Arcania: Gothic 4 im Gamezone-Test

Test Alexander Winkel

Wer kein Gothic erwartet und seichte, einsteigerfreundliche RPG-Kost liebt, wird mit Arcania bestens bedient.

Nachdem Risen, zumindest unter den Anhängern, letztes Jahr als inoffizieller Nachfolger der sagenumwobenen Gothic Reihe an den Start ging und immerhin als PC-Version unterhalten konnte, steht uns heuer endlich der wahre vierte Teil der Serie ins Haus. Die aufgekommene Skepsis unter den Fans gegenüber Arcania - Gothic 4, so der offizielle Titel, ist mehr als berechtigt. Einerseits sorgt ein Entwicklerwechsel stets für frischen Wind, andererseits stiftete JoWood dank der wechselnden Namensgebungen etwas Verwirrung. Für viele eingefleischte Liebhaber der Vorgänger hätte es bei der Anspielung mit "A Gothic Tale" bleiben sollen. Denn obwohl Arcania ein grundsolides Rollenspiel geworden ist, spricht es eher Quereinsteiger und Anfänger an.

Arcania: Gothic 4 Quelle: Jowood Arcania: Gothic 4 Dabei deutet auf dem ersten Blick alles auf ein glanzvolles Abenteuer in einer riesigen, fantastischen Welt hin. Nach dem wirren Traum eines Schafhüters befinden wir uns auf einer kleinen Insel namens Feshyr wieder und reiben uns erst einmal das Sandmännchen aus den Augen. Die ungewollt komisch wirkende Konversation, die nur anfänglich etwas abschrickt, lassen wir mal unkommentiert stehen. Doch soweit das Auge reicht, breitet sich eine herrliche Idylle aus. Seicht im Wind wiegendes Gras, herum tippelnde Schafe, im Tal das kleine Fischerdorf mit prächtigen Holzhütten, einigen Feuerstellen und den Äckern hinterm Haus, dahinter die aufragende Berge und rings herum das seicht rauschende Meer. Willkommen in Arcania, einer grafisch bombastischen Fantasy-Welt, sofern man vor dem PC-Monitor sitzt. Die Konsoleros bekommen eine deutlich abgespeckte Variante, die aber im Bezug auf die Hardwarepower und besehen als Standbild nach wie vor wie aus einem Bilderbuch zu stammen scheint. Sobald man sich aber in Bewegung setzt, merkt man auf der Xbox 360 ein furchtbares Flimmern der Grünlandschaft, beständiges flackern der Schatten und vor allem kontinuierliches Ruckeln. Letzteres geht innerhalb der Häuser geradezu unter die Gürtellinie und macht den Titel fast gar unspielbar - ein absolutes KO-Kriterium!

Optisch detailreiches Fantasyspektakel

Arcania: Gothic 4 Quelle: Jowood Arcania: Gothic 4 Schade, dass die europäischen/deutschen Spieleschmieden und Publisher mit ihren epischen Rollenspielen nach wie vor ausschließlich auf dem Rechenknecht beheimatet und programmiertechnisch bewandert sind, obwohl man vor allem im Bezug auf Interface und Handhabe den Hang zu den Konsolen immer deutlicher spürt. So unterstützt auch Arcania das Xbox Gamepad auch auf dem PC und bietet daher denselben Spielkomfort. Doch keine Sorge, die allbekannte WSAD-Handhabe bleibt euch erhalten und bietet einen ebenfalls angenehmen Spielverlauf. Technisch sieht der Titel auf dem PC um Welten besser aus und gehört im Bezug auf die Serie zu den schönsten Ablegern mit einer unglaublichen Detailverliebtheit. Die Texturen sehen grandios aus, bei Regenwetter schimmert das Wasser auf den Rüstungen und Fackeln bzw. leuchtende Waffen werfen realistische Schatten in den Tunnelgängen. Doch obwohl manch Konkurrenzprodukt auf ähnlich hohem Niveau zaubert, gehört Arcania zu den wahren Ressourcen-Fressern. Allein die Mindestanforderungen reizen viele Standard-Rechner schon ganz gut aus und wirklich ruckelfrei spielbar wird Arcania auch als PC-Version erst mit einer überdimensionierten Kiste. Es geht, man braucht aber entsprechende Leistung. Diesbezüglich hat Spellbound aber schon reagiert und einen Hotfix nachgeschoben, der die Sache zumindest teilweise entspannt.

Arcania: Gothic 4 Quelle: Jowood Arcania: Gothic 4 Nachdem das eher langweilige Tutorial beendet und das Schicksal über den reichlich gewöhnlichen Helden hereingebrochen ist, beginnt das eigentliche Abenteuer auf der großen Hauptinsel Argaan. Nach der Tragödie, die sich am Ende auf Feshyr ereignete, regen sich im Herzen des Schafhüters gemeine Rachegelüste gegen König Rhobar III - eine treibende Macht, welche uns zu sämtlichen Taten hinreisen lässt. Klingt erst mal ganz nett, wirkt auf Dauer aber weniger spannend, da den Geschichtsschreibern leider nur kaum Überraschendes eingefallen ist. Neben einem Herrscher, der einst Gutes wollte und nun das Land terrorisiert, würzen noch ein paar bekannte Namen aus den Vorgängern sowie abstrakte Dämonen- und Götterkonfilkte den Plot. Auch wenn die Dialoge mit den Bewohnern bisweilen unterhaltsam und bis auf wenige Ausnahmen auch mit hervorragender Sprachausgabe hinterlegt sind, so kommt Arcania nicht so wirklich in Fahrt. Vor allem Mangelt es an abwechslungsreichen, spitzelnde Antwortmöglichkeiten und Informationsgehalt - selbst beim Nachhaken kommt meist nicht sonderlich viel mehr bei raus. Zudem wird optisch biedere Kost, mit zum Teil sehr schwach animierter Mimik während der Unterhaltungen geboten.

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