Ein solider Titel mit abwechslungsreichem Aufbau und intuitiv zu bedienender Steuerung.
Die diversen "Tony Hawk"-Ableger, "Skate" bzw. "Skate it" und nun "Shaun White Skateboarding" - bei Spielen um das Brett mit den vier Rädern braucht sich wohl kaum einer wegen fehlender Abwechslung beschweren. Was allerdings für den Spieler gut ist, heißt für den Publisher nichts anderes als Konkurrenz und eigentlich auch geringere Absatzmärkte. Ubisoft ist das erstmal egal und bringt mit "Shaun White Skateboarding" eine komplett neue Franchise auf den Markt. Und die Franzosen wollen hiermit sicher keine Eintagsfliege produzieren - wenn alles stimmt, vor allem aber die Verkaufszahlen zufriedenstellen, dann kann man jetzt schon ziemlich sicher sein, dass "S. W. S." sich schnell zu einer in regelmäßigen Abständen fortgesetzten Reihe mausern wird. Aber stimmt die Qualität? Kann das Spiel auf PC, PS3, Xbox360 und Wii überzeugen und sich vielleicht sogar gegenüber der Konkurrenz absetzen? Board unter die Füße und ab in die Halfpipe ...
Es war einmal in einer Stadt...
"Wir schreiben das Jahr 2010. Ort: New Harmony. Hier lebst du, in einer Welt voller Ordnung, Disziplin und Ruhe. Du bist pflichtbewusst und folgsam, würdest nie gegen die Gesellschaft aufbegehren. Stattdessen bestimmt die Monotonie deines Ministeriumsjobs dein Leben, Tag für Tag, Woche für Woche. Doch dann geschieht etwas, es sollte dich, es sollte dein Leben verändern. Shaun White, der Ministeriumsfeind Nummer 1, wird verhaftet und du sollst ihn verhören. Plötzlich steht deine Welt, stehen deine Anschauungen Kopf, plötzlich zerbricht deine Loyalität zu den Machthabern, plötzlich ist alles verkehrt, was vorher so richtig war. Ordnung, Disziplin und Ruhe, Worte mehr aber nicht. Du schnappst dir ein Board, lässt alles hinter dir und begibst dich auf die Flucht."
Shaun White Skateboarding
Herzstück von "Shaun White Skateboarding" ist ein laut Publisher um die 15 Stunden langer Storymodus. In natürlich sehr oberflächlicher Erzählweise werdet ihr begleitet, wie ihr durch eure "Taten" eine zu Beginn farblose, triste und graue Stadt in ein blühendes, buntes und fröhliches Kleinod - vor allem aber Skaterparadies - verwandelt. Dabei seid ihr aber nicht allein. Die Widerstandsgruppe Rising, der ihr ziemlich schnell beitretet, stellt euch hilfreiche Kameraden zur Seite. Die wichtigste Person ist hierbei Jonah, der euch anfangs die Materie "Shaun White Skateboarding" näher bringt und später dann vor allem für das Erklären neuer Tricks zuständig ist. Ebenfalls öfter zu Gesicht bekommen werdet ihr Bob, der als Besitzer des hiesigen Skater-Shops natürlich bei Neuerwerbungen die Anlaufstelle "nummero uno" ist. Abgerundet wird die CPU-Gesteuerte Skaterscharr durch Francisco, JP, Snail und Lilly, alles natürlich Sportler der Extraklasse, die alle mit ganz speziellen Fähigkeiten glänzen können. Ihr selbst erstellt übrigens euer Alter-Ego komplett individuell. Den euch hierfür zur Verfügung gestellte Editor könnte man als soliden Standard bezeichnen. Gesicht, Kleidung, Board usw. ausgewählt und schon habt ihr den Charakter, der euch innerhalb von "Shaun White Skateboarding" digital vertreten soll.
