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Golden Sun: The Lost Age

Gameboy Advance Userreview von denjuandemarco (07.01.2007)

RPG-Tabellenführer

Überzeugen konnte der Gameboy Advance im Laufe der Zeit eigentlich immer mehr. Woran sich so manches Handheld-System der heutigen Zeit nämlich eine ordentliche Scheibe abschneiden sollte, kam erfreulicherweise bei Nintendos damaligem Winzling immer mehr ans Tageslicht: Innovation. Ja wirklich, mitnichten wurden massig uralte Videospiele müde auf den GBA umgesetzt – zumindest nicht nur – sondern es erschienen in steter Regelmäßigkeit echte Perlen. So geschehen auch im Fall von „Golden Sun“, das zum unumstrittenen Spitzenreiter im Reich der Rollenspiele avancierte. Was uns Camelot in Zusammenarbeit mit Nintendo als Endprodukt präsentieren konnte, war derart überwältigend, dass man sich zuweilen verwundert die Augen reiben und sich fragen durfte, ob wir es denn wirklich „nur“ mit einem GBA-Titel zu tun hatten. In nahezu sämtlichen Bereichen, die einen Top-Hit ausmachen sollen, wurde Herausragendes geleistet, umso größer war die Bürde für den Nachfolger. Aufgrund der hochgesteckten Erwartungen war es mit einem „guten“ Spiel weiß Gott nicht getan, es musste einfach noch mehr kommen. Und was geschah letztlich? Tatsächlich, „auch Golden Sun 2“ garantiert Rollenspielern ein fantastisches Spielerlebnis und zieht sogar am grandiosen Vorgänger vorbei. Was bei vielen zweiten Teilen nicht unbedingt zu erwarten ist, ist hier der Fall: wir haben es erneut mit einem Kracher zu tun, an dem es kaum etwas auszusetzen gibt.


Das Abenteuer geht weiter

„Golden Sun – Die vergessene Epoche“ (so nämlich der volle Name dieses zweiten Teils) knüpft direkt an die Handlung des Vorgängers an. Wer diesen nicht kennen sollte, kommt zwar auch halbwegs zurecht, allerdings entgeht ihm einiges im Hinblick auf die zahlreichen Dialoge, die geführt werden, wir feiern mit der ein oder anderen Spielfigur des ersten Teils nämlich ein freudiges Wiedersehen. Stand Isaac mit seinen Freunden im ersten Teil im Blickpunkt, so stoßen wir in „Golden Sun 2“ erst später wieder auf ihn. Als fanatische Anhänger der Zauberei perfektionierte die junge Heldentruppe ihre Künste immer mehr und machten schließlich voller Selbstbewusstsein Jagd auf die beiden üblen Obermotze Saturos und der Hexe Menardi, um deren finsteren Plänen einen dicken Strich durch die Rechnung zu machen. Diese waren (natürlich) – wie bei Fieslingen so üblich – von der Idee besessen, unseren Planeten in ein Höllenchaos zu verwandeln, dabei vertrauten sie auf die Kraft der vier Leuchttürme, die einer antiken Zeit entstammen. Jene Energiequelle galt es zu zerstören, was ihnen bei zwei Exemplaren schließlich auch gelang. Jenna machte dabei im wahrsten Sinne des Wortes einen sehr unglücklichen Abgang und stürzte mit ihrer heimlichen Liebe namens Felix in die Tiefen des Ozeans. Letzteres hört sich wahrscheinlich wildromantisch an, nun ja. Der Übergang vom ersten Teil zu diesem zweiten hier ist jedenfalls fließend.


Vorgeplänkel

Wieso ich Euch speziell über jenes Paar erzähle? Ganz einfach, sie bilden das Star-Duo zu Beginn dieses zweiten Teils. Selbstverständlich haben wir es dabei primär auf die verbliebenen zwei Türme abgesehen, um dem Spuk endgültig ein Ende machen zu können. Keine Sekunde wird gezögert und ehe sich unsere Helden versehen, sind sie schon wieder mittendrin im Kampfgetümmel. Ein umfangreicher Prolog führt uns übrigens netterweise zu Beginn des Abenteuers noch einmal in die wichtigsten Dinge, die in der Vergangenheit geschahen, ein. Dies ist sehr hilfreich, doch trotzdem könnte im weiteren Verlauf des Abenteuers die ein oder andere Frage offen bleiben. Wenn es Euch möglich sein sollte, spielt lieber zunächst den ersten und dann erst diesen Teil, allerdings dürft Ihr für beiden Teile jeweils 40 bis 50 Stunden einplanen. Echte RPG-Freaks, die das ewige Kämpfen zwecks Auflevelns der Charaktere einfach nicht lassen können, bringen es aber auch locker auf 20 bis 30 Stunden mehr, so auch geschehen in meinem Fall. Der Spielumfang ist jedenfalls top.


