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Das große E3 2006 Special
Das Gamezone E3 2006 Fazit:
Bastian Stein: Mein selbstverständlich völlig subjektiver Eindruck der diesjährigen E3 fällt leider ziemlich durchwachsen aus. Ich will euch ja nicht die NextGen-Hoffnungen mit meinem Fazit verhageln, aber so hochauflösend und photorealistisch, wie es uns die Hersteller gerne glauben machen würden, sieht das kommende Weihnachts-Line-Up nun ganz und gar nicht aus. Aus NextGen-Sicht war die E3 2006 sogar eine regelrechte Katastrophe. Warum? Ganz einfach: Weil fast keine meiner ziemlich hochgesteckten Erwartungen erfüllt wurde. Gleich im Vorfeld ernüchterte mich Sony mit den ersten, aber eben alles andere als überzeugenden Ingame-Bildern der Playstation 3, einem geradezu unverschämten Verkaufspreis und einer weiterhin unklaren Online-Strategie, welche zudem auch noch verdammt stark nach Xbox Live riecht. Als Krönung präsentierte man schließlich einen gut funktionierenden, aber eben dreist bei Nintendo abgekupferten Controller. Toll.
In Sachen Software sieht es leider nicht viel besser aus, denn auf der gesamten Messe war weder etwas von „Resident Evil 5“, „Metal Gear Solid 4“ noch „Devil May Cry 4“ oder gar „Tekken 6“ zu sehen. Auch das im letzten Jahr noch vollmundig mit einem spektakulären Rendervideo angekündigte Highlight „Killzone“ war nicht mal mit einem neuen Konzept-Filmchen vertreten und das erwartete Rennspiel-Highlight „Motorstorm“ entpuppte sich nach einem kurzen Anspielen als durchschnittlicher Genrevertreter mit einer ebenso unspektakulären Grafik. Diese Bezeichnung passt auch hervorragend auf „Untold Legends: Dark Kingdom“ welches ich beim Zuschauen die ersten Minuten lang doch glatt für ein Playstation 2-Spiel gehalten habe. Peinlich für mich, aber auch peinlich für die Grafiker von Sony Online Entertainment. Es ist eben doch nicht alles Gold was glänzt, ganz besonders dann nicht, wenn man es bisher nur in Form von Möchtegern-Trailern aus der Marketing-Abteilung kennt. Einziger Lichtblick für die Playstation 3: „Heavenly Sword" und "Resistance: Fall of Man", welche nicht nur optisch, sondern auch spielerisch einiges hermachten und bis zum Verkaufsstart sicherlich noch weiter zulegen. Da freut man sich doch über „God of War 2“ und „Rogue Galaxy“ für die PS2, welche zwar keine HDTV-Auflösung bieten, dafür aber voll und ganz überzeugen konnten.
Wo ich gerade so schön am meckern bin, muss gerechterweise auch Microsoft noch ein paar kritische Anmerkungen kassieren: Denn von dem absolut fantastischen „Gears of War“ mal abgesehen, waren die echten Highlights auch nur in Form von toll inszenierten Trailern vorhanden und alles andere als spielbar. „Forza 2“, „Fable 2“, „Blue Dragon“, „Lost Odyssey“ und auch „Halo 3“ werden wir alle erst nächstes Jahr auf der E3 2007 anspielen dürfen. Klar, das Konzept von „Live Anywhere“ hat mich schon überzeugt, aber was bleibt denn bei nüchterner Betrachtung für das diesjährige Weihnachtsgeschäft noch übrig? „Too Human“ und „Chromehounds“ möchte ich nach dem ersten selbst gespielten Minuten auf jeden Fall nicht unter dem Baum liegen haben. Doch es gab auch Lichtblicke auf der E3 2006: Die Konsolenhersteller haben den großen Videospiel-Kuchen anscheinend endlich unter sich aufgeteilt - allen voran natürlich Nintendo, die fernab von HDTV & Co. ihr ganz eigenes Süppchen kochen. Auf der diesjährigen Messe sammelte Big N so viele Sympathiepunkte wie schon seit langem nicht mehr und durch die Bank weg hörte man nur Positives über Miyamoto & Co. Selbst die staubtrockene Grafik von „Wii Tennis“ scheint niemanden wirklich gestört zu haben, da die Bedienung des Spiels einfach so revolutionär ist. Satoru Iwata scheint mit seiner Strategie völlig richtig zu liegen, denn zumindest wer den Wii einmal ausprobiert hat, pfeift auf wassergekühlte NextGen-Optik aus Strom fressenden Monsterkonsolen und freut sich über die neuartigen Spiel- und Steuerungskonzepte des Geräts. Sogar die beinharten Fans aus den Lagern von Playstation und Xbox konnten nichts wirklich Schlechtes an Nintendos Konsole finden - selbst Microsofts Peter Moore empfiehlt den Wii als Zweitkonsole zur Xbox 360. Was aber die echten NextGen-Spiele angeht, haben die Dritthersteller den hauseigenen Entwicklern von Sony und Microsoft eindeutig die Show gestohlen: Egal ob „Army of Two“, „BioShock“ (mein persönliches Spiel der E3 2006!), „The Darkness“, „Assassins Creed“ oder „Stranglehold“ – diese Spiele haben allesamt das Zeug zum zeitlosen Megahit.
