vergisst man jeglichen Sinn für Raum und Zeit und möchte den Controller schlichtweg nicht mehr aus der Hand geben!
Bayonetta
Doch wollen wir die Kirche mal im Dorf lassen und ganz am Anfang mit unserem Bericht beginnen. Hinter dem ganz offensichtlich mit weiblichem Charme und viel Grafikzauber gespickten Spektakel steckt das Entwicklerteam von Platinum Games (verantwortlich für den kontroversen Actionkracher "Mad World" auf der Wii) und vor allem Director Hideki Kamiya. Kaum verwunderlich, dass unsere geliebte Bayonetta auf den Pfaden des Dämonenjägers Dante wandelt und das von Kamiya-San im Jahre 2001 geprägte Genre der stilvollen Action nun in nahezu perfekter Art und Weise zelebriert. Doch wer die fesche Braut als billigen Abklatsch von "Devil May Cry" abstempelt, schöpfte bis dato noch nicht selbst das mundende Geschnetzelte aus dem blutroten und brodelnden Hexenkessel. Ganz ähnliche Zutaten ergeben nämlich mit einer priese ungewöhnlicher Gewürze das gewisse Etwas und bereichern die ursprüngliche Rezeptur! Verwirrt? Wir auch, doch neigt man als Schreiber dazu, das kunstvollen Programmierwerk mit ebenbürtigen Worten zu beschreiben. Auf den Punkt gebracht verzaubert die Hexe trotz eines ähnlichem Gameplays mit bildgewaltiger Szenen, witzigen Ideen und filmreifer Inszenierung.
Bayonetta
In Anlehnung an Dantes Schnetzelorgie tritt Bayonetta ins Rampenlicht, stellt aber den obercoolen Dämonenjäger völlig lässig in den Schatten. Geradezu graziös und mit spielerischer Unbeschwertheit ballert und metzelt sich die adrette Dame durch Horden engelhafter Dämonen und riesige fast gar Bildschirm füllende Bossgegner. Einst in Ungnade gefallen, weilt sie nach wie vor auf Gottes Erde und verrichtet ihr alltägliches Werk. Dieses umfasst nicht nur todbringende Argumente, es beinhaltet auch fassettenreiche emotionale Bindungen - auch wenn diese oftmals nicht bis in die Gesichtsmimik vordringen, welche stets kaltblütig daher kommt. Die Story wirkt anfänglich völlig undurchsichtig und abstrus, doch die Fäden laufen zum Ende hin tatsächlich noch zusammen und liefern einen durchwegs gelungenen Spannungsbogen ab. Über den Inhalt der Geschichte wollen wir aber stillschweigen bewahren, um euch vorab den Spaß nicht zu verderben. Doch eines sei euch dennoch mit auf den Weg gegeben: Trotz eines offensichtlich banalen Kampfes zwischen Gut und Böse sorgen zahlreiche Graustufen für ordentliche Gedankenverwirrungen. Dank der unwiderstehlich düsteren Ambiente, der pompösen Aufmachung und vor allem weiteren, sehr lebhaft und zauberhaft ausgearbeiteten Charakteren sowie bildgewaltigen Sequenzen in bester Hollywood Qualität werdet ihr regelrecht sabbernd vor dem TV zurückgelassen. Der bitterschwarze Humor gepaart mit Bayonettas völlig lässiger Art ergibt beim Schlachtfest darüber hinaus eine äußerst prickelnde Mischung und sorgt für einen hohen Unterhaltungswert - und das nicht nur bei den männlichen Spielern!