Rundenbasierte Fantasy-Action

„Golden Sun 2“ ist ein Fantasy-Rollenspiel, so dass es nicht verwunderlich ist, dass die Magie eine herausragende Rolle spielt. Hier sind es speziell Djinns, welche eine große Bedeutung innehaben. Diese gilt es aufzuspüren und im Laufe der Zeit aufzumotzen, denn diese verbessern nicht nur unsere Basischarakterwerte, sondern ermöglichen es uns in den Kämpfen auch, sowohl physische Spezialattacken als auch mächtige Beschwörungszauber auszuführen. Sie sind quasi das Salz in der Suppe dieses rundenbasierten Rollenspiels. (Echtzeit-)Hektik kommt somit nicht auf, da jede Figur – je nach ihren Fähigkeiten – in einer bestimmten Reihenfolge brav nacheinander an die Reihe kommt.


Geschichte mit Tiefgang

Wer „Golden Sun“ liebte, wird sich auch von diesem zweiten Abenteuer blitzschnell verzaubern lassen. Insbesondere der Einstieg wird dann kinderleicht ausfallen, da in punkto Menüführung und Spielablauf überhaupt nichts geändert wurde. Wieso auch? Gab der Vorgänger ja schließlich so gut wie gar keinen Anlass zur Beschwerde. Auch hier wachsen einem im Übrigen sämtliche Hauptcharaktere innerhalb kürzester Zeit ans Herz, da sie über eine hohe Individualität verfügen und sich jede Menge zu erzählen haben. Letzteres ist übrigens dann doch ein Unterschied zum ersten Teil: hier wird gequatscht ohne Ende, was Rollenspielern allerdings nur recht sein dürfte. Die deutsche Übersetzung ist dabei hervorragend gelungen und bringt den massig enthaltenen Humor sehr gut rüber. Was ja nun wahrlich nicht selbstverständlich ist, umso erfreuter nehmen wir die angenehme Synchro zur Kenntnis, keine Frage. Ab und an vergehen jedenfalls locker über 10 Minuten am Stück, die Ihr mit dem Lesen der Dialoge beschäftigt seid, so dass Ihr Euch darüber im Klaren sein solltet, dass Ihr sehr viel Wert auf das Erzählen der Handlung gelegt wird. Dies ist aber sehr zu begrüßen, da wir es zum Glück mit einer abwechslungsreichen und überaus spannenden Story zu tun haben. Übrigens stehen uns auf gestellte Fragen des Öfteren zwei bis drei Antworten zur Verfügung, insofern wir eine freiere Auswahl haben, was wir unseren Gesprächspartnern sagen möchten. Der Haken bei der Sache: auf den Spielverlauf hat dies leider keinerlei Einfluss, dieser bleibt streng linear.


Perfekte Handhabung

Eine der vielen Stärken von „Golden Sun“ war die sehr gute Menüführung und Steuerung der Charaktere und so ist es auch zum Glück auch beim Nachfolger „Die vergessene Epoche“: auch diejenigen unter uns, welche den ersten Teil (noch) nicht kennen, werden sich nach einer sehr kurzen Eingewöhnungsphase nicht nur blitzschnell zurechtfinden, sondern sich zugleich außerordentlich wohl fühlen. Dies ist beachtlich, da es sich im vorliegenden Fall keineswegs um ein schlichtes bzw. variantenarmes Rollenspielabenteuer handelt, ganz im Gegenteil, es ist komplex und bietet uns eine erstaunliche Fülle an Möglichkeiten. Hier gibt es ebenso wenig zu meckern wie im Hinblick auf die Kamera, welche in einem 2D-Abenteuer wie diesem allerdings auch nicht so wahnsinnig schwere Arbeit zu verrichten hat. Aber – und dies ist ein echtes Highlight – in den rundenbasierten Kämpfen trumpft diese ganz gewaltig auf: es wird blitzschnell von der (ansonsten vorherrschenden) Vogelperspektive in eine spektakuläre Pseudo-3D-Ansicht geschwenkt, herangezoomt und die Charakter beim der Ausübung ihrer (physischen wie magischen) Attacken effektreich begleitet. Eine solche Dynamik hätte ich bei einem GBA-Spiel niemals vermutet, hier wird definitiv Großartiges geleistet.