Doch auch abseits der großen Schlacht um die Vorherrschaft im Wohnzimmer gab es einige Highlights zu sehen: Zwar scheinen die fetten Jahre für PC-Spieler vorbei zu sein, dafür waren die präsentierten Titel aber allesamt von höchster Qualität. Ganz besonders „Spore“ und „Crysis“ aus dem Hause Electronic Arts haben es mir angetan, aber auch THQs Strategie-Knaller „Surpreme Commander“ und „Company of Heroes“ stehen jetzt schon auf meiner Einkaufsliste. „Hellgate: London“ war auch dieses Jahr wieder ein Star der Messe, auch wenn das gute Stück langsam endlich mal fertig werden sollte, da sonst die Grafik beim Release dem Standard hinterherhinkt. Apropos Grafik: „Unreal Tournament 2007“ ist nach wie vor extrem lecker anzusehen, nur die Hardware dazu fehlt den meisten von uns noch. Enttäuschungen gab es aber auch in Sachen PC zu vermelden, denn „Call of Duty 3“ ließ durch seine Abwesenheit das Line-up von Activision sogar noch dürftiger aussehen und auf ein Wiedersehen mit „Alan Wake“ habe ich mich auch umsonst gefreut. Ebenfalls eher ernüchternd war die Präsentation von „Command & Conquer 3“, das zwar ganz sicher ein absoluter Blockbuster wird und zudem auch noch fantastisch aussieht, aber im Moment noch weit von einer Alpha-Version entfernt ist. Das Gezeigte kann man gerade mal als Designstudie und grobes Konzept bezeichnen - auf der nächsten E3 wird’s dann endlich etwas Spielbares zum heiß erwarteten Strategiehit geben.
So musste ich, wie wohl viele der über 60.000 Besucher der diesjährigen E3, den Heimweg ziemlich unbefriedigt antreten. Auf Weihnachten kann ich mich in Anbetracht der hervorragenden PC-Spiele und des in der Tat revolutionären Wii zwar immer noch freuen, auch wenn die meisten der vorgestellten Titel erst auf der E3 2007 in einer anständigen Version zu sehen sein werden. Naja, macht nix - Vorfreude ist eben auch für uns Videospieler die schönste Freude.
Peter Grubmair: Selten war ich auf einer E3 die mich durch so ein Wechselbad der Gefühle geschickt hat. Denn auf der einen Seite gab es nicht nur einen Titel der mich mehr als positiv überraschte, wohl auch weil ich schon im Vorfeld nur wenig erwartet habe, und auf der anderen Seite standen nicht wenige Titel, die in der endlich anspielbaren oder sogar schon fertigen Version plötzlich überhaupt nicht mehr so gut wirkten wie im Vorfeld erhofft. Und dazu gesellt sich der seltsame Auftritt von Sony und ihrer Schnellschuss-Ankündigung des Wii-Controller-Nachbaus.
