Der Fluch der Osterinsel orientiert sich an den Rätselklassikern der alten Schule und macht seine Sache dabei verflucht ordentlich.
Was bringt die Augen von Adventure-Fans zum Leuchten? Richtig, ein Titel mit logischen Rätseln, Witz und das berauschende "Chakka"-Gefühl, wenn eine Puzzle-Nuss ganz ohne Hilfe geknackt wurde. So denn, Freunde des gepflegten Abenteuers, lasst euch nieder und lauscht meiner Mär, welche von einem Spiel berichtet, das dieses Wunder tatsächlich zu vollbringen vermag.
Zugegeben, ich stehe neuen Titeln dieses Genres grundsätzlich mit einer gewaltigen Portion Misstrauen gegenüber. Was sich heutzutage oft unter dem Deckmantel "Adventure" verbirgt, hat diese Bezeichnung selten auch wirklich verdient. Das Hochziehen meiner linken Augenbraue ist oftmals das Intensivste an Gefühlsregung, die ich anhand solcher Werke auszudrücken in der Lage bin.
Der Fluch der Osterinsel
Gut, ich räume ein, dass ich verwöhnt bin. Schließlich verbrachte ich meine Jugend an der Seite von Indy, Guybrush Threepwood und Simon, dem Sorcerer. Auch andere Perlen wie "Day of the Tentacle", "Sam und Max" oder "Discworld" hängen die Latte für Nachfolger sehr hoch. Ihr seht, es ist für ein armes, neues Adventure alles andere als leicht, mein Wohlwollen zu ergattern. Dabei stelle ich gar nicht mal so hohe Ansprüche. Abgesehen von logischen, abwechslungsreichen Rätseln, packender und witziger Story und gutem Gameplay erwarte ich lediglich noch vernünftige musikalische Untermalung und ansehnliche Grafik. Und ich muss zugeben, bei "Der Fluch der Osterinsel" aus dem Hause Independet Arts wurde ich nicht enttäuscht. Der offizielle Nachfolger von "Galileo Mystery - Die Krone des Midas" erschien nun rund ein Jahr nach seinem Vorgänger.
Der Fluch der Osterinsel
Die Geschichte beginnt mit einem Anruf, der unsere Hauptfigur Stephan in seiner Studentenbude erreicht. Der Museumsdirektor Keldermann schickt ihn und seine Kommilitonin und Ex-Freundin Jessica auf die Suche nach einem uralten Logbuch. Mit dessen Hilfe soll die legendäre Rongorongo-Tafel aus einem Wrack geborgen werden. Diese Tafel soll endgültig das Geheimnis der Osterinseln lüften. Doch kaum halten Stefan und seine Ex-Freundin Jessica das Logbuch in den Händen, wird es ihnen auch schon wieder entrissen. Eine wilde Jagd beginnt und führt die beiden durch die Welt. So werden auch St. Petersburg, Lima, Mumbai und nicht zuletzt auch die Osterinsel zu Orten des Geschehens. Selbst vor dem Meeresgrund schreckt unser Held nicht zurück, um dort mit unfreiwilliger Hilfe eines Hais endlich die heißersehnte Tafel zu bergen. Doch wie gewonnen, so zerronnen: Schon ist das Kleinod wieder weg und wir hasten den Bösewichten weiter hinterher, um zu guter Letzt das Geheimnis endlich zu lüften.
Doch der Weg dorthin ist gepflastert mit allerhand Rätseln und Minispielen. Dabei ist es häufig der Fall, dass man beide Charaktere abwechselnd steuern muss, um letztendlich ans Ziel zu gelangen. Um z. B. besagten Hai zu fangen, muss Jessica eine Attrappe basteln, Situationen vorbereiten und Stephan wichtige Informationen zukommen lassen. Diese benötigt er, um per Funk der Marine zu signalisieren, dass das Haiproblem gelöst wurde. Es kommt es öfter vor, dass man zwischen den beiden Charakteren switcht. Denn ohne Teamarbeit geht gar nichts!
Der Fluch der Osterinsel
Die Rätsel sind großteils abwechslungsreich und logisch. Sollte der Spieler doch einmal Probleme haben, kann er jederzeit Tipps einsehen. Diese sind in drei Stufen gestaffelt. Tipp eins und zwei sind lediglich Denkanstöße und Hinweise, wogegen bei Stufe 3 die gesamte Lösung des Problems vorgekaut wird. So haben auch Anfänger gleich mal Erfolgserlebnisse und Frustmomente kommen erst gar nicht auf. Wer also den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, kann sich Tipps holen, ohne gleich Spielspaß einbüßen zu müssen. Und die Profis würden sich ohnehin lieber die Hand abschlagen, als in die Lösung zu sehen, richtig? Zusätzlich kann man mit einem Tastendruck eine optische Hilfe aktivieren. Dadurch erscheint der Bildschirm in einem Nachtsichtgerät-Modus. Hier leuchten kurz alle Gegenstände auf, mit denen der Charakter interagieren kann. Aber auch ohne Lösung sind die Rätsel mit einem bisschen Nachdenken immer gut zu lösen.
Genregerecht handelt es sich um ein klassisches Point and Click Adventure. Daher sammelt man eifrig alles ein, was nicht niet- und nagelfest ist und kombiniert die Funde untereinander oder mit der Umwelt. So will z. B. ein Hund bekocht sein, um an seinen Kauknochen zu gelangen, oder die Fotos von Ahnen müssen richtig einsortiert werden. Zur Abwechslung tauchen auch kurzweilige Minispiele auf, die mit ruhiger Hand gewonnen werden wollen.