Masse und Klasse

In „Golden Sun 2 – Die vergessene Epoche“ wird aber nicht nur pausenlos gequatscht und gekämpft, es kommen weitere Elemente hinzu, welche den Spielverlauf richtig abwechslungsreich machen, vereinzelte Hüpfpassagen über Abgründe hinweg und über kleine Platten inmitten einer glühend-heißen Lavalandschaft sind ebenso mit von der Partie wie zahlreiche Knobeleinlagen, die in der Regel aus Schieb- und Schalterrätsel bestehen und mitunter eine echte Kopfnuss darstellen. Primär wird natürlich trotzdem der Schwerpunkt auf eine spannungsgeladene und schön erzählte Story und die spektakuläre rundenbasierten (Zufalls-)Kämpfe gelegt. Letztere sind sicherlich Geschmackssache und können mitunter am Nervenkostüm zehren, da ein längerer Laufweg von Punkt A zu Punkt B zigfach unterbrochen wird. Viele Rollenspieler sehen über die etwas zu häufigen Kämpfe aber in der Regel gnädig hinweg, da sie heiß auf die zu gewinnenden Erfahrungspunkte sind, schließlich gilt es, die wichtigen Djinns weiter aufzumotzen, versteht sich. Angesichts der sehr großen Oberwelt ist die Anzahl der Kämpfe gewaltig hoch, in Verbindung mit den vielen und vor allem ab und an sehr langen Gesprächen dürft Ihr Euch darauf gefasst machen, 40 bis 60 Stunden (mindestens) mit diesem RPG zu verbringen. Zweiter kleiner Negativpunkt an dieser Stelle: es gibt nicht nur etliche Zufallskämpfe, sondern wir verlaufen uns regelmäßig bzw. wissen gar nicht genau, wo es weitergeht, sollten wir nicht stets genau aufpassen, was in den langen Dialogen erzählt wird.


Sensationelle Grafik

Die Krönung des Ganzen finden wir bei der Präsentation vor. Sowohl die grandiose Optik als auch die sehr gelungene Soundkulisse gehören zum Besten, was der Gameboy Advance überhaupt zu bieten hat. Auf der Oberwelt erblicken wir eine ähnlich knallbunte Farbgebung wie in den Städten und auch Dungeons. Die Figuren sind allerdings vergleichsweise klein und verfügen weder über eine auffallend detaillierte Modellierung noch über spektakuläre Animationen. Niedlich sehen sie aber trotzdem aus, zumal ihre variierende Mimik in den ellenlangen Gesprächen – je nach Gemütslage - ersichtlich ist. Ganz anders sieht es dann in den Kämpfen aus, hier zeigt die Grafik ihre ganze Pracht. Beeindruckende Animationen und sensationell in Szene gesetzte Beschwörungszauber (durch das Herbeirufen der Djinns, die uns zur Hilfe eilen) werden von einer sehr dynamischen Kamera begleitet und sorgen für ein herausragend mitreißendes Spielgefühl. Grafikfehler findet Ihr nirgends, vielmehr erblicken wir ein Feuerwerk an Spezialeffekten. Offensichtlich haben wir es in diesem Punkt mit einer Meisterleistung zu tun.


Stimmungsvoller Sound

Der Soundtrack befindet sich auf einem ähnlich hohen Niveau, reicht aber (natürlich) nicht ganz an die bombastische Grafik (im Kampf) heran. Abwechslungsreiche Melodien – dramatische, fröhliche als auch dezente - nehmen wir sehr gerne zur Kenntnis, zumal diese speziell bei einem Rollenspiel sehr wichtig sind, die jeweilige Atmosphäre gut unterstützen müssen. Insbesondere bei „Golden Sun 2 – Die vergessene Epoche“ mit seinen ewig langen Dialogen ist es wichtig, dass keine monotonen Passagen auch in akustischer Hinsicht eintreten, um Gähnattacken zu vermeiden und die Spannung auf einem konstant hohen Level halten zu können. Zu erwähnen sind schließlich die sehr gut implementierten Soundeffekte, die kaum Wünsche offen lassen. Die Kampfgeräusche sorgen für zusätzliche Atmosphäre und sorgen dafür, dass der Adrenalinspiegel schön weit oben bleibt. Nicht nur hinsichtlich der Präsentation wirkt alles bei „Golden Sun 2 – Die vergessene Epoche“ wie aus einem Guss, aber in diesem Punkt eben ganz besonders.


Sehr viele Höhen und sehr wenig Tiefen

Die beiden Teile von „Golden Sun“ stehen auf Platz 1 und 2 der Rollenspiel-Rangliste und lassen die Konkurrenz mächtig alt aussehen. Ähnlich wie im Fall der beiden Abenteuer von „Fire Emblem“ auf dem Gebiet der Rundenstrategie existieren auch im RPG-Genre Welten zwischen den ersten beiden Plätzen und „dem Rest“. Die Tabellenführung darf die „Die vergessene Epoche“ jedenfalls für sich beanspruchen und kann somit den Vorgänger tatsächlich noch toppen.

