Sniper: Ghost Warrior im Gamezone-Test

Test Sandro Odak

Man könnte meinen, man krieche nur als oller Camper durch den Dschungel, aber Ghost Warrior kann so viel mehr!

Sie kriechen und schlängeln sich durch den Dschungel, liegen stundenlang im Matsch rum und ihre Hauptbeschäftigung ist eigentlich das Warten... Warten auf den richtigen Ort, die richtige Zeit und speziell auf die richtigen Feinde und das Warten, bis man Ihnen endlich eine Prise Blei entgegenballern darf. Was der (Anti-)Kriegsfilm Jarhead als dröge Wüstengeschichte verkauft, in der die beiden Protagonisten verrückt werden, weil sie trotz Konditionierung und Militarisierung keinen Schuss abgeben dürfen, können Konsolenspieler nun endlich nachspielen! Langes Warten und langweiliges "durchs hohe Gras kriechen" inklusive.

Sniper: Ghost Warrior Sniper: Ghost Warrior "One Shot... One Kill!" Das sagt einem schon das Cover auf der Rückseite. In Sniper: Ghost Warrior spielt man abwechselnd zwei Mitglieder einer Spezialeinheit, die im schönen Inselstaat Trueno den brutalen Militärapparat des gebrochen Landes mit viel Waffengewalt abschaffen sollen. Seit dem Sturz der demokratischen Regierung ist das Leben nämlich nicht leicht im Inselparadies, Drogenbarone und allen voran Militär-Diktator Manuel Vasquez unterdrücken die Bevölkerung nämlich wo es geht. Von einer fiktiven Weltregierung werden wir also geschickt, um den (fiktiven) Kleinstaat wieder rauszuputzen und von Krieg und Chaos zu befreien - fast schon heldengleich, diese Aufgabe...

Nicht nur für Camper - aber vor allem für solche!

Sniper: Ghost Warrior Sniper: Ghost Warrior Anders, als es der Name vermuten lässt, ist Sniper: Ghost Warrior kein reiner Snipertitel, wie es sie sonst zuhauf gibt. Stattdessen übernimmt der Spieler zwei Charaktere, einen richtigen Scharfschützen, der meist weit weg von der Action sein sollte und von guten Positionen aus den Feinden zusetzt und einen Elitesoldaten mit Sturmgewehr, der reingehen muss, wenn's für den snipernden Kollegen eng wird. Damit ist sind die Ghost Warrior eigentlich ein ganz normaler First Person Shooter, dennoch behauptet City Interactive ganz inbrünstig, Sniper: Ghost Warrior wäre das realistischste und intensivste Scharfschützenerlebnis. Realismus? Also doch Kriechen und stundenlages Warten?

Sniper: Ghost Warrior Sniper: Ghost Warrior Ja, zumindest zum Teil. Einige Snipermissionen laufen nämlich tatsächlich darauf hinaus, dass man möglichst im Liegen um feindliche Positionen herumkriecht, niemandem begegnet und sich schlussendlich im Schneckentempo einen Berg hochzuarbeiten, nur um von dort oben alle abzuknallen, denen man unten begegnet ist. Im Prinzip ist das spannend, von der Umsetzung her aber so fad ins Spiel gebracht, dass es spätestens nach einigen Minuten nervt. Schleichen schön und gut, aber muss ich das wirklich eine halbe Stunde machen, bevor ich einen Schuss abgeben darf?

Sniper: Ghost Warrior Sniper: Ghost Warrior Als Elitesoldat ändert sich das natürlich schlagartig, das Scharfschützengewehr wird mit einem salvenabgebenden Maschinengewehr ausgetauscht und es geht ab in den Nahkampf. Dabei offenbart sich aber, dass dieser Modus wohl erst spät ins Spiel kam, ein verpatztes Deckungssystem und eingeschränkte Bewegungsfreiheit lässt einen nämlich häufig, vor allem in engen Levelabschnitten, blöd dastehen. Auf einer Ölbohrinsel etwa sollen wir eine Kommunikationsanlage ausschalten; Weil aber Fässer und Rohre einen so engen Levelpfad bilden, dass der Soldat permanent mit der Waffe an die Wand schrammt und sie deshalb hochnehmen muss (und damit nicht schießen kann), stirbt es sich in solchen Abschnitten besonders gern und häufig.

Wechselhaftes Missionsdesign

Sniper: Ghost Warrior Sniper: Ghost Warrior Die Geschichte rund um Sniper: Ghost Warrior ist bestenfalls dünn, viel Hintergrundinfos bekommt man nicht, braucht man aber auch nicht. Trotz alledem ist City Interactive ein erstaunlich gutes Missionsdesign gelungen, das selbst den wenigen Inhalt, den das Spiel auf Storyebene bietet, toll verpackt. So konnte uns beispielsweise eine Mission begeistern, in der man zuerst als Sniper alle neuralgischen Wachpositionen ausschaltet, dann als Sturmsoldat die Basis einnimmt und bis zum Schluss der Mission die Rollen immer wieder an zwei unterschiedlichen Punkten der Karte wechselt. Das bringt Dynamik ins Spiel und fesselt emotional an die Protagonisten. Weniger toll: Als Spieler kriegt man Aufgaben per Funk mitgeteilt, hat man nicht zugehört oder die Technik mal wieder einen Aussetzer, steht man gerne mal doof da, ein Logbuch oder ähnliches gibt es nicht.

Sniper: Ghost Warrior Sniper: Ghost Warrior Dafür aber sehr wohl Checkpoints auf dem HUD, sodass man sich eigentlich kaum bis gar nicht verlaufen kann. Sie zeigen einem immer den Weg zum nächsten Ziel an, erzeugen aber dahingehend auch streckenweise langweilige Schlauchlevel, die entweder von Schleichpassagen unnötig in die Länge gezogen werden oder von Gegner durchsetzt sind. Ärgerlich: An solchen Stellen versagt häufig die Engine, sodass man beispielsweise Probleme hat über Wurzeln zu steigen oder an unsichtbaren Ecken festhängt. Das soll aber nicht das einzige Problem bleiben...

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