Ein Spiel zum liebhaben, wie aus einer anderen Zeit, ohne übertriebene Gewalt und Hektik.
Es sind wahrscheinlich nur mehr die älteren Semester unter uns Zockern, welche noch die Comics von Hergé selbst in ihrer Jugend gelesen haben. Insgesamt 24 Abenteuer durften wir damals mit dem jungen Reporter und seinem schrulligen Freund Kapitän Haddock erleben, immer begleitet vom unglaublich intelligenten Foxterrier Struppi, der nichts mehr hasste als Katzen. Mit dem nun am 27.10.2011 in die Kinos kommenden Film wird das lustige Gespann zu neuem Leben erweckt, da darf das zugehörige Spiel natürlich nicht fehlen, welches wir für euch genauer unter die Lupe genommen haben. Dabei muss ich aber gleich zu Beginn anmerken, dass ich den Film nicht kenne, ich gebe in folgendem Text also rein meine Erfahrungen mit dem Spiel wieder, ohne einschätzen zu können, wie sehr sich die erzählte Geschichte mit dem Kinofilm deckt.
Die Abenteuer von Tim und Struppi: Das Geheimnis der Einhorn
Die Geschichte beginnt auf dem Flohmarkt, wo Tim von Struppi auf ein altes Schiffsmodell der "Einhorn" aufmerksam gemacht wird, an dem aber nicht nur er Interesse zu haben scheint. Schnell stellt sich heraus, dass sich in dem Modell etwas verbirgt, ein Teil des Geheimnisses rund um einen Schatz. Auf der Suche nach diesem bereisen wir ab sofort diverse Orte auf der Welt, eben ganz so wie man es von einer richtigen Abenteuergeschichte erwarten kann. Es erwarten uns spannende Szenen auf See, im Flugzeug und nicht zuletzt auch in der Wüste und in einem prächtigen Schloss, welchem noch eine ganz besondere Rolle zukommen soll. Dabei bemerken wir aber auch, dass sich Tim & Struppi etwas der Neuzeit angepasst haben, denn obwohl Kapitän Haddock permanent mit roter Nase herum läuft und schwarze Augenringe hat, sieht man den Seebären nie etwas trinken, obwohl wir doch wissen wie sehr er dem Alkohol in den originalen Geschichten zugesprochen hat. Aber so wie Lucky Luke keine Zigarette mehr im Mund hat, so trinkt Haddock nun nicht mehr.
Die Abenteuer von Tim und Struppi: Das Geheimnis der Einhorn
Das Gameplay beschränkt sich in den meisten Szenen auf zwei Dimensionen, nur selten dürfen wir auch in die Tiefe laufen, meist um vor jemandem zu flüchten. Dieses 2D-Gameplay weist frappierende Ähnlichkeit mit dem aus Prince of Persia auf, denn Tim kann sich abrollen, Zick-Zack-Sprünge zwischen Mauern vollführen und sich an Seilen oder Haken festhalten und schwingen. Dazwischen reihen sich diverse Kampfszenen ein, die man auf verschiedenste Arten lösen kann. Die gefährlichste ist den direkten Angriff mit der Faust zu wählen, wobei wir natürlich nie jemanden töten, sondern ausschließlich richtig Comic-like ausknocken, auf dass ihnen die Sterne um die Köpfe kreisen, was von lustigen Glocken- und Zwitschergeräuschen untermalt wird. Intelligenter aber ist es die Umgebung zu benutzen um die Widersacher auszuschalten. So können wir ihnen diverse Dinge an den Kopf werfen, Bananenschalen auf dem Boden legen oder Kronleuchter von der Decke fallen lassen, womit sich auch gleich mehrere Bösewichter auf einmal ausschalten lassen. Besonders witzig sind die Ritter, denn in ihrer Rüstung können sie sich kaum mehr bewegen und torkeln eher durch die Level, sind aber dank ihres Schutzes nicht angreifbar. Es geht also darum, sie erst einmal aus der Rüstung zu bekommen, indem wir ihnen irgendetwas auf den Kopf fallen lassen, sie zum Absturz bringen oder auf einer Banane gegen die Wand rutschen lassen. Ist man besonders geschickt, kann man all diese Aktionen miteinander verknüpfen und beispielsweise mit einem einzig gut geworfenem Ball einen kompletten Level leer räumen. Genauso witzig wie effektiv ist es einem Gauner einen Topf aufzusetzen, woraufhin dieser wild um sich zu schlagen beginnt und auf diese Art gerne seine Kollegen ausschaltet.
Die Abenteuer von Tim und Struppi: Das Geheimnis der Einhorn
Neben diesen Sequenzen kommt immer mal wieder Struppi zum Einsatz, der nicht nur für Tim unsichtbare Spuren erschnuppern kann, er ist auch in der Lage versteckte Schätze zu finden oder in Gebäuden in enge Gänge zu schlüpfen, in die Tom nicht passt. Die einzigen Feinde Struppis im Spiel sind leider nicht die Katzen, ich glaube es gibt keine einzige davon im Spiel, sondern die Ratten. Diese greifen grundsätzlich im Rudel an und versuchen Struppi zu beißen. Dagegen wehren kann er sich mit lautem Bellen, was nicht nur nützlich ist, sondern auch Spaß macht. Damit aber der Abwechslung nicht genug, mehrmals steigen wir auch ins Flugzeug, durchfliegen stürmische Unwetter oder erwehren uns der Angriffe der Bösewichter oder rasen auf dem Motorrad mit Kapitän Haddock im Beiwagen durch die Wüste. Zusammengehalten wird das ganze durch schön gestaltete Cutscenes und einer durchaus gelungenen deutschen Synchro, die Haddock fleißig fluchen und Tim bedacht rätseln lässt.
Die Abenteuer von Tim und Struppi: Das Geheimnis der Einhorn
Apropos Rätsel: Die gibt's im Spiel natürlich auch, entweder in Form von Level-Herausforderungen, wo es darauf ankommt herauszufinden wie man weiterkommt, besonders zum Schluss gibt es da zwei witzige Einfälle bei denen wir das Feuer der Fackeln geschickt einsetzen müssen, und in Form von Bilderrätseln. Doch für die Rätsel gilt was auf das ganze Spiel zutrifft, sie sind sehr leicht ausgefallen und alle auf Anhieb zu lösen. Um genau zu sein, habe ich schon lange kein Spiel mehr gespielt, welches so wenig fordernd ist, was aber nicht bedeutet, dass es keinen Spaß gemacht hätte. Allerdings war das Vergnügen auch etwas kurz, die Geschichte rund um das Einhorn hat man in vier bis fünf Stunden locker durch, dann aber wirklich das Gefühl auch ein Abenteuer erlebt zu haben.
