Der Schwerpunkt von Lost Planet 2 liegt definitiv auf dem Online- und Coop-Part, Singleplayer werden vernachlässigt.
Nach dem gelungenen Vorgänger legt Capcom nach und bringt Lost Planet 2 auf den Markt, allerdings ohne den bekannten Helden und mit weitaus weniger Eis. Zudem hat das Spiel eine deutliche spürbare Neuausrichtung spendiert bekommen. Statt auf das Singleplayer-Erlebnis wird nun verstärkt auf die Online-Komponente wert gelegt. Das wird natürlich nicht jedem Käufer schmecken.
Online, online, online,...
Lost Planet 2
Lost Planet 2 ist anders als sein Vorgänger, Lost Planet 2 wurde eindeutig als Online-Multiplayer-Spiel ausgelegt, was sogar schon zu deutlich im Hauptmenü ins Auge sticht. Und will man sich ganz normal der Singleplayer-Kampagne widmen, ist es nötig ein Offline-Spiel zu hosten, sehr merkwürdig. Danach kann man einstellen, wie viele Bots mitmachen sollen, oder Freunde einladen. Leider ist es nicht möglich, dass ein Kollege mitten im Spiel einsteigt, er muss den gleichen Fortschritt in der Kampagne erreicht haben. Aber bleiben wir zunächst bei der KI. Das Gameplay ist auf vier Spieler ausgelegt, die gemeinsam gegen Akriden und menschliche Gegner in den Kampf ziehen, wobei die Zahl der fiesen Insekten drastisch zurück geschraubt wurde. Oft liefert man sich Gefechte mit Schneepiraten und anderem Gesocks. Dennoch trifft man in regelmäßigen Abständen auf Akriden der Kategorie G, was nichts anderes bedeutet, als dass man gegen Godzilla's Verwandte antritt. Hier hat sich Capcom ein weiteres Mal der Gigantomanie hingegeben und mit die größten Feinde der Spielgeschichte auf den Bildschirm gezaubert, die oft nur mit gutem Teamwork zu besiegen sind. Leider macht die KI keinen sehr guten Job: Entweder sie kämpft viel zu ineffektiv, oder sie verweigert die Arbeit sogar komplett. Immerhin weiß man als Spieler des ersten Teils, dass man möglichst auf die orange leuchtenden Körperteile schießen muss, die zum Teil aber wieder nach wachsen.
Lost Planet 2
Um sein Feinde zu besiegen, stehen allerlei Waffen zu Auswahl. Zu den harmlosen Vertretern zählen Sturmgewehre, Schrotflinten, Scharfschützengewehre, Raketenwerfer oder Granaten. Heftiger geht es da schon mit den Vital Suits zur Sachen. Dabei handelt es sich um nicht zu unterschätzende Mechs, mit denen ordentlich Chaos verursacht werden kann. Diese können sich auch geschmeidig in der Luft bewegen und bieten unter anderem zusätzliche Geschütze für die mitspielenden Kollegen. Richtig Spaß macht die Angelegenheit jedoch nur mit Menschen am anderen Ende der Leitung. Die KI weiß diese Möglichkeit jedoch kaum zu schätzen. Und falls man den Mech mal links liegen lassen will, lassen sich dessen Geschütze abmontieren und selbst benutzen. Zudem darf man auch in Rüstungen schlüpfen, die mehr Schutz vor Beschuss bieten. Wie immer verlieren die Gegner Termalenergie, die sich für die eigenen Zwecke nutzen lässt. Auf Knopfdruck kann man diese in Lebensenergie umwandeln.
Fast wie Battlefield
Lost Planet 2
...und damit ist nicht der Onlinemodus gemeint, da sich viele Missionen wie eine Ansammlung von Modi aus verschiedenen Multiplayerspielchen anfühlen. Zunächst gilt es stets Datenstationen zu aktivieren. Stirbt man, läuft ein Countdown ab, bis man an einer Datenstation seiner Wahl wieder spawnen darf. Für jeden tödlichen Zwischenfall schrumpft zudem das Punktekonto des Teams, das durch die Eroberungen von Datenstationen erhöht werden kann. Ist es aufgebraucht, darf man sich auf den "Game Over" Bildschirm freuen. Ansonsten kämpft man sich durch sehr lineare Level von Punkt A nach B oder verteidigt gewissen Punkte vor heranstürmenden Gegnern, zumindest bis die Zeit abgelaufen ist. Oft gilt es mehrere Punkte gleichzeitig zu verteidigen, was nur mit einem gut abgestimmten Team möglich ist, aber naja, die KI. Der Alltagstrott ist weitestgehend ein typischer Actionbrei, der nur selten von richtig fesselnden Missionen unterbrochen wird. In einem dieser Momente kämpft man auf zwei Zügen, die nebeneinander fahren, erbitterte Schusswechsel auf engstem Raum sind die Folge. Ansonsten darf man sich auf die spektakulären Bosskämpfe gegen die riesigen Akriden freuen, was auch schon das einzige Alleinstellungsmerkmal von Lost Planet 2 ist, der Rest ist die übliche Action-Kost.
Lost Planet 2
Leider ist auch das einzigartige Schnee-Setting fast komplett gewichen. Nun kämpft man sich durch Dschungel, Wüsten oder Industriekomplexe, was leider völlig austauschbar ist. Doch wenn wenigstens das Missionsdesign stimmen würde. Abgesehen davon, dass zu oft Langeweile aufkommt, muss man sich mit vielen unfairen Stellen auseinandersetzen, vor allem wenn man mit der KI antritt. An einer Stelle muss man eine riesige Waffe laden, drehen, abkühlen lassen und abfeuern, wozu eigentlich mehrere Personen nötig sind. Leider unternimmt die KI nichts, weswegen man alles alleine erledigen muss. Im Online- oder Splitscreen-Koop (bei dem die Bildschirmausschnitte viel zu klein sind), sieht es natürlich ganz anders aus. Schade ist nur, dass man den Computer-Kollegen keine Befehle geben kann. Obwohl sie natürlich selbstständig losballern, nutzen sie in den seltensten Fällen Vital Suits oder andere fortgeschrittene Taktiken. Wenn man sich Lost Planet 2 kauft, muss man sich im klaren sein, dass man hier ein Multiplayer-Spiel in Händen hält.
