Vorzeige-Arcade-Racer
Anfang der Neunziger konnte die Firma Gremlin Graphics aus Sheffield mit diesem Arcade-Racer, der von Magnetic Fields Software Design erdacht wurde, einen ihrer kommerziell erfolgreichsten Titel verzeichnen.
Der Titel schlug ein wie eine Bombe, und das nicht nur in England, wo die Lotus plc angesiedelt ist, sondern auch Fans aus anderen Ländern fanden zurecht ihren Spaß an diesem fulminanten, unkomplizierten Autorennen.
Das generelle Ziel des Spiels ist die Qualifikation für die Lotus License, die nur an die Fahrer vergeben wird, die alle 32 Strecken gefahren sind und in der Endabrechnung einen der vorderen Tabellenplätze belegen. Mehr zur Lotus License später am Ende.
Um dem Spiel einen weiteren kleinen Anreiz zu bieten, hat man die Namen der Kontrahenten an namhafte Fahrer aus der Formel Eins angelehnt. Die Tatsache, daß man keine offizielle Formel Eins Lizenz hat und daher nicht die richtigen Namen der Kontrahenten benutzen darf, wird auf witzige Art und Weise gelöst, indem die Namen durch ähnlich klingende ersetzt werden, dadurch bekommt man “die Kurve”, beispielsweise finden sich Namen wie Nijel Mainsail, Ayrton Sendup, Nelson Pickets (Nelson Piquet), T. Hairy Bootson (Thierry Boutsen), Crashhard Banger (Gerhard Berger), Ricardo Pastry (Ricardo Patrese), M. Carburettor (Michele Alboreto), Mickey Louder (Niki Lauda), James Haunt (James Hunt), Alan Phosphate (Alain Prost), Rissole Brooks (Tony Brooks?). Sehr sympathisch und mit typisch britischem Wortwitz gelöst.
Es sollte einen nicht verwundern, daß gerade Nigel Mansell sich bei den Rennen als der schärfste Konkurrent um die Plätze herausstellt, schließlich sind die Programmierer Briten.
Nach der Titelmelodie und einigen beeindruckenden Grafiken zum Rennboliden gibt es im Anfangsbildschirm eine kurze Erläuterung der Steuerungsvarianten.
An dieser Stelle gleich der Hinweis, daß man unbedingt die manuelle Schaltung wählen sollte. Die automatische Schaltung ist zwar bequem und verlockend, hat aber bei einem eventuellen Crash im Rennen den entscheidenden Nachteil, daß man beim Wiederanfahren nicht in den ersten Gang runtergeschaltet wird, sondern sich im fünften langsam hochkrebsen darf.
Daher: Finger weg von der Automatik, Handschaltung ist angesagt.
Nach erfolgter Auswahl darf man sich noch die Musik auswählen, die aus dem Radio als Rennbegleitung dudeln darf, entweder nur Renngeräusche, treibende Beats oder leichte Popklänge. Da findet jeder etwas nach seinem Geschmack.
So, jetzt kanns losgehen ins Rennen.
Der Rennbildschirm zeigt im Solomodus in der oberen Hälfte die Rennstrecke, auf der unteren Hälfte sieht man tüchtige Mechaniker werkeln, während im Zwei-Spielermodus diese Bildschirmhälfte mit der Rennansicht für Spieler 2 ausgefüllt wird.
Am linken Rand sind die zu fahrenden Runden als transparente Kästchen dargestellt, die sich nach jeder absolvierten Runde oder generell mit zurückgelegter Distanz ein wenig mehr füllen. Am rechten Bildschirmrand sind der eingelegte Gang, die aktuelle Geschwindigkeit (in Meilen), die Drehzahl, die Tankanzeige und die aktuelle Position zu erkennen.
Alle Rennen sind Rundkurse und finden im Championship Modus statt, in dem es ausreicht, sich unter den ersten Zehn zu platzieren, um sich für das folgende Rennen zu qualifizieren. Es gibt keinen "Gegen-die-Uhr" Modus und keine Checkpoints, wie es im zweiten Teil der Serie an der Tagesordnung ist (Lotus Turbo Challenge 2). Wem der Modus mit Platz zehn als zu einfach erscheint, dem sei gesagt, daß es genügend Rennen gibt, in denen man sich sogar über eine solche hintere Platzierung sehr freut.
Realismus sucht man bei einem Arcade Racer normalerweise vergeblich, so auch hier. Ein Schadensmodell ist nicht existent, das würde das Losrasen auch nur verkomplizieren. Ärgerlich und unlogisch ist nur die Tatsache, daß man an einem simplen Busch oder Verkehrsschild “hängen bleibt”, das unbeschadet bleibt, wohingegen man selber wieder mühsam auf die Strecke krabbeln und neu anfahren muß, auch sollte man Mitstreitern nicht hinten drauf fahren, denn dem Vordermann passiert dabei gar nichts, man selber wird aber fett abgebremst. Also in diesem Fall gilt ausnahmsweise “Eile mit Weile”.