Nur sehr wenige Punkte schmälern den exorbitant guten Eindruck dieses Rollenspiels, die allerdings trotzdem unbedingt erwähnt werden sollten: die Anzahl der Zufallskämpfe kann auf Dauer schon nerven, da man an manchen Stellen doch lieber schneller weiterkommen möchte und zu jenem Zeitpunkt zumindest sich nicht mehr dafür wahnsinnig viel Erfahrungspunkte einsacken kann. Dass die Dialoge teilweise extrem lang sind und mehrere Minuten lang durchgeklickt werden müssen, dürfte auch nicht jedem von uns schmecken, allerdings schätze ich, dass gerade Rollenspieler im Falle des Vorhandenseins einer spannenden (und zudem wie hier humorvoll erzählten) Geschichte dagegen nichts einzuwenden haben. Schließlich – und dies ist der dritte und meiner Erinnerung nach letzte Negativpunkt – kommt es öfters einmal vor, dass wir nicht mehr genau wissen, wo es weitergeht. Zwar hätte das zumeist vermeiden werden können, wenn man bei den Dialogen besser aufgepasst hätte oder besser noch sich kurz Notizen gemacht hätte, doch eine kleine Rubrik in Form eines Tagebuchs oder etwas Ähnlichem im Menü – wie es bei manchen Spielen ja vorzufinden ist, ich erinnere mich jetzt spontan an „Tales of Symphonia“ für den Cube – wäre hier sehr hilfreich gewesen.

Nun aber genug der Kritik, denn die positiven Aspekte sind hier bei „Golden Sun 2 – Die vergessene Epoche“ geradezu überwältigend: eine hübsche knallbunte Optik in der Oberwelt und einfach berauschend in Szene gesetzte Kämpfe, die von einer exzellent dynamischen Kamera begleitet werden, fallen im wahrsten Sinne des Wortes als Erstes ins Auge. Die Fantasy-Atmosphäre ist angenehm dicht und nicht zuletzt die sehr sympathischen Charaktere schließen wir schnell ins Herz. Die Story ist zudem absolut spannend und wird durch sehr viele oft humorvolle Gespräche weitererzählt. Die deutsche Übersetzung ist dabei ähnlich stark wie die atmosphärische Soundkulisse, welche deutlich macht, was auch auf dem GBA in akustischer Hinsicht eigentlich alles so möglich ist. Der Spielumfang ist enorm, je nach Talent und je nach Lust und Laune ist eine Spielzeit von über 60 Stunden keine Seltenheit. Gefallen haben mir die oftmals fordernden Kämpfe, die uns ab und an die Schweißperlen auf die Stirn treiben, aber niemals unfaire Elemente erkennen lassen. Schließlich können wir uns im Hinblick auf die Spieltechnik null beklagen, denn nicht nur die Kamera, sondern auch Steuerung und Menüführung sind exzellent. „Golden Sun 2 – Die vergessene Epoche“ ist ein Spitzentitel, ja sogar mehr als das, er ist die Nummer 1 in der Rollenspiellandschaft.


Story: 9,5 / 10
Gameplay: 8,5 / 10
Grafik: 9,0 / 10
Sound: 8,5 / 10
Steuerung: 9,0 / 10
Schwierigkeitsgrad: 6,5 / 10
Langlebigkeit: 8,5 / 10

Spielspaß insgesamt: 93%




Grafik9
Sound9
Steuerung10
Gameplay9
9,3
Sehr Gut!
Negative Aspekte:
Sehr viele Zufallskämpfe, linearer Spielverlauf, manchmal verlaufen wir uns (trotzdem), extrem lange (mehrere Minuten andauernde) Dialoge nicht jedermanns Sache

Positive Aspekte:
Top-Grafik, fantastische Beschwörungszauber, sehr dynamische Kamera, spannende Story, sehr sympathische Figuren, humorvolle Dialoge, gute deutsche Synchro, gelungener Sound, hervorragende Steuerung, Spieldauer, Suchtfaktor

Infos zur Spielzeit:
denjuandemarco hat sich 20-100 Stunden mit diesem Spiel beschäftigt.
Rechtliches:
Dieses Userereview wurde von unserem Mitglied denjuandemarco erstellt und stellt dessen persönliche Meinung dar. Sollten durch diese Veröffentlichung Rechte Dritter verletzt werden, haftet der Schreiber dieses Reviews. Gamezone übernimmt keinerlei Haftung für Inhalt, Vollständigkeit, Richtigkeit, Links etc.



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Details Titel:
Golden Sun: The Lost Age
System:
Gameboy Advance
Publisher:
Nintendo
Developer:
Camelot Co. Ltd.
Genre:
RPG

Release: 17.09.2003
Spieler: 1 Spieler
Version: DE

Freigegeben ohne Altersbeschränkung

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