Monopoly für Laubbläser, Fuchtelfreunde und die Hosentasche. Geht gleich über Los, und lest unseren Test!
Die Versoftung eines Brettspiels mit dem globalen Beliebtheitsgrad der Marke Monopoly ist für die Controling-Abteilung im Hause Electronic Arts natürlich eine "g'mahde Wies'n", wie wir hier in Bayern zu sagen pflegen. Auf hochdeutsch: Ein sicherer finanzieller Erfolg. Laut allwissender Müllhalde (Wikipedia) In 103 Ländern verkauft, dabei übersetzt in 37 Sprachen, ist Monopoly einer der Brettspielklassiker schlechthin und erfreut sich seid bald 80 Jahren großer Beliebtheit. Da wird sich doch auch ein neues Videospiel für Freunde der Laubbläser (unsere XBOX360/PS3 gehören noch zur ersten Generation), der Fuchtelfreuden (Wii, wobei Monopoly Streets keinerlei irgendgeartetes herumwedeln unterstützt) und des Hosentaschenformats NDS prima verkaufen können, oder?
Monopoly
In seinem Kern ist Monopoly Streets auf allen getesteten Konsolen vor allen Dingen eins: Die absolut regelgetreue Umsetzung des Gesellschaftsspiels für den heimischen Bildschirm. Bis zu vier menschliche Spieler dürfen am Spielbrett um das große Geld zocken. Sind gerade mal zu wenig humanoide Gegner zur Hand, übernimmt gerne der Computer deren Rolle. Die Stärke der KI-Spieler ist in drei Stufen einstellbar und schlägt sich auf der höchsten Stufe leidlich wacker. Hier haben sich die Programmierer große Mühe gegeben, auch erfahrenen Monoply-Liebhabern "alone at home" eine Herausforderung zu bieten.
Neben den klassischen Monopoly-Regeln stehen dem Spieler eine ganze Reihe von Einstellungsmöglichkeiten für eine Partie nach ganz individuellen Regel-Vorlieben zur Verfügung: Man kann das Spiel zum Beispiel mit dem zufälligen Zuteilen von Grundstücken, niedrigen Voraussetzungen für den Hotelbau oder zusätzlichen Würfeln beschleunigen, wenn man nur wenig Spielzeit zur Verfügung hat.
Auf die Bestimmung der Mitspielerzahl und dem auswählen der Spielregeln kann man sich das Spielbrett aussuchen. Eine 3D-Spielumgebung (die namensgebenden "Monopoly Streets") oder der klassische 2D-Faltkarton stehen zur Verfügung. Weitere 2D-Spielbretter können freigespielt werden. Die 3D-Variante von Monopoly sieht auf XBOX360, PS3 und Wii recht gut aus - Spielfiguren, Häuser und Ereignisse wurden in nett anzusehende Grafiken und witzige Animationen umgesetzt, womit ein völlig neues "mittendrinn statt nur dabei"-Spielgefühl entsteht. Die klassischen Monopoly-Spielsteine sausen durch die bekannten Straßen, gewinnen mal auf dem Feld der Gemeinschaftskarte 20 Monopoly-Dollar für einen bestandenen Schönheitswettbewerb. Oder landen auch mal kurzerhand im Knast, wenn einen das Würfelglück mal im Stich lässt.
Monopoly
In der 3D-Ansicht macht Monopoly auch der reizgestählten Generation "Mario-Party" richtig Spaß - wer sich vom Grafikzuckerguß zu abgelenkt fühlt, wählt einfach das klassische 2D-Spielbrett aus, bei der die Animation sich auf die Bewegungen der Spielfiguren und der Würfel beschränkt. Lediglich auf dem NDS fehlt der 3D-Modus generell und weicht einer dezent animierten Darstellung des Spielgeschehens auf dem oberen Bildschirm. Die Musik ist auf allen Konsolen nicht der Rede wert und man freut sich über die Funktion, sie direkt abschalten zu können. Alle Dinge, die man so in der Brettspielversion von Monopoly treiben kann, von der Möglichkeit Grundstückskarten zu tauschen oder zu verkaufen, spannenden Versteigerungen, beleihen von Immobilien etc., finden sich auch in Monopoly Streets wieder. Beim spielen kann man eine ingame-Währung sammeln, mit der man im im Spielmenü eingebauten "Monopoly-Shop" Extras und neue Spielkartons erwerben kann. Die ganze Fülle der Spieloptionen (aber keine kritischen welchen) entfalten sich so erst nach und nach.
An den 1:1 umgesetzten Spielregeln gibt es nichts zu mäkeln. Allerdings springen spätestens nach den ersten paar Spielrunden die zwei großen Schwächen von Monopoly Streets ins Auge, die wir leider auch auf allen Konsolenplattformen wieder finden:
Problem Nummer eins: Wie die einzelnen Spielzüge abgefragt und auf dem Bildschirm umgesetzt werden, ist für ein Videospiel viel zu zäh geraten. Jeder Spielzug besteht aus würfeln, ziehen, Immobilienverwaltung - und jeder einzelne dieser Schritte muss seriell abgearbeitet werden. Bei menschlichen Spielern macht das noch Sinn, aber leider muss man auch bei Computergegnern jeden einzelnen kleinen Spielschritt abnicken. Eine Partie mit nur einem oder zwei menschlichen Spielern, um KI-Gegner ergänzt, verkommt schnell zu einer daumenfolternden Knöpfchen-Drück-Orgie. Der Spielfluss wird hier unnötig und ständig wieder unterbrochen. Man wünscht sich sehr schnell eine Funktion, um die Computergegner doch einfach schnell würfeln und entscheiden zu lassen, evtl. mit einem Journal, in dem man bei Bedarf einzelne Spielzüge einsehen und nachvollziehen kann. So aber wird man sehr bald des Knöpfchen-Drückens überdrüssig, und wartet von Runde zu Runde gelangweilt darauf, endlich wieder selbst mitspielen zu dürfen.
