Eine Suppe mit Gewürzen aller RPG-Richtungen und einer ordentlichen Prise grotesken Humors.
Wolltet ihr schon immer wissen, warum ein harmlos aussehender, aber furchtlos agierender Pilz beim Ableben komischerweise Rüstungsgegenstände und Gold hinterlässt und den meist leicht bekleideten sowie von Goblins umzingelten Jungfrauen es nach einem blitzenden und polierten Helden dürstet? Dann seid ihr bei Silent Dreams erstem Machwerk "Grotesque Tactics: Evil Heros" genau richtig. Das deutsche Independent Studio kocht ein gar schmackhaftes Süppchen mit Gewürzen aller RPG-Richtungen und sorgt mit einem ordentlichen Schuss grotesken Humors für reichlich Unterhaltung. Hier wird kein Blatt vor den Mund, gar das eigene Spiel auf die Schippe genommen und auch reichlich Film- wie auch Spielklischees bekommen nebenbei ihr Fett ab. Kurzweilig, unterhaltend und nicht allzu komplex - aber bisweilen tatsächlich suchterzeugend!
Grotesque Tactics: Evil Heroes
Kaum installiert und gestartet, sorgt ein depressiver Held in schwarzen Klamotten für eine regelrecht Endzeitstimmung. Nur weil der Nichtsnutz Drake seine Abschlussprüfung verhauen hat und deswegen nicht für das Königreich Glory an der Front seinen Dienst leisten darf, will sich der Kerl mir nichts dir nichts in den Rachen eines harmlos aussehenden, aber durchaus tödlichen Pilzes werfen. Der Plan wäre durchaus aufgegangen, hätten ebenfalls depressive Ritter des königlichen Heeres ihm denselben Pilz nicht streitig gemacht und vor allen, wäre seine halbgöttliche Wenigkeit, der Holy Avatar nicht aufgetaucht. Doch allein seine blitze blank polierte Rüstung und die blonde Mähne machen einen mächtigen Eindruck, zudem kann der größte Held aller Zeiten vor allem unendlich Labern und damit seine Gegenüber geradezu in den Schlaf lullen. Da kommt unweigerlich doch die Frage auf, ob all seine Geschichten tatsächlich wahr sind oder nur erfundenes Wunschdenken einer schillernden Figur darstellen!
"Äh, was zum Teufel geht hier vor?
Kann man nicht einmal in Ruhe ... sterben?"
Grotesque Tactics: Evil Heroes
Wie dem auch sei, nach einer ausführlichen Unterhaltung mit dem Weichei Drake und den Rittern erfolgt eine erhabene Einweisung in das taktische Grundprinzip von "Grotesque Tactics" sowie hilfreiche Tipps eines erfahrenen Helden - sofern man als Spieler daran Interesse zeigt und das Geplapper seiner Göttlichkeit nicht unterbricht. Eigentlich hätte Drake allen Grund, sich in den Tod zu stürzen, denn er als Versager soll er nun die Welt retten und dafür eine schlagfertige Truppe gegen die übermächtige Sekte der Dark Church auf die Beine stellen. Da die ehrlichen Bürger und Krieger fast alle ihr Leben in der letzten Schlacht gegen den gemeinsamen Feind ließen, gilt es andere Mitstreiter ausfindig zu machen. Immerhin soll es genügend Halsabschneider, Massenmörder und reichlich Schurken geben. Außerdem spricht der große Held von anderen Kreaturen, die behilflich sein könnten: Den Frauen! Davon soll es sogar noch Überlebende in Hülle und Fülle geben - oh welch Wunder der göttlichen Natur!
Die Geschichtswendung
Grotesque Tactics: Evil Heroes
Abstrus und konfus? Durchaus, doch "Grotesque Tactics" nimmt sich nicht wirklich ernst und darüber hinaus sogar das komplette Genre der Rollenspiele mehr als nur auf die Schippe. Der Humor steht eindeutig im Vordergrund und überzeugt mit verspielten Dialogen und witzigen Texten, die aber bisweilen auch die Grenzen des guten Geschmackes streifen und nicht bei jedem Spieler den obligatorischen Funken springen lassen. Doch wer auf ein nicht ganz ernst gemeintes Abenteuer Lust hat, sollte sich auf die groteske Geschichte um Drake und seinen Freunde getrost einlassen.
Grotesque Tactics: Evil Heroes
Als zumindest vorerst primäre Aufgabe, bevor die Vernichtung der Dark Church auf der Tagesordnung vorzufinden ist, scheint eine Anreicherung mit wahnsinnigen und vor allem todesmutigen Psychopathen erforderlich, um die allgemeine Truppenstärke von zwei nahezu hilflosen Helden ordentlich auszubauen. Im späteren Verlauf gesellen sich bis zu neun unterschiedliche Gefolgsleute hinzu, die sich nicht nur im Geschlecht unterscheiden, sondern vor allem auch in ihren Fähigkeiten. Die zickigen Jungfrauen, deren Streitereien alsbald nicht nur dem Spieler, sondern auch Drake auf die Nerven gehen, erweisen sich als geschulte Bogenschützinnen und verhindern mit ihren spitzen Pfeilen jegliche Gedankenregung des Feindes mittels eines gezielten Kopfschusses. Der schwarze Kollege West wiederum ist geradezu ein Hüne und mit seiner bummerangartiger Waffe kann er seine Argumente ebenso aus den hinteren Reihen austeilen, aber auch extrem aufbrausend wirken, während die eingebildete Angelina als gefallener Engel die Welt von Glory heimsucht und immerhin andere Personen heilt. Mit dem gemeingefährlichen Golum, ähh ... Goblin und seinen Schatzzzz sowie einer geheimnisvollen Vampirbraut gesellen sich wirklich unheimliche Kreaturen der geradezu illusteren Truppe hinzu - das alles kann noch richtig heiter werden!
