Dank Haemimont Games können nun auch die Konsoleros auf der Xbox 360 von der Couch aus Diktator spielen.
Alles Kampagne, oder was?!
Tropico 3
"Tropico 3" ist in seinen Grundsubstanzen seinen Wurzeln von damals treu geblieben, - und im Zweifel für den Angeklagten ist dies sicherlich nicht die schlechteste Wahl. Für Konsolenspieler auf jeden Fall ein feiner Zug, bekommen sie so doch die Chance nachzufühlen als auch zu spielen, warum sich Tropico seit 2001 einer solchen Beliebtheit erfreut und warum Spieler so sehnsüchtig auf den dritten Teil gewartet haben, der nicht mehr nur auf dem PC sondern auch auf der 360 sein Zuhause gefunden hat. Dem PC-Ableger gleich bietet auch die Xbox 360 Fassung das sogenannte Kampagnen-Spiel. Hierbei schlüpft ihr gleichermaßen in die Rolle eines euch sympathischen Diktators und regiert das Eiland Tropico. Seid ihr erfolgreich, werden verschiedene Einzelszenarien mit unterschiedlichen Start- als auch Siegbedingungen freigeschalten. Dazu gesellen sich noch ein paar, wenn auch Vordefinierte Ereignisse und fertig ist das Kampagnenspiel. Für PC-Spieler ein neues Feature, dürfte es dem Konsolenspieler einerlei sein, da es Letzerem jede Menge Zeit an der Konsole und damit hinreichend Spielspaß bietet.
Im Auge des Betrachters
Tropico 3
Der Charaktereditor, der kreativen Köpfen den Spielraum lässt sich ihren Diktator nach ganz persönlichen Vorstellungen zu gestalten, stellte für die Tropico-Fangemeinde eine kleine, aber durchaus feine Neuerung dar, welche, wie bereits erwähnt, auch im Xbox 360 Ableger vorhanden ist. Wer allerdings keine große Lust hat sein Alter Ego zu formen, nutzt einfach das enthaltene Angebot an Persönlichkeiten, aus dem gewählt werden kann. Egal ob die legendäre 'Evita Peron', Che Guevara' oder 'Fidel Castro' - sie alle geben sich auf "Tropico 3" ein Stelldichein. Passend dazu lässt sich das geschaffene virtuelle Ego von euch direkt steuern. Lustige Sache, denkt ihr? Nun, das mag vielleicht richtig sein - im entscheidenden Moment kann ein von euch gesteuerter "el Presidente" wahre Wunder wirken und euren Allerwertesten retten. Egal ob es um einen Demonstranten geht oder der Bau eines Gebäudes verläuft nicht in gewünschten Bahnen? Nehmt "el Presidente" an die Hand, schaut vorbei, brüllt ein wenig herum oder schwingt ein paar nette Reden - e voila, die liebe Meute gibt wieder Ruhe und trabt ihn den von euch gewollten Bahnen weiter. Leider sind diese Intermezzi eher selten vorhanden, so dass dieses Feature eine schöne, allerdings auch eine rühmliche Ausnahme darstellt.
Tropico 3
Wenn ihr nicht alles selbst machen wollt, sorgt dafür, dass euer untergebenes Militär mindestens zu Hundertzehnprozent hinter euch steht. Hilfreich dabei ist u.a. die Möglichkeit, dass ihr eure Wahlreden selbst gestalten könnt. Dafür stehen verschiedene Textbausteine zur Verfügung, welche - gekonnt kombiniert - dafür sorgen, dass ihr die Leute so dirigieren bzw. auch beeinflussen könnt, dass es eurem Gusto entspricht. Dazu gehört u.a. auch das gern genommene Versprechen, euren Soldaten bessere Unterkünfte anheim zu stellen und schon sind die uniformierten 'Argumenten-Träger' Feuer und Flamme für euch den Kopf hinhalten zu dürfen. Politisch sicherlich etwas fragwürdig - aber es ist fiktiv, es ist virtuell - also darf es sein - und Spaß macht es auf jeden Fall auch.
Kubanische Rhythmen und technischer Sonnenschein
Tropico 3
Euer Aufenthalt auf dem Eiland kann sich auch auf der Xbox 360 sehen lassen. Optisch werden durchaus gehobene Ansprüche erfüllt und stellen die Spielerschaft weitestgehend zufrieden. Hübsche Umgebungen und z.T. sehr ausgefeilte Details, die zwar nur in der Nahaufnahme erkennbar werden, machen genauso Spaß wie die komplett frei bewegliche Kamera. Man gibt euch diesbezüglich das Runder komplett in die Hand und sorgt dafür, dass ihr voll und ganz zu jeder Zeit im Bilde seid. Jeder Winkel ist einsehbar, es gibt die Möglichkeit des 360 Grad Drehens als auch eine stufenlose Zoomfunktion - Big Brother, was willst du mehr?!
Tropico 3
Wer gehobene Grafikkost gewöhnt ist, wird mit "Tropico 3" mehr oder weniger zufrieden gestellt werden. Schöne aber leider eher etwas lasche Kontraste sorgen für ein auf und ab der optischen Emotionen. Die Gebäudestrukturen bestechen mit klaren Linien als auch auffälligen Details - aber leider nur in der direkten Ansicht, sprich wenn ihr sehr nah ran gezoomt habt. Betrachtet ihr das Treiben in den Straßen als auch die Häuser, Geschäftigkeiten und Aktionen aus der Ferne, wirkt das gebotene Bild zwar farblich sehr abwechslungsreich - allerdings auch deutlich verwaschener als im direkten Vergleich mit der gebotenen PC-Präsentation. Die Vogelperspektive auf der Xbox 360 verliert sehr viel Boden gegenüber dem PC, auf dem selbst auf die Entfernung noch Details als auch die Reinheit der Struktur zu erkennen ist. Beim Konsolenableger wirkt alles nur noch wie eine amorphe Masse bzw. ein großer, sich vermischender Farbklumpen. Dafür passen die Wassereffekte wieder ins Gesamtbild und heben die Stimmung bei der Betrachtung und zugehöre Effekte beweisen sich ansehnlich als auch dynamisch. Diese Gesamtheit wiederum kombiniert mit dem schicken Tag- und Nachtwechsel tun ihr übriges, um das Karibikflair ordentlich zu transportieren.
Unterstützt wird die Optik durch in die Hüfte gehende Rhythmen kubanischer Natur. Eingängige Musiken mit akzentuierten Sprachsamples wissen zu gefallen, allerdings auch nach einer Weile zu nerven. Leider ist das Repertoire in diesem Segment sehr gering und wenig abwechslungsreich ausgefallen. Zu oft wiederholen sich Nachrichtenmeldungen und Musikstücke, so dass gewillte Spieler garantiert fix von der Option des Abschaltens der akustischen Untermalung Gebrauch machen werden.
Tropico 3
Dafür ist wiederum die Steuerung so gut wie über jeden Zweifel erhaben - und das obwohl eine PC-Steuerung auf eine Joypad angepasst wurde. Logisch, eingängig und sauber reagiert das Spiel auf alles, was man ihm sagt. Schade ist nur, dass sich z.B. der Straßenbau gerne mal als bockig erweist, wenn etwas abseits liegende Gebäude angebunden werden sollen. Hier will einem das Spiel gerne davon überzeugen, dass der Straßenbau, so wie man ihn vor hat, ganz und gar nicht funktioniert. Experimentieren tut hier gut, denn jede Straße lässt sich dorthin bauen, wo ihr sie hin haben wollt.
