Die Spieleschmiede Capcom kann neben seinen Erfolgsserien in den Sektoren der Gruselschocker und der Third-Person-Shooter auch eine großartige Erfolgsgeschichte in Sachen Kampfspiele vorweisen. Mit der Ende der Achtziger Jahre erschienenen heutigen Qualitätsmarke „Street Fighter“ etablierte sich die Spieleschmiede auf fast schon legendäre Art und Weise in einer Ecke der Branche, welche bis heute eine große Fangemeinde auf seiner Seite sieht. Neben den Gegnern aus den eigenen Reihen mussten sich alle berühmten Charaktere des japanischen Entwicklers auch gegen Größen anderer Brands wie Marvel und SNK zur Wehr setzen. 2010 steht eine neue Herausforderung ins Haus. Das selbsternannte „Manga Powerhouse“ Tatsunoko bittet aufs Kampfparkett und wir sind der Herausforderung wie immer gefolgt!
Das Who is Who

Tatsunoko vs Capcom - Ultimate All-StarsDie Charakterauswahl des Titels ist so skurril wie unterschiedlich. Den Stall des zugegeben in Europa weitestgehend unbekannten Mangaproduzenten verlassen Pferde, deren Namen lediglich von totalen Insidern der japanischen Comic-Szene wiedererkannt werden. Serien wie „Gatchaman“, „Tekkaman: The Spaceknight“, oder „Ippatsuman“ sorgen samt ihrer meist gleichnamigen Charaktere für den frischen Wind in der Charakterauswahl. Unbekannte Features der neuen Spielfiguren machen hier einen besonderen Reiz aus und können durchaus auch das Interesse an der Serie wecken. Denn habt ihr erst einmal eine Spielfigur in euer Herz geschlossen, könnt ihr euch gleich die Serie dazu zu Gemüte führen. Naturgemäß ist der Wiedererkennungswert bei Capcom unverhältnismäßig größer. Mit Ryu und Chun Li bilden zwei Gesichter die Speerspitze des Kämpferarsenals. Doch auch dahinter nimmt der Bekanntheitsgrad nur minimal ab. „Viewtiful Joe“, „Megaman“ oder sogar Frank West aus „Dead Rising“ sind nur ein paar namhafte Beispiele. Für das große Aufsehen sorgen jedoch zwei sprichwörtliche Schwergewichte. Wahlweise könnt ihr euch auch mit einem Mech aus dem eisigen „Lost Planet“ und einem Roboter aus „Lightan: The Golden Warrior“ auf exorbitante Weise die Lebensleiste dezimieren. Die Größenbegrenzung für diese Riesen scheint das obere Bildschirmende zu sein. Gerade der Kampf mit einer der kleinsten Spielfiguren, dem Viewtiful Joe, artet zu einem Duell von David gegen Goliath in der Neubesetzung aus und sorgt für ungemein witzige Spielmomente.
Mein Partner und Ich

Tatsunoko vs Capcom - Ultimate All-StarsIm Kampfgeschehen erwartet das Spiel von euch, die gebotene Vielfalt richtig auszuschöpfen. Denn anstatt einen Kampf Mann gegen Mann/Roboter/Frau zu führen, steht euch immer ein Partner zur Seite. Die Interaktion mit selbigem beschränkt sich jedoch nicht nur auf das Wechselspiel. Vielmehr verhilft euch euer Partner zu neuen Kombos, die sich in unterschiedlichen Effektfeuerwerken auf dem Bildschirm manifestieren. Ähnlich der schon aus „Street Fighter“ bekannten aufladbaren Leiste werdet ihr auch hier ein virtuelles Gefäß finden, welches sich automatisch füllt – vorausgesetzt ihr schlagt keine Luftlöcher sondern euer Gegenüber. Einmal gefüllt sind die Verwendungsmöglichkeiten eurer Superkräfte enorm. Grundlegend hierfür ist die Kampfsituation. Braucht ihr besonders viel Kraft um einen Angriff abzuwehren, oder noch mehr Druck hinter der Schlaghand. Die dafür verwendeten Anglizismen könnten aber eigentlich auch einfach effektlos auf den Kontrahenten geballert werden. Der Eindruck, man hätte sich bei der Namensgebung der Offensivmanöver tief in die Kiste der überschwelgenden Begriffe vergriffen, verhärtet sich bei jedem Blick in das Move-Set. Egal wie umständlich oder kompliziert die Attacken auch beschrieben sind, die meisten von ihnen gehen nicht ohne euren Tag-Partner von Statten. Ihr verwendet ihn ganz einfach per Knopfdruck in einem Luftangriff, einer Kettenkombination, oder einer „Team Hyper Combo“ und rückt allem auf die Pelle was sich bewegt. Damit verbunden ist jedoch einiges an Monotonie. Solange ihr Kombination an Kombination reiht, ist euch der Sieg so gut wie sicher. Komisch ist auch, dass ihr, je weiter ihr im Story-Modus voranschreitet, mit starken Schwankungen im Schwierigkeitsgrad zu kämpfen haben werdet. Der Boss-Kampf ist jedoch viel zu einfach geraten und lässt seinen Status beinahe schon zu einer Farce werden.
Anders geplant als umgesetzt

Tatsunoko vs Capcom - Ultimate All-StarsFängt man an sich im Kampfgeschehen zu recht zu finden fällt einem zunächst die sehr simpel gehaltene Steuerung auf. Allerdings trifft diese Tatsache nur auf die Zocker unter euch zu, die weder im Besitz eines Gamecube Controllers noch eines Classic Controllers sind. Anfangs noch für sechs Knöpfe konzipiert beschränkte man sich im Laufe des Entwicklungsprozess auf genau drei Aktionstasten der Wiimote. Der Bewegungssensor hat in diesem Falle also nichts zu melden. Die Steuerung ist zwar dadurch sehr einfach und eingängig, der wirkliche Crack wird jedoch schon nach der ersten Runde gähnend das Pad zur Seite legen. Schließt ihr jedoch eine der beiden Bedienungsalternativen an, könnt ihr versichert sein, dass der alte Charme und die alte Herausforderung eines Capcom Prüglers wieder voll intakt sind. Die neue Freiheit der Knöpfe führt zu mehr Komplexität und einem entscheidenden Kaufargument für eingefleischte Kombo-Könige. Die Inszenierung der geglückten Angriffe wirkt vom kleinsten Tritt bis zur größten Aneinanderreihung der schlagenden Argumente stimmig und positiv erdrückend. Auch der technische Aspekt der euch seitlich am Kopf anspricht, ist klassisch solide. Kampfschreie klingen infernal und die Treffer geben sich dem Spieler mit dem typischen Klatschgeräusch wieder.