Nette Echtzeitstrategie, der es jedoch an Innovation und eigenen Ideen mangelt, um vorn mitzuspielen.
Aufstellung, Männer!
13th Century: Death or Glory
Kommen wir nun zum wirklich allergrößten Manko, der alle bisherigen Negativpunkte weit in den Schatten stellt: Die Steuerung. Diese ist zwar genretypisch belegt, so bewegen wir unsere Einheiten mit einem rechten Mausklick und wählen neue Trupps mit links aus, die Umsetzung unserer Befehle klappt aber im großen Falle nicht. Denn die Aufstellung der Armee wird vom Computer automatisch vorgenommen und daher derart schlecht umgesetzt, dass es fast weh tut den Hampelmännern aus Pixeln und Polygonen beim Sterben zuzusehen. Da kommt es schon öfters mal vor, dass sich eine Staffel Reiter den Gegnern entgegenstellt... Und mit entgegen meine ich nicht dass sie davor stehen und mit den Waffen protzen, nein, sie stehen da, putzmunter und mucksmäuschenstill und schauen von der Schar Feinde gesehen einfach in die entgegengesetzte Richtung. Eine genaue Positionierung ist dank der radialen Aufstellungsoptionen eh kaum möglich, fast immer ist etwas im Weg. Und obwohl wir einstellen, unsere Streitkräfte sollen sich in einer Reihe aufstellen und nicht zwei- oder gar dreireihig, so ignorieren die Pixelkollegen unsere Befehle fast vollkommen. Auch die Wegfindung klappt nicht immer. Obwohl unsere Einheiten zwar meist den Weg zum Ziel finden passierte es erstaunlich oft, dass sie, obwohl nur wenige Meter vom Feind entfernt, erst um einen Berg reiten und dann zuschlagen oder sich bei einem Angriff total auf der Karte verstreuen. Das genau gegenteilige Anblick bietet sich uns, wenn wir einen großen Trupp Gegnern angreifen: Alle fokussieren sich auf einen Punkt in der Gegnerkette, es sieht aus als würden sie Schlangestehen um zuzugreifen. Befehle, wie "greife von hinten an, greife die Flanken an" ignorieren unsere Kameraden vollständig.
13th Century: Death or Glory
Grafisch ist der Titel relativ solide. Einige der Karten sind regelrecht hübsch geworden, sehr detailliert und effektvoll ins Szene gesetzt. Man kann zusehen, wie das Gras im Wind wiegt und unsere Kavallerie im vollen Galopp eine Wolke aus Staub und Dreck hinter sich herzieht. Doch beim genaueren Hinsehen verblasst diese Schönheit, schließlich sehen fast alle Einheiten gleich aus. Und auch das Gras wirkt beim reinzoomen in die Karte sehr künstlich, die Bodentexturen verschwimmen und wirken matschig. Zoomt man hingegen ganz raus und betrachtet das Feld aus einer gottgleichen Vogelperspektive hat man oft mit Grafik- und Pixelfehlern zu kämpfen, welche den Spielgenuss drosseln. Neben den hübsch designten Karten gibt es aber auch die eben weniger netten Schlachtfelder, diese wirken karg und verlassen. Warum einige der Maps so vernachlässigt wurden, scheint unklar, hier hätte man bestimmt den einen oder anderen Punkt wieder wett machen können.
13th Century: Death or Glory
Der Sound, der uns beim hexeln aus den Boxen entgegenschlägt, weiß wiederum so gar nicht zu überzeugen. Zu oft wiederholen sich die immergleichen Sound-Samples, die Hintergrundmusik spielt glücklicherweise nur, wenn wir auch in Kampfhandlungen verwickelt sind. Den Rest der Zeit haben wir musiktechnisch unsere Ruhe, wenn da nicht die Soldaten wären, die uns alle paar Minuten mit komischen Sprüchen und Kommentaren belangen. Wenn wir letztendlich mal mit Gegnern in Kontakt kommen, werden wir mit heroischer Musik begleitet, welche jedoch überflüssiger und klischeehafter nicht hätte gewählt werden können. Alles in allem kein Ohrwurm und die Energie, die ein heutiges Soundsystem verschlingt, nicht wert.
13th Century: Death or Glory
Erfreulich ist der Umfang des Echtzeitstrategiespiels: Dem Spiel liegt, was heutzutage ja fast nicht mehr alltäglich ist, ein ausführliches Handbuch bei, neben den 30 Karten aus der russischen Produktionsstätte liegt ein toller Editor bei, mit dem man sich seine eigenen Maps basteln und die bestehenden Inhalte nach Belieben erweitern kann. Neben dem Soloteil bietet uns 13th Century aber auch einen Multiplayerpart an, in dem wir über LAN und Internet mit Freunden Gefechte austragen können. Hier sind aber nur Direktpartien möglich, eine Online-Lobby oder etwas vergleichbares findet sich nicht. Man muss also erst langwierig nach der IP des Freundes fragen, um ein Match starten zu können, was den Mehrspieler-Spaß vehement mindert.