Shaun White Skateboarding
Wie schon kurz dargestellt wurde, geht es beim Storymodus darum, die Umwelt, die Stadt und die Menschen, also praktisch alles, durch seine Aktionen zu verändern. Simpel ausgedrückt: Sinn ist es, bei seinen "Fahrten" durch die doch relativ große City immer mehr Bereiche mit Hilfe von spektakulären Tricks "einzufärben" oder durch witzige Aktionen ein Lächeln auf die meist sehr traurig dreinblickenden Passanten zu zaubern oder durch den Gewinn von bestimmten Events neue Areale frei zu schalten. Aber: Farbe und Freude ist das eine, neue Möglichkeiten das andere. Soll heißen, die Umgebung wird nicht nur bunter, sondern auch Skaterfreundlicher, wenn man das so ausdrücken will. Jeder Bereich, den ihr "befreit" habt, kann durch euch auch in seiner Beschaffenheit / seinem Aufbau verändert werden. Rampen, Schanzen, Halfpipes, Geländer und andere von Skatern geliebte Objekte wachsen aus dem Boden bzw. den Gebäuden und geben dem gerade noch tristen Areal ein komplett neues Gesicht.
Shaun White Skateboarding
Hier kommt nun das sogenannte Flow ins Spiel, die Punktewährung bei "Shaun White Skateboarding". Jeder noch so simple oder irre Trick bringt Flows aufs Konto. Je höher die Anzahl der Flows ist, umso größer ist der Einfluss - im Spiel wird das Einflussblase genannt - und desto mehr Möglichkeiten habt ihr die eingangs erwähnten Veränderungen an der Umgebung vorzunehmen. Natürlich könnt ihr euer Punktekonto einfach durch freies Skaten in New Harmony auffüllen, noch besser geht dies allerdings, wenn ihr euch auf der Stadtkarte die diversen Markierungen näher anseht. Dahinter verstecken sich dann zeitintensive Missionen, bei deren Erfüllung auch noch Bonis, wie etwa bessere Ausrüstungsgegenstände, winken, zeitlimitierte Herausforderungen, die in dem bekannten Gold-Silber-Bronze-Schema gegliedert sind, oder die hammerschweren Shaun-Herausforderungen, die einem mehr als ein Mal zur Verzweiflung bringen werden. Am besten sind allerdings die deutlich rarer verteilten Schatztruhen, denn hier muss man nichts machen und bekommt doch die volle Punkte- bzw. Goodie-Ausbeute.
Deutlich abgespeckter gibt sich dieser Storymodus übrigens auf der Wii. Zum einen kann man hier keinen Spieler selbst erstellen, sondern muss sich mit einen von vier vorgegebenen Standardcharakteren zufrieden geben, zum anderen beschränken sich die Events auf sogenannte Challenges, die nicht nur viel zu leicht zu meistern sind, sondern auch noch relativ häufig nach dem selben Muster ablaufen. Insgesamt gibt sich der Modus auf der Konsole von Nintendo, nicht zuletzt aufgrund des niedrigen Schwierigkeitsgrades, deutlich oberflächlicher - Stichwort Casual Game.
Shaun White Skateboarding
Auf allen Plattformen muss man sich allerdings damit abfinden, dass der Mehrspielermodus ziemlich übersichtlich, um nicht zu sagen mager, daherkommt. Über PSN und Xbox Live - dann immerhin mit bis zu acht Personen - oder per Splitscreen zu zweit könnt ihr euch im "Flow Duell", also einer Jagd nach den meisten Punkten, in einem Teamkampf "Ministerium gg. Rising" oder in einem "Form Battle" messen. Hierbei können neben dem Areal auch die Spieldauer eingestellt werden. Das war's - übrigens auch auf dem PC. Schwach? Ja, sogar richtig schwach - auf Dauer vor allem aber auch extrem langweilig. Deutlich weniger langweilig, allerdings nur, wenn man ohne eine Anbindung des World Wide Web auskommen kann, gibt sich da schon "Shaun White Skateboarding" für die Wii. Es gibt zwar wirklich keinen Online-Modus, dafür bietet die Umsetzung aber etwas mehr Auswahl bei den Offline-Mehrspielervarianten. Bis zu vier Spieler können sich in den durchaus witzig inszenierten Modi "Tricking", "Gemeinsames Überleben", "Tagging", "Satellitenschüsseln", "Staudamm-Tricking" und "Staudamm-Rennen" austoben.
