Medal of Honor im Gamezone-Test

Test Sandro Odak

Eine enttäuschende Serien-Neuauflage, die nur auf dem PC gut aussieht. Einziger Lichtblick: Der gelungene Multiplayer.

Der Sprung aus der Vergangenheit in die Moderne ist ein Sprung von Nazis zu Taliban. Ansonsten hat sich am Krieg nicht viel geändert: Immer noch ist er schmutzig, es sterben Menschen egal ob schuldig oder unschuldig, und allen voran wird die Wahrheit begraben. Nun tendieren Videospiele dazu, ein heroisiertes Bild von Gefechten und Soldaten zu zeichnen, was in aktuellen Fall von Medal of Honor ein bisschen widerlich ist. Da werden die Mörder von "drüben" schon zu Helden verklärt, während der Konflikt noch brodelt. Oder eher hellauf brennt, je nach Sichtweise. Ob Medal of Honor nur reine Provokation ist oder spielerisch auch was auf dem Kasten hat, hat Sandro Odak getestet.

Als Tier 1-Einheit geht es durch afghanische Berge Als Tier 1-Einheit geht es durch afghanische Berge Mit den Angriffen auf die Zwillingstürme in New York beginnt alles. Das Terrorkarussell beginnt sich 2001 zu drehen, im Schnelldurchlauf wird am Anfang der Medal of Honor Kampagne Amerikas Weg in den War on Terror erzählt. Nachgespielt werden zwei aufeinanderfolgende Tage in Afghanistan sowie ein kurzer Prolog, jedoch aus der Sicht wechselnder Einheiten: Mal gibt man als Ranger Sniper-Unterstützung für die Eingreifteams, dann ist man wieder als AFO Wolfpack oder Neptune an forderster Front unterwegs oder fliegt als Helischütze Angriffe in der afghanischen Provinz.

Packende Inszenierung einer ganz durchschnittlichen Story

An manchen Stellen in Medal of Honor gibt es Luftunterstützung An manchen Stellen in Medal of Honor gibt es Luftunterstützung Die Geschichte beginnt in der Taliban-Hochburg Gardez, wo unsere Einheit sich im Prolog mit einem Spitzel namens Tariq treffen will, der Informationen zu Talibanstellungen in den Bergen haben soll. Es kommt natürlich, wie es kommen muss: Der Mann taucht nicht am Treffpunkt auf, an seiner Statt erwarten uns eine Handvoll bärtiger Taliban mit AKs und RPG-Werfern. Nachdem wir ihn mit viel Bumms und einigen Hundert Verlusten auf Seiten der Feinde finden, geht es in einem zweitägigen Angriff ins Shahikot-Tal, wo man nach und nach immer mehr Taliban-Stellungen aushebt, die uns Tariq verraten hat. Ein richtiges Ziel hat der Einsatz, der gehörig schief geht, aber nicht, die Geschichte stilisiert eher die komplett schiefgelaufene und gerne mal improvisierte Operation einiger Draufgänger zu einem Heldenepos auf. Denn: Als man schon am Abrücken ist, wird der Helikopter unserer Einheit abgeschossen, die Soldaten getrennt. Das ganze beruht halbwegs auf wahren Begebenheiten, bei Operation Anaconda starben im März 2002 insgesamt 15 US-Soldaten.

Medal of Honor - Announcement Trailer

Die belanglose Geschichte fußt streckenweise auf wahren Begebenheiten aus 2002 Die belanglose Geschichte fußt streckenweise auf wahren Begebenheiten aus 2002 Interessant ist, wie die Missionen zusammenspielen. Als Infanterist landet man mit Chinook-Helikoptern im Gebirge Afghanistans, als einer der fetten Helis mit RPG-Raketenwerfern vom Himmel geholt wird. Aus allen Ecken pfeifen nun Geschosse um den Spieler herum, man formiert sich, und soll das Tal sichern. "Aber vergewissert euch, dass sie wirklich Gewehre in der Hand haben. Wir sind nur hinter den Bösen her!" schreit der Kommandant einem rüber. Komisch, seit wann gibt es denn eine Bundeswehr-Mission... Einige Hundert Meter und fast ebenso viele tote Taliban später findet sich in der verwinkelten Bergidylle ein Dorf - natürlich voll mit Feinden. "Schießt auf alles, was sich bewegt!" Das klingt schon eher nach US-Truppen.

Medal of Honor Medal of Honor Später wird man eine MG-Stellung einnehmen, Luftunterstützung anfordern und sogar von einer ferngesteuerten Bombe ins Delirium gerissen; nur um mehrere Sekunden später, am Boden hinterhergeschliffen wieder aufzustehen, und sich einer Welle von Gegnern zu stellen. Respekt, die intensive Art und Weise zu erzählen haben die Macher nicht verlernt. Am Ende aber scheint man der Verzweiflung nahe: Flugzeuge sind gerade alle unabkömmlich, die Munition geht dem Team langsam aus... Bis zwei Apache-Helikopter um die Ecke fliegen, und die herannahende Welle Terroristen/Separatisten/Patrioten (im Endeffekt dasselbe) mit einigen Raketen in die Flucht zu schlagen.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk