Killzone 3 ist eine nahezu perfekt inszenierte Action-Orgie mit Referenz-Optik, die ruhig etwas länger hätte ausfallen dürfen.
Die Einleitung möchte ich ausnahmsweise dazu nutzen, mich ein wenig über die Namensgebung dieses hervorragenden Spiels zu beschweren. Spieltitel sind ja grundsätzlich eher weniger kreativ, doch eine solch plumpe Bezeichnung wie "Killzone" kommt selten vor. Dabei ist Killzone 3 alles andere als ein billiges Ballerspiel, es ist eines der besten Genre-Vertreter dieser Konsolen-Generation. Da möchte man die Tötungszone am liebsten gar nicht mehr verlassen. Leider ist es zu spät, um der Reihe einen neuen Titel zu verpassen.
A neverending story
Killzone 3
Die Geschichte von Killzone 3 setzt nahtlos da an, wo Killzone 2 endet. Der Spieler übernimmt erneut die Rolle des Sgt. Tomas "Sev" Sevchenko, der Teil der ISA Spezialkräfte ist. Nachdem Visari, der Anführer der Helghast, am Ende der zweiten Kampagne getötet wird, verfallen die Helghast in interne Streitereien und Kämpfe. Aber die Hoffnung auf Besserung ist nicht berechtigt. Visaris Platz nimmt nur ein weiterer Diktator ein, der nun eine mächtige Waffe in der Hand hält: Die Leidenschaft seiner Soldaten, den Tod ihres "geliebten Führers" zu rächen, der für sie als Märtyrer gestorben ist. Die Geschichte mag insgesamt wenig kreativ sein, doch die Zwischen-Sequenzen sind herrlich animiert und wurden mit echten Schauspielern digitalisiert. Ein wenig später erlebt man einen Zeitsprung von sechs Monaten, der den Kampf einiger versprengter ISA-Truppen zeigt. Und wir bekommen sogar Unterstützung eines hübschen Babes. Leider ist sie nur eine Randnotiz. Beziehungen werden nicht aufgebaut.
Killzone 3
Laut den offiziellen Angaben haben die Zwischensequenzen zusammengerechnet eine Länge von rund 70 Minuten. Ich habe zwar nicht die Zeit gestoppt, doch gefühlt waren es vielleicht 30 Minuten. Das ist aber nicht so wichtig, es ist jedenfalls mehr als im Vorgänger und die Helghast bekommen endlich ein Gesicht. Einmal mehr sehen sie eigentlich wie Space-Nazis aus. Ein hoher Funktionär der Helghast ist Adolf Hitler wie aus dem Gesicht geschnitten, inklusive Rotzbremse und passender Frisur, nur etwas dicklicher ist er. Ein anderer Charakter erinnert hingegen an Otto von Bismarck. Die deutsche Geschichte wurde beim Design demnach nicht nur für die Nazi-Zeit verwendet.
Je größer, desto besser!
Killzone 3
Killzone 3 erfindet das Shooter-Rad nicht neu, ganz im Gegenteil, Neuerungen sucht man vergebens. Dafür kann man ruhig behaupten, dass Killzone 3 ganz im Sinne von Michael Bay, größer, explosiver, lauter und einfach brachialer inszeniert daher kommt, eigentlich eine typische Fortsetzung. Während man sich in Killzone 2 noch zu einem sehr großen Teil durch die triste und graue Hauptstadt der Helghast bewegt hat, geht es in der dritten Runde weitaus abwechslungsreicher zur Sache. Neben den allseits bekannten Ruinen kämpft man sich durch einen fremdartigen Dschungel, eisige Schneelandschaften, eine moderne Waffenfabrik, einen Schrottplatz und sogar eine Raumstation. Optisch wird reichlich Varianz geboten, was jedoch auch für den spielerischen Part gilt.
Killzone 3
Die Schusswechsel sind nach wie vor intensiv, denn die Helghast agieren äußerst intelligent. Sie gehen clever in Deckung, versuchen von hinten anzugreifen und wechseln auch ihre Position, falls wir ihren Schutz wegballern. Helghast-Soldaten sind kein einfaches Kanonenfutter und treiben uns mit Granaten gerne aus Deckung, um das Feuer zu eröffnen. Zudem treten sie in mehreren Ausführungen an. Einige sind besser gepanzert, andere setzen auf tödliche Nahkampfattacken. Abseits dieser Begebenheiten setzen wir uns auch hinter das Geschütz eines Fahrzeuges und kämpfen uns durch das Schlachtfeld, greifen aus der Luft eine Bohrinsel an, bedienen erneut einen Mech und lassen Raketen sprechen oder absolvieren eine Stealth-Mission, in der wir ungesehen am Feind vorbei schleichen müssen, da er uns ansonsten sehr schnell zu Brei schließen würde. Sev setzt an dieser Stelle ausnahmsweise wie Sam Fisher auf verdeckte Angriffe. Das Nahkampfsystem wurde übrigens deutlich "brutalisiert". Da werden Kehlen aufgeschlitzt und Augen durchstochen, auf sehr detaillierte Art und Weise. In einer Sequenz darf man auch selbst ein Bodenfahrzeug lenken. Es gibt noch andere Beispiele für die Abwechslung in Killzone 3, doch ich will euch nicht die gesamte Überraschung verderben. Man kann dem Spiel jedoch ankreiden, dass diese "On-Rails"-Abschnitte deutlich zugenommen haben. Besonders cool ist das neue Jetpack, mit dem man von oben angreifen kann und von Plattform zu Plattform gleitet. Ebenfalls interessant sind die Gefechte in der Schwerelosigkeit, die deutlich behäbiger von statten gehen und ein Umdenken bei der Vorgehensweise erfordern. In jedem Fall muss sich Sev auch gegen einen gigantischen Gegner durchsetzen, doch schaut euch das am besten selbst an und staunt.
