Wo die wilden Kerle wohnen im Gamezone-Test

Test Alexander Winkel

Wild und rebellisch wollte der Titel sein, mau und langweilig fällt er aber leider nur aus!

Ausgezeichnet mit dem höchsten amerikanischen Kinderbuchpreis und überschüttet mit zahlreichen Lobesgesängen der Kritiker kehrt das preisgekrönte Buch "Wo die wilden Kerle wohnen" von Maurice Sendak als Filmfassung in die Kinos zurück und begeistert beinahe 50 Jahre nach der Erstveröffentlichung des geschriebenen Werkes vor allem die Kids. Die aufmüpfige, bisweilen aber auch düstere Geschichte um den rebellischen Max könnt ihr auch spielerisch in Angriff nehmen. Wir traten für euch die Reise an, kehrten aber mit eher gemischten Gefühlen aus der Traumwelt zurück!

Wo die wilden Kerle wohnen Wo die wilden Kerle wohnen Ähnlich des Kinderbuches, in welchem die Story mit etwas mehr als dreihundert Wörter erzählt, aber dafür umso reichlicher und schöner mit handgefertigten Illustrationen bildlich dargestellt wird, gibt sich auch das Videospiel etwas mager mit dem Inhalt. Sehr kurze und teils irritierenderweise im altertümlichen 4:3 gehaltene Videosequenzen ermöglichen einen Einblick, doch die meisten Hintergründe erfahren die Spieler erst in den Erzählungen der großen wuscheligen, wild aussehenden aber durchaus auch zahmen Wilden Kerle. Nach einem Streit mit seiner Mutter bezüglich seines Schabernacks segelt der kleine Max in seiner Traumwelt mit einem Boot zu einer geheimnisvollen kleinen Insel, auf der die Wilden Kerle wohnen. Trotz ihrer furcheinflößenden Art entsteht eine gewisse Freundschaft. Mit einigen Hürden wird Max sogar zum König der Wilden Kerle gekrönt - welch Kind wünscht sich nicht einmal Herr der Lage zu sein?

Düstere Aussichten

Wo die wilden Kerle wohnen Wo die wilden Kerle wohnen Komischerweise spricht Max bis über den Abspann hinaus kein einziges Wort, so dass man als Spieler unweigerlich eine gewisse Distanz zum Helden der Geschichte bekommt, was sicherlich einige positive Aspekte mit sich bringt, letztendlich aber auch der Sympathie ein wenig schadet. Wieso sollte ich mich um den kleinen Racker kümmern, wenn er doch eh nur Schabernack im Kopf hat und kein Sinn für seine Umwelt hegt? Nichts desto weniger steuert ihr Max durch zahlreiche Abschnitte der Insel und bekommt es hauptsächlich mit Naturgewalten zu tun. Während Häschen und Eichkätzchen scheu davon huschen, wirken Bienen und Käfer gar angriffslustig und stürzen sich mit aller Gewalt auf den Helden. Das magische Zepter, welches Max zu Beginn seines Abenteuers bekommt, dient immerhin der optimalen Abwehr und rettet euch das Leben.

Wo die wilden Kerle wohnen Wo die wilden Kerle wohnen Die zahlreichen Auseinandersetzungen fallen simpel aus. Eine einzige Angriffstaste reicht aus (und mehr steht auch nicht zur Verfügung), um mit Buttonmashing die zahlreichen Käfer in Stücke zu reißen. Partiell kann der Schlag auch aufgeladen werden, damit wirklich dicke Brocken umgeworfen und kurzzeitig auf dem Rücken liegend unschädlich gemacht werden. Einige Rätsel gilt es dennoch zu knacken, denn macht Gegner hinterlässt explosive Kugeln oder kann erst mit anderen Mitteln über den Jordan geschickt werden. Aufmerksame Leser merkten sicherlich, dass hier eine gewisse Entfremdung gegenüber einem Kinderbuch entstanden ist und tatsächlich wurde der Titel auch erst für Spieler ab dem 12ten Lebensjahr freigegeben.

Wo die wilden Kerle wohnen Wo die wilden Kerle wohnen Grund hierfür mag aber letztendlich auch das bisweilen äußerst düstere Szenario sein, welches vor allem im letzten Abschnitt des etwa 6-8 Stunden umfassenden Abenteuers so richtig aufkommt. Denn die pflanzenreiche Insel der Wilden Kerle ist dem Untergang geweiht. Nicht nur ein Zusammenstoß mit dem Mond scheint unvermeidbar, auch aus der Erde kündigt sich eine dunkle Gefahr an. Mit der Zeit nehmen schleimige schwarze Kreaturen überhand und greifen nicht nur die Wilden Kerle an, welche allzu gern verschluckt werden, sondern auch Max und dieser muss sich artig zur Wehr setzen. Oftmals wird der Spieler dabei in eine Art Arena gezwungen und darf minutenlang auf die Kreaturen eindreschen, welche wie Phantome aus dem Erdreich nachzuwachsen scheinen. Während häufig gesetzte Rücksetzpunkte ansonsten recht positiv den Frust vermeiden, wird man hier selbst als geübter Spieler zumindest auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad ab und an ins Fluchen kommen. Es macht einfach keinen Spaß, sinnlos mit einer einzigen Taste fast gar unendlich lang auf Gegnerhorden einzudreschen, wenn es schlicht an Abwechslung mangelt.

Grafik von einem anderem Stern

Wo die wilden Kerle wohnen Wo die wilden Kerle wohnen Vor allem letzteres kann dem restlichen Gameplay geradezu nachgesagt werden. Mit Max rennend, springend und kletternd bahnt man sich einen Weg durch das stellenweise recht unwegsame Terrain, welches zerklüftet und mit reichlich Pflanzen verwuchert erscheint. Mühsam hüpft man von Plattform zu Plattform oder hangelt sich an Felsvorsprüngen entlang, um innerhalb der streng linearen Pfade den Levelausgang zu finden. Einzig allein die Rennen auf dem Rücken von Carol - einer der Wilden Kerle - sorgen für selten aufkeimende Abwechslung. Wirklich anspruchsvoll wird das Abenteuer letztendlich aber nie, auch wenn ein paar Baumstämme verschoben werden und winzige Schalterrätsel zu lösen sind. Vielmehr ärgert man sich beständig über den Kameramann, welcher das Geschehen nur selten günstig, geschweige denn optimal einzufangen weiß! Er ist mitunter auch oftmals schuldig für das zahlreiche Ableben von Max. Ständig verschätzt man sich und landet nicht auf dem nächsten sicheren Felsvorsprung, sondern in einem gähnenden Abgrund oder im kalten Nass. Leider kann der junge Held noch nicht schwimmen und geht deshalb nach Luft schnappend in den reißenden Fluten der Bäche und Flüsse, oder dem salzigen Meer unter. Wie gesagt, Rücksetzpunkte gibt es reichlich, doch werde die Nerven alsbald dank der ziemlich ungenauen Mechanik und dem ärgerliche Design ordentlich strapaziert.

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