Auf dem Weg zur Lotus License bekommt man es mit folgenden Strecken und Schwierigkeitsgraden zu tun.
Schwierigkeitsgrade:
Easy Mode
Folgende Länder/Strecken sind im Easy Mode vorhanden: Italien, Mexiko, Island, Spanien, England, Schweden und China.
In diesem Schwierigkeitsgrad kann man sich ein wenig an die Rennatmosphäre gewöhnen, sieben verschiedene Strecken stehen zur Verfügung von ganz einfachen Strecken ohne Tankstop bis hin zu etwas anspruchsvolleren Strecken, wo man durchaus mal einen Tankstop einlegen muß oder ab und zu auch mal Hindernisse auf der Fahrbahn sind. Die Computergegner agieren nicht sonderlich agressiv.
Die letzten vier Strecken sind eindeutig die anspruchsvolleren aufgrund von Ölflecken auf der Fahrbahn, gesperrten Fahrstreifen, Straßensperren, größeren Anstiegen und nicht einsehbaren Kurven.
Medium Mode
Folgende Strecken finden sich im Medium Mode wieder: Finnland, Thailand, Grönland, Uruguay, Marokko, Deutschland, Ecuador, Argentinien, USA und Japan.
Hier ist schon ein wenig mehr fahrerisches Geschick gefragt, wenn man alle Strecken zu Gesicht bekommen möchte. Der Spieler darf sich schon mal auf Strecken mit Hindernissen, Wasserlachen, fiesen Kurven und notwendige Tankstops einstellen. Außerdem haben die Computergegner einen Zahn zugelegt. Der Easy Mode sollte beherrscht werden, bevor man sich in den Medium Mode begibt.
Hard Mode
Die Königsklasse
Folgende Strecken zeichnen den “hard mode” aus: Portugal, Norwegen, Kenia, Alaska, Malaysia, Canada, Peru, Brasilien, Schottland, Wales, Nepal, Russland, Australien, Griechenland, Antarktis.
Dieser Level ist für die Fortgeschrittenen, Feierabend- oder Schönwetter-Fahrer haben hier nichts verloren. Des öfteren dürfte man hier ins derbe Fluchen geraten, weil die Strecken teilweise mit doch recht lästigen Hindernissen aufwarten, die einen Zeit kosten, die man wiederum zum Überholen der Computer-Kontrahenten bitter nötig hat. Wenn man mal hinter einem solchen fahren muß, sollte man tunlichst kurz abbremsen, bevor man ein Auffahren riskiert, denn danach ist mühsames Neuanfahren angesagt, und in der nächsten engen Passage hat man ihn dann wieder vor sich, ein wenig Geduld ist also angesagt.
Wer den Medium Mode aus dem Eff-Eff beherrscht, sollte sich in die Königsklasse wagen, denn hier sind die Gegner noch ein wenig aggressiver.
Wer Multiplayer spielen mag, der sollte den Medium Mode bevorzugen, da dort der Unterschied zwischen talentierten Spielern und Profis nicht so stark zum Tragen kommt. Den hard mode sollten nur Profis untereinander ausfahren, dadurch erspart man sich einige Frustmomente bei den weniger guten Spielern und die obligatorischen Schuldzuweisung an angeblich mangelhafte Spielehardware (Stichwort: "mann, der Joystick tuts einfach nicht"). Die Profis wissen, woran es wirklich liegt. ;-)
Steuerung:
sehr eingängig und unkompliziert, eben typisch Arcade Racer.
Grafik:
ganz nett für damalige Verhältnisse
Sound:
gute Auswahl an Musik und Soundeffekten, jeder findet einen passenden Track als Untermalung.
Gameplay:
abgesehen von einigen Logikmacken und Frustmomenten keine Beanstandungen.
So, nun aber nochmals zurück zur eingangs erwähnten Lotus License.
Das Spiel hat nämlich noch ein sehr interessantes Schmankerl zum Schluss zu bieten. Wer den hard mode auf den vorderen Plätzen beendet, bekommt aufgrund der guten Punktzahl im Abschlußbildschirm eine kleine Zahlenkolonne präsentiert.
Diese konnte man notieren und auf die dem Originalspiel beiliegende Karte übertragen. Diese sendete man dann an die Firma Gremlin Graphics in Sheffield (zumindest war es damamls möglich, ich glaube nicht, daß die Firma heutzutage noch existiert) und bekam dann mit der Post die heiß begehrte Lotus License zugeschickt, die zwar nur aus einem läppischen DIN A4 Ausdruck besteht, aber es ist halt doch ein nettes, kleines Bonbon zum Abschluß.
Also, ich habe meine Lotus License bekommen.
How about you?