Doch sprechen wir erst über die erfreulichen Dinge, wie die zwei Supertitel die Midway in der Rückhand hat, nämlich Unreal Tournament 2007 und Stranglehold, zwei Spiele die in ihrem Genre wahrlich neue Maßstäbe setzen werden. Das direkt aus deutschen Landen stammende Crysis hingegen begeisterte nicht nur mit seiner Grafik und der innewohnenden Physik-Engine, auch die erzählte Geschichte verspricht SciFi-Spaß erster Klasse. Freunde wuseliger Aufbauaktion hingegen steht ein Spiel mit wahrlich kosmischen Ausmaßen bevor, denn Spore sprengt alle bekannten Grenzen an denen sich das Genre neu wird orientieren müssen. Army of Two hingegen ist einer der Titel den man selbst gezockt haben muss, um zu begreifen was das Besondere daran ist mit zwei Charakteren quasi gleichzeitig zu spielen. Denn dieses Spiel lebt von der herrlichen Inszenierung der Begebenheiten und der Interaktion der beiden Akteure. Wer auf seinen NextGen-Systemen hingegen lieber auf bekanntes Gameplay setzt, aber HighEnd-Grafik und Sound genießen möchte, sollte Gears of War nicht aus den Augen verlieren, sowie den dritten Teil von Brothers in Arms, mit dem Untertitel Hells Highway. Beide Titel bieten uns absolute State-of-the-Art Grafik welche die Hardware an ihr Limit treibt.
Als Mechfreak erster Stunde hat mich das bereits fertiggestellte Chromehounds doch etwas enttäuscht. Besonders grafisch ist es weit von dem entfernt was man erwarten durfte, und auch taktisch scheint es bei weiten nicht so einen Tiefgang zu besitzen wie erhofft. Ebenso hätte ich mir in Lost Planet mehr Einsatz der Stahlkolosse gewünscht, stattdessen läuft man die meiste Zeit in klassischer 3rd-Person-Manier durch die Gegend und ballert auf Aliens. Die Erwartungen ebenfalls nicht erfüllen konnte Pirates of Carribbean, welches aussah wie ein Spiel von vor zehn Jahren und auch gameplay-technisch nur Mittelmass bot. Und zu Turok vom selben Publisher gab es lediglich einen superkurzen und kein bisschen aussagekräftigen Trailer zu sehen. Warum man sich dafür extra anstellen musste, frage ich mich noch heute.
Nicht als negativ zu bezeichnen, aber doch mit einem großen Fragezeichen zu versehen, ist das bei SEGA hinter verschlossenen Türen gezeigte The Club, welches von niemand geringerem entwickelt wird als den PGR-Schöpfern Bizarre-Creations, dessen eigenwilliger Gameplay-Ansatz aber erst noch beweisen muss ob er von der Spielerschar akzeptiert wird. Denn wie spaßig es in der Praxis sein wird in eine Arena mit 50 Bots geworfen zu werden, um diese sodann in möglichst kurzer Zeit auszuknipsen, lässt sich nur schwer vorstellen. Doch wollen wir nichts vorverurteilen bevor es fertiggestellt ist. Ebenfalls ein großes Fragezeichen hinerließ die Präsentation von Ubisofts Haze, welche laut, martialisch und etwas mystisch war, aber kaum Rückschlüsse über das zu erwartende Spiel zuließ. Trotzdem traue ich mich zu orakeln, dass es sich hierbei um einen SciFi-Shooter mit abgefahrener Geschichte handeln wird.
So bleibt der Eindruck einer sehr durchwachsenen E3, die zwar durchaus auch einige Highlights bot, aber auch manch derbe Enttäuschung bereithielt. Nintendo glänzte mit dem durchdachten Konzept ihres Wii-Controllers, zu dem sie auch schon viele spielbare Games zeigen konnten, wohingegen Sony wie gehetzt wirkte noch schnell nachzureichen was anderen eingefallen ist, da man auch beim Software-LineUp nicht richtig punkten konnte. Microsoft hingegen fuhr mit „Live anywhere“ eine ganz eigene Schiene zum Ausbau der Xbox-Live-Funktionalität, welche sich zukünftig auch auf PCs und tragbare Geräte ausweiten wird. Damit sind die Fronten geklärt: Nintendo hat sich in eine einmalige Position begeben in der man die Konkurrenz kaum noch befürchten muss und zwischen Sony und Microsoft wird die zukünftige Hardware-Schlacht um höhere Auflösungen und Systemleistungen ausgetragen werden. Doch auch das Online-System und die Fähigkeit DVDs in HD-Auflösung wiedergeben zu können, wird sich auf die Entscheidung, welche Konsole sich der einzelne Spieler nun zulegt, auswirken.
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Bastian Stein
Peter Grubmair
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