Die Nachrichten zur aktuellen Killerspieldebatte anlässlich der am 28. September 2008 stattfindenden Landtagswahl in Bayern reißt einfach nicht ab. Losgetreten wurde sie Anfang September, nachdem Bayerns Innenminister Joachim Herrmann zusammen mit seinem Partei-Kamerad Hans-Peter Uhl (MdB) sowie dem Leiter des „Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen e.V.“, Prof. Dr. Christian Pfeiffer, nach einem Expertentreffen verkündete, den Kampf gegen sogenannte „Killerspiele“ wiederaufzunehmen und endgültig ein Herstellungs- und Vertriebsverbot für diese erwirken zu wollen. Zudem verkündeten die drei, sie hielten den bisherigen Jugendschutz, der allgemein als einer der weltweit striktesten und undurchlässigsten gilt, für unwirksam und „völlig unzureichend“.

FDP Aktion zur LandtagswahlIm Zuge dieser Forderungen riefen die Kollegen des Print-Magazins PC Games die Aktion „Ich wähle keine Spielekiller“ ins Leben, in der sie ein Protestschreiben an die CSU veröffentlichten und entzürnte Spieler dazu aufriefen, dieses Schreiben an die zuständigen Stellen innerhalb der Fraktion zu schicken. Ein solch gewaltiges Medienecho hatte man wohl weder seitens der bayerischen Partei noch auf Seiten der PC Games-Redaktion erwartet – die Meldung machte international die Runde, und dass nicht nur in dedizierten Fachpublikationen sondern auch in Massenmedien. Zwischenzeitlich hört man nun einiges: Einerseits Vorwürfe von Entwicklern und Mitarbeitern der Branche, dass das Thema „Videospiele“ von völlig Sachunkundigen als Wahlkampf-Aufhänger missbraucht wird, während gleichzeitig der Jugendschutz an anderer Stelle, wie dem Alkoholgenuss, den Ministerpräsident Günther Beckstein als Kultur versteht und prohibitionsähnliche Verbote als völlig falschen Weg ansieht, unterwandert, auf der anderen Seite aus der CSU selbst, die sich nun für missverstanden und fehlinterpretiert versteht. Doch die Kritik kommt nicht nur von Seiten der Fachpresse und verärgerten Spielern, auch die Union selbst findet die Forderungen der Parteispitzen unsinnig. So warnt der Bundesvorstand der Jungen Union, Phillip Missfelder, eindrücklich davor, die Videospielindustrie pauschal an den Pranger zu stellen und damit einen florierenden Wirtschaftszweig zu diskreditieren.
Doch gibt es Alternativen im Freistaat? Das haben wir uns gefragt und mit einem Interview per E-Mail an einige verbleibenden Parteien Bayerns gewandt. Heraus kam: Tatsächlich gibt es auf Seiten der bayerischen Politik nicht nur Stimmen die pauschal gegen die Videospielindustrie sprechen sondern sich auch tatsächlich mit der Materie auskennen und befassen. Viel mehr setzen die Parteien auf Medienkompetenz, Ausbildung und vor allem eine strikte Durchsetzung des bestehenden Rechts, dass mehr als ausreichend ist. Gesprochen haben wir im Zuge dessen mit Ulrike Gote (MdL), medienpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, Franz Maget (MdL) und den fachpolitischen Sprechern im Kompetenzteam Franz Magets aus der SPD, Florian Paul, Mitglied im geschäftsführenden Landesvorstand Bayern der Partei DIE LINKE und Miriam Gruß (MdB), der familienpolitischen Sprecherin der FDP.
Das Interview führte Sandro "RIPchen" Odak.