Das Schicksal meint es gut mit tri-Ace und beschert uns ein außergewöhnliches, wenn auch nicht einfaches RPG.
Fans japanischer Rollenspiele kommen in den ersten Monaten 2010 gewaltig auf ihre Kosten. Neben dem exklusiv für die Playstation 3 erschienenen "White Knight Chronicles" sorgte vor allem das SquareEnix-Flagschiff "Final Fantasy XIII" für ordentlich Furore. Optisch natürlich wie immer sehr reizend, doch spielerisch spaltete die finale Phantasie die Fangemeinde. Nun wirbt aber auch Altmeister tri-Ace, normalerweise im Bunde mit SquareEnix zu finden, nun aber unter dem Dach von SEGA auftretend, um die Gunst der RPG'ler. Doch ihr "Resonance of Fate" ist wohl mit Abstand das kreativste Rollenspiel, welches seinen Weg in den letzten Monaten in unsere Gefilde gefunden hat. Was hebt diesen Titel vom Einheitsbrei japanischer Werke ab und kann der Unterschied uns tatsächlich vollkommen überzeugen?
Resonance of Fate
Ist es unser baldiges Schicksal? Wollen die Entwickler uns mit "Resonance of Fate" visionär auf dem HD-Screen darlegen, welchem Unglück die menschliche Zivilisation entgegen strebt? Von der einstigen Welt, wie wir sie heute kennen und so mancher dank des ausgelebten Konsums zu schätzen gelernt hat, sind im Spiel nur noch verbrannte Überreste geblieben. Die Luft ist vergiftet, der Boden toxisch und selbstmörderisch und das Leben auf der Erde nicht mehr möglich. Die Menschheit verendete aufgrund übermäßiger Zerstörung der Umwelt und Ausbeutung der Ressourcen fast gänzlich. Nur wenige überlebten dieses Schicksal und fristen seit diesem Tag ihr Dasein im gigantischen Turmbau zu Basel. Dies hat nichts mit der Schweizer Stadt zu tun und erinnert uns nur geringfügig an biblische Interpretationen, doch auch dieses Mauerwerk reicht hoch in den Himmel hinaus und scheint gar religiösen Charakter zu besitzen!
Resonance of Fate
Das unglaubliche Bauwerk Basel wurde als experimentelles Lebenserhaltungssystem erschaffen, ist mittlerweile aber der alleinige Platz auf der Erde, an dem die Menschheit noch überleben kann. Unweigerlich wucherten Häuser, Bauten und gar Fabrikhallen wie Pilze am Stamm und bildeten mit der Zeit einen riesigen Platz auf etlichen Etagen einzig allein zum wohnen, arbeiten und leben. Je höher man kommt, desto besser sind nicht nur die optischen Aussichten, sondern auch der Lebensstandard. Dass es dabei zu einigen Diskrepanzen in der Bevölkerung kommen kann, dürfte einem jedem klar sein. Ziemlich übel wird es aber erst, als die gigantische Maschine aus unerklärlichen Gründen ihre Arbeit einstellt. Ihr schlüpft in die Rollen von Vasheron, Zephyr und Leanne und seit als PMF (Private Militär-Firma) tätig. Nach den ersten unscheinbaren Kundenaufträgen werden die Helden und Heldinnen mit der Zeit in eine weitreichende Intrige verstrickt, welche zugleich die verborgene Wahrheit über Basel zu Tage führen könnte!
Die bizarre Maschinenwelt
Resonance of Fate
Während die Geschichte zumindest theoretisch auf jedes andere Rollenspiel abgebildet werden könnte, sorgt allein das schön inszenierte Intro wie auch die Optik für einen vorab recht eigenwilligen Eindruck. Basel ist ein mächtiges, mechanisches Bauwerk und so zieren zahlreiche Pneumatiken, riesige und sich bewegende Zahnräder sowie farblich besehen viel Grau den Alltag der Bewohner. Es stecken auf dem ersten Blick zahlreiche Details in den Spielumgebungen und dank der etlichen Etagen und somit auch einem hierarchischem Klassenunterschied in der Bevölkerung findet sich dennoch eine willkommene Abwechslung. Stimmungsvoll wird die gesellschaftliche Schere zwischen arm und reich auch durch die mitreißenden Kompositionen des Soundtracks in eine gefällige Atmosphäre verwandelt. Völlig selten dagegen sieht man Pflanzen oder gar wunderschöne kunterbunte Blüten. Wenn doch, dürfte dies ziemlich sicher eine Fälschung sein, welche nicht nur die Einwohner von Basel in einer Illusion hält, sondern auch uns an das kostbarste Gut dieser Welt erinnert. Getrübt wird das Bild einzig allein durch stellenweise nicht ganz so ansehnlichen Texturen und ernüchternden Aussichten - was aber recht bald zur Nebensache wird!
Resonance of Fate
Inmitten dieser mechanischen Pracht findet ihr das Hauptquartier des dreiköpfigen Teams, welches Aufträge von ganz oben ausführt, diese aber mit der Zeit auch in Frage stellt. Die Erkundung der Ebenen auf fest vorgegebenen Pfaden dient nicht nur einem Erfahrungsaustausch mit den Bewohnern, die nicht selten von besseren Bedingungen träumen oder euch gerne auch mal mit passenden Nebenmissionen vertrauen, um heikle Dinge zu erledigen. Dabei sorgt sogar ein Tag/Nacht-Wechsel für einen gewissen Einfluss auf das Geschehen und wie sich gar ein Gespräch entwickeln kann. Während man recht routiniert in den Shops nach neuen Accessoires Ausschau hält, hier und dort ein paar heilende Mittel in den Rucksack packt und gelegentlich beim Schmid vorbei schaut, um die Waffen aufzupolieren, gilt die vorrangige Aufmerksamkeit der Gilde. Hier kann man sich neue Missionen am schwarzen Brett abholen. Das alleinige Betrachten der Aufgaben reicht schon aus, dass sie im Tagebuch nieder geschrieben werden, was zunächst etwas verwirrend sein kann. Weiterhin gilt es meist zunächst die entsprechende Person ausfindig zu machen, welche um Hilfe gebeten hat, bevor man sich in die weiter gefährliche Welt hinaus wagt und marode Fabrikhallen, dunkle Kraftwerke und von feindlichem, wenn auch skurril mechanischem Getier verseuchten Dungeons unsicher machen darf.
Resonance of Fate
Was vielen bei "Final Fantasy XIII" zu langsam vonstatten ging, wird den meisten bei "Resonance of Fate" ziemlich nüchtern auf den Magen schlagen. Ebenso verwirrend wie das Questsystem verläuft der Einstieg, denn Entwickler tri-Ace hielt nichts von einer ordentlichen Einführung in das doch recht ungewöhnliche und bisweilen recht komplexe Spielsystem. Ihr werdet geradezu ins kalte Wasser geworfen und dürft schauen, ob ihr innerhalb der ersten Spielstunden das rettende Ufer erreicht. Eine Arena, in der später ein paar Kämpfe ausgefochten werden, dient zwar als Tutorial, die Bildschirmtexte erläutern die Feinheiten des Kampfsystem und die Eigenheiten des Titels aber nur unzureichend! Nur wer selber ackert, wird nach zahlreichen Blessuren und regelrechten Blasen an den Händen die Früchte der Arbeit ernten und kapieren, wohin der Hase hoppelt!
