Mit dem Plus an Motion wird ein deutlich besseres Spielgefühl erreicht und der Spielspaß oben gehalten.
Ubisoft hatte vor einigen Jahren bei der Markteinführung der Nintendo Wii mit "Red Steel" viel vor, manch einer würde mit böser Zunge aber behaupten, dass sich die Entwickler übernommen hatten. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich zu der verschwindend geringen Meute gehöre, die seinerzeit den asiatisch angehauchten Plot und den Mix aus Shootouts und Schwertkampf genossen haben. Doch mit "Red Steel 2" wagt man einen kompletten Neuanfang und dank großflächiger Änderungen und zusätzlicher Technologie stehen die Chancen für einen verdienten Erfolg ganz gut. Dass der Ausflug in sandige Gefilde mit einem Tennisarm und ordentlich abgebauten Kalorien endete, dürfte nach unserem Hands-On von der gamescom 2009 und Preview klar sein. Was Ubisofts Genremix sonst noch auf den Kasten hat, lest ihr hier!
Red Steel 2
Wer gefallen an "Red Steel 2" finden möchte, sollte den Vorgänger schleunigst zu den Akten legen und sich auf völlig neue Eindrücke gefasst machen. Auf dem ersten Blick ist der ungewohnte Mix aus einem staubigen und dank Hitze flimmernden Wüstenszeniaro und der brachialen Samurai-Action sehr prägnant. Ihr schlüpft in die Rolle eines charismatischen Cowboys, der als Schwertkämpfer des Kusagari-Klans nach seiner fünfjährigen Verbannung in seine Heimat zurückkehrt. Nicht nur, dass sich das kleine einst idyllische Städtchen Caldera mit seinen Saloons, Geschäften und aus Holz gezimmerten Buden einem verwüsteten Schrottplatz gleicht, auch seine "Familie" ist von der Bildfläche verschwunden. Über Nacht hat sich die brachiale Motoradgang aus Kriminellen und Plünderern, den so genannten Jackals, eingenistet und sämtliche Anhänger des Kusagari-Klans verschwinden lassen.
Der wilde, wilde Westen
Red Steel 2
Die Begrüßung eines frei herumlaufenden Schwertkriegers des verhassten Samuraihaufens ist freilich alles andere als freundlich und so entführt uns die erste Sequenz in ein actionreiches Szenario, welches direkt aus den Mad Max Filmen entnommen sein könnte. Mit einem Seil ans Motorrad gebunden wird der Held dieser Geschichte durch den Wüstensand geschleift. Einige der Physik trotzende Stunts und Explosionen später kann sich der Haudegen befreien und ihr findet euch mit Wii-Remote und Nunchuk bewaffnet mitten in Caldera. Oberstes Ziel: Rache - und die kann bekanntlich richtig süß schmecken!
Red Steel 2
Der Grafikstil des Spiels im besten Comic-Cell-Shading Glanz ist recht eigenwillig, doch gefällt! Denn die überzeichnete Farbgebung und das vermeintliche Gleißen der Umgebung passt hervorragend zum restlichen Stil des Spiels und bringt es herrlich auf den Punkt, dass die Geschichte mitten im Nirgendwo von Nevada zwischen Kakteen und Sanddünen angesiedelt ist. Doch auch wenn sich alles in und um Caldera herum abspielt, werden recht unterschiedliche Örtlichkeiten geboten, weshalb diesbezüglich so schnell keine Langeweile aufkommt. Wirklich außergewöhnlich an "Red Steel 2" ist nicht nur der lustige Mix aus klassischen Western- und Samurai-Elementen, sondern auch die eingestreuten SciFi-Sachen, wie die elektronischen Schlüssel oder die Schleusentore, die man so auch in einem Raumschiff verwenden könnte und hier zur Überbrückung der doch häufig vorhandenen Ladezeiten eingestreut werden. Selbst die Bambustüren, welche durch aufwändige Zahnradmechaniken oder Pneumatiken bewegt werden, wirken trotz der offensichtlichen Gegensätze nicht fehl am Platz.
Red Steel 2
Und auch die actionorientierten Cutscenes tun ihr Übriges, dass "Red Steel 2" wahrlich einen einmaligen Eindruck hinterlässt, der schwer zu beschreiben aber durch die Bank konsistent und gelungen rüber kommt. Inhaltlich, so zumindest der Eindruck nach einem ca. 8-10 stündigen Komplettausflug plus einige zusätzliche Abstecher in das beschauliche Örtchen, bleibt der Titel aber gewaltig auf der Strecke zurück. Die Action kommt nicht zu kurz, keine Frage, dafür wird ein wirklich fesselnder Plot vermisst. Während der erste Teil dank seiner Intrigen, einem nervenaufreibenden Dinner mit ungewollten Ausgang und den vielen Enttäuschungen im Laufe der Geschichte unterhalten konnte, weiß der neue Cowboy hinterher fast keinen Deut mehr wie zu Beginn, als er dreckverschmiert und zerschrammt Caldera erreicht.
Das gewisse Plus an Bewegung
Red Steel 2
Wie im nicht ganz so ruhmreichen Vorgänger wandert der Protagonist mittels Ego-Sicht durch das kleine Wüstenstädtchen, den Lauf einer spritzigen Shotgun, oder aber flinken Pistole und zwei weiterer Schusseisen stets auf bewegliche Objekte gerichtet. Geradezu genüsslich werden bleihaltige Argumente mittels des B-Triggers und dank diesmal hervorragend funktionierender Pointersteuerung verteilt. Wer seine Umgebung dabei nicht ganz im Auge hat, stürzt aufgrund überall herumstehenden explosiven Fässern nicht nur seine hartnäckigen Feinde ins Verderben. Doch dies allein ist nicht der Grund für den bedachten Einsatz von unverträglichen Bleibohnen! Während die Ballermänner vor etwa drei Jahren den Ablauf noch bestimmte, liegt das Augenmerk in "Red Steel 2" nun eindeutig im herausragenden Schwertkampf.
