Das WWII-Setting ist zwar langsam ausgelutscht, doch die Technik von Wings of Prey kann sich durchaus sehen lassen.
Die Menschen beherzigen seit jeher den Spruch "höher, schneller, weiter". Mit diesem Grund lässt es sich auch erklären, dass, seit es Videospiele gibt, auch die Flugsimulationen zum guten Ton gehören. Allerdings sind sie in der jetzigen Zeit etwas seltener geworden und über die möglichen Gründe lässt sich streiten. Sei es dass sie zu komplex wurden oder einfach nur ein Overflow bei den Spielern stattgefunden hat. Dieses Manko der Spiele-Welt versucht der Russische Entwickler Gaijin Entertainment zu beheben, in dem sie eine neue Flugsim auf den Markt werfen, in der nicht nur das Herz der eingefleischten Simulationsfreunde sondern auch das der Action-Fans bedient werden soll.
Schon wieder
Wings of Prey
Des einen Leid, des anderen Freud ist die Wahl des Settings eines Spiels. Leider ist die Entscheidung wieder auf den 2. Weltkrieg gefallen, ein unser Erachtens schon zu häufig benutzter Hintergrund. Gaijin Entertainment befördert uns in ihrem IL2-Sturmovik Nachfolger an sechs verschiedene authentische Schauplätze des Luftkrieges in Europa. Als eine der bekanntesten dürfte für viele, die sich mit dieser Materie beschäftigen, wohl der Kampf um England herausstellen. Diese Schlacht erstreckte sich über den Zeitraum vom 9.Juli 1940 bis zum Mai 1941. Die Royal Air Force stellte sich den mächtigen Angriffen der deutschen Luftwaffe entgegen. Aber auch andere dramatische Kämpfe wie z.B. die Ardennen-Offensive oder der Angriff auf Berlin werden geneigte Spieler erleben dürfen. Leider ist das ganze Drumherum etwas zu steril dargestellt, so dass es keinen Unterschied macht ob man eine Einzelmission spielt oder eine Kampagne, da man auf Bezugspersonen oder eine Story, welche sich über die verschiedenen Einsätze hinweg zieht, gänzlich verzichten muss. Alles wird zwar authentisch zu den jeweiligen Luftangriffen in Szene gesetzt, aber leider wirkt alles sehr beliebig und nicht wirklich auf lange Zeit motivierend. Ein roter Faden, der sich durch das Spiel zieht, fehlt.
Über den Wolken ...
... muss die Grafik wohl Grenzenlos sein - oder auch nicht. Über jeden Zweifel erhaben sind sämtliche Flugzeuge, deren Darstellung wirklich sehr gut gelungen ist. Vom Cockpit bis zur Außenansicht wird alles sehr stimmig und optisch gelungen in Szene gesetzt. Angesichts der stattlichen Anzahl von über 40 verschiedenen Modellen stellt dies keine leichte Aufgabe dar. Wie es sich für einen Flugsimulator mit knackigen Dogfights gehört, können sich auch die Explosionen mit dazugehörenden Partikel-Effekten durchaus sehen lassen. Wenn man die Grafik beim Fliegen alleine betrachtet, kam ein wirklich erstklassiges Spiel zustande, aber nur solange man nicht zu dicht über den Boden fliegt. Dort offenbaren sich teils sehr grobe und schluderige Texturen. Leider ein Manko bei den meisten Flugsimulationen: Von oben schaut alles sehr gut aus, man sollte nur dem Boden der Tatsachen nicht zu nahe kommen! Das kommt aber in den meisten Fällen sowieso nicht vor. Nicht vergessen werden sollte auch das Schadensmodell der verschiedenen Flieger, welches ebenfalls als gelungen bezeichnet werden kann. Es dient nicht nur der optischen Kosmetik, sondern zeigt auch Auswirkungen auf das Flugverhalten. Verschiedene Ansichten, die aber je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad variieren, runden das optische Gesamtpaket ab.
Wings of Prey
Soundtechnisch wird schon fast Standartkost geboten. Das Repertoire reicht von kräftigen MG-Salven über krachende Explosionen bis hin zu den realistischen Motorengeräuschen jeder Maschine. Nicht außergewöhnlich, aber immerhin gut. Anders hingegen sieht es mit der Musikbegleitung aus, denn niemand geringerer als Jeremy Soule wurde verpflichtet, welcher sich mit Musik zu "Oblivion", "Guild Wars" oder auch "Dungeon Siege" einen Namen machte. Leider erreichen die Musikstücke von Wings of Prey nicht die Qualitäten der genannten Beispiele. Der Sound klingt zwar sehr atmosphärisch, aber es fehlt eine gewisse Leidenschaft in den Stücken, die den Soundtrack nicht aus der Masse hervorstechen lassen.
Fly away
Wings of Prey
Als besonderes Feature sollte man die drei verschiedenen Schwierigkeitsgrade erwähnen, welche es erlauben sollten für jeden Spieler das Passende zu finden. Angefangen vom Arcade- Mode, welcher als Standard eingestellt ist und es dem Einsteiger sehr einfach macht schon nach kurzer Flugzeit einige Erfolge verbuchen zu können. Diese Grundstufe ähnelt eher dem Flugverhalten von Spielen wie "Heroes over the Pacific", bei denen die Action im Vordergrund steht. Wer, entsprechendes Equipment vorausgesetzt, lieber sein Augenmerk auf eine anspruchsvollere Steuerung legt, sollte im Realistic-Mode beginnen. Hier muss man schon sehr viel Flugerfahrung mitbringen um die Luftkämpfe erfolgreich bestreiten zu können. Für alle Spieler die ohne Flugzeug nicht leben können und ihnen das Handling in Mark und Bein übergegangen ist, steht der Simulator-Mode zur Verfügung. Hier muss der geneigte Pilot in Spe auf sämtliche Spielhilfen wie Feindmarkierungen, Außenansicht und diverse andere Hilfsmittel verzichten. Diese Stufe ist aber auch nur den Spielern zu empfehlen, die auch den nötigen "Flightstick" ihr Eigen nennen. Ohne eine solche Hardware ist das Spielen unter solch Extrembedingungen praktisch nicht möglich. Laut Hersteller werden die Sticks von Thrustmaster und Saitek vom Spiel unterstützt. Wer es lieber locker angehen lassen möchte und auf Arcade spielt, kann auch gerne sein Joypad zu Hilfe nehmen. Entsprechende Einstellmöglichkeiten sind im Spiel vorhanden um auch z.B. das Xbox 360 Pad benutzen zu können. Voreingestellte Profile bei den Pads, um das anzusprechen, hätte es für den Spieler angenehmer gestaltet.
