XCOM 2: War of the Chosen-Review - Wertungsabzug wegen fehlender Endgame-Inhalte (Update mit Konsolen-Wertung)
Test 17,99 €
Das XCOM 2-Add-on War of the Chosen erweist sich im Test als idealer Einstiegspunkt für alle, die sich dem besten PC-Taktikspiel bislang verweigert haben. Der Preis ist aber happig - und unser Review zeigt weitere Schwächen der Erweiterung auf. Update: Jetzt auch mit Konsolenwertung für PS4 und Xbox One!
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Mutig, mutig, diese Entscheidung: Knapp 40 Euro kostet das XCOM 2-Add-on War of the Chosen - zusätzlich zum Preis des Hauptspiels, denn der ausschließlich als Download über Steam erhältliche DLC fügt sich nahtlos in die bestehende XCOM 2-Kampagne ein und ist kein Stand-alone-Titel, sondern ein klassisches Add-on, das nicht im Season Pass von XCOM 2 enthalten ist. Im Gegenzug hat Firaxis jede Menge substanzieller Neuerungen angekündigt, von einem inoffiziellen XCOM 3 war sogar die Rede. Die Entwickler halten dieses Versprechen - einzig die Verteilung der neuen Features von XCOM 2: War of the Chosen stößt im Test auf Kritik.
Update: Der PC-Test erschien ursprünglich Ende August. Das Review-Update zu den PS4- und Xbox-One-Version von War of the Chosen lest ihr ganz unten am Ende dieses Artikels.
XCOM 2-Add-on Review: Zu einfach für Kenner
Beim Spielstart wählt ihr aus, ob ihr das alte XCOM 2 oder das runderneuerte War of the Chosen spielen wollt - auf Wunsch mit Integration der vorherigen DLCs wie Alien Hunter. Zudem gibt es neue Startoptionen, mit denen genervte Spieler etwa die Rundenlimits in zeitkritischen Missionen pauschal verdoppeln oder den Flächenschaden von Granaten einschränken können. Die Rahmenhandlung bleibt gleich: Das Advent-Regime der Außerirdischen hat die Erde übernommen, als Chefstratege der Spezialeinheit XCOM führt ihr den Befreiungskampf an.
Quelle: PC Games
Stark: Reaper-Rebellen können aus dem Verborgenen heraus schießen und besitzen eine Chance, unerkannt zu bleiben.
Neu dabei: Drei Auserwählte, die titelgebenden Chosen, machen Jagd auf euch. Scharfschütze, Assassine und Psi-Hexer haben eine feste Persönlichkeit und können zufällig in Haupt- und Nebenmissionen auftauchen. Dort versuchen sie, Soldaten zu betäuben und zu entführen oder ihnen Informationen aus dem Hirn abzusaugen. Dadurch mehren sie ihre Macht; die bei Spielstart zufällig ausgewürfelten Stärken der Chosen werden dadurch erhöht und sie können Sabotageaktionen starten, die euch das Leben schwer machen, etwa die monatlichen Einnahmen von XCOM senken. Wer nicht schnell genug die (in allen drei Fällen leider gleich aussehende) Heimatbasis der immer wieder von den Toten auferstehenden Auserwählten lokalisiert, vor dessen Haustür steht irgendwann ein Chosen und schießt die fliegende XCOM-Basis Avenger ab - in einer brandneuen Verteidigungsmission müsst ihr euch sodann etlicher Gegner erwehren.
Wer XCOM 2 kennt (und das wird für die Mehrzahl der Add-on-Käufer gelten), wird es aber nur selten soweit kommen lassen. Auf den ersten drei Schwierigkeitsgraden sind die Auserwählten vergleichsweise schwach auf der Brust; in unserem 25 Stunden langen War of the Chosen-Test waren alle drei bereits nach der Hälfte der Zeit Geschichte.
Daher unsere Empfehlung: Wer eine Herausforderung sucht, sollte unbedingt auf dem dritten Schwierigkeitsgrad "Commander" beginnen - mindestens! Ohne die Chosen bleibt das Endgame nämlich unverändert; War of the Chosen hat lediglich eine kleine Ergänzung zum Abschlussvideo zu bieten, aber neue Gegner tauchen in der Schlussphase einer Kampagne nicht auf. Die wirft euch Firaxis nämlich lieber von Anfang an entgegen.
Quelle: PC Games
Die Chosen sind etwas schwach auf der Brust und für erfahrene Spieler mehr lästig als gefährlich.
Neue Inhalte
Über die Quasi-Zombies "The Lost", Advent-Priester und Flammenwerfer-Einheiten haben wir bereits in unserer großen XCOM 2: War of the Chosen-Vorschau geschrieben. Zu diesem Trio gesellte sich im Test nach einigen Stunden das Phantom. Diese neue Soldatenklasse betäubt XCOM-Personal und lässt deren Schatten gegen die einstigen Verbündeten kämpfen. Außerdem ist das Phantom praktisch immun gegen Overwatch-Angriffe. Das macht völlig neue Taktiken erforderlich und mischt die bekannte Anfangsphase gehörig auf.
Quelle: PC Games
Die neue Fraktion der Templer entfesselt beispielsweise einen Psi-Sturm mit Flächenschaden.
Besonders in Sachen Abwechslung punktet War of the Chosen: Neue Missionstypen wie eine Abwandlung der Bombenentschärfung aus dem Vorgänger oder das hektische Klauen von Versorgungskisten locken auch XCOM 2-Veteranen aus der Reserve. Manchmal dürft ihr nur drei Soldaten einsetzen, dann wieder bekommt ihr es ausschließlich mit Roboterfeinden zu tun. Zudem hat Firaxis mehrere neue Umgebungen designt, aus denen nach dem Zufallsprinzip Maps gebaut werden. Sehr schön!
Spielerisch überzeugt vor allem die Zielvorschau bei gedrückter Alt-Taste, mit der ihr genau erkennen könnt, welche Feinde ein Soldat nach dem Positionswechsel anvisieren kann. Darüber hinaus werden Soldaten jetzt müde, wenn sie von einem Einsatz zurückkehren, und brauchen eine Pause - gestresste Soldaten entwickeln im Feld nämlich negative Eigenschaften wie eine Angst vor einem speziellen Alien-Typ. Diese Traits müssen anschließend erst wieder in der neuen Krankenstation behandelt werden.
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Zwischen den rundenbasierten Taktik-Einsätzen gibt es auch in der Avenger-Basis jede Menge zu tun, vieles davon neu. Besonders durchdacht ist die veränderte Forschung, bei der abgeschlossene Projekte die Wissenschaftler zu weiteren Erfindungen inspirieren können. Etliche kleine Verbesserungen an Waffen und Ausrüstung stocken die Anzahl an Forschungsobjekten deutlich auf und verbessern den Spielfluss stark. Die auffälligsten Neuerungen sind aber natürlich die drei Rebellenfraktionen, die sich XCOM anschließen: Reaper, Skirmisher und Templer. Jede davon bringt eine neue Soldatenklasse mit sich - alle drei sind clever angelegt mit individuellen Stärken und sehr mächtigen Upgrades.
Quelle: PC Games
XCOM 2: War of the Chosen im Test - Verdeckte Operationen eignen sich dazu, unbeschäftigte Soldaten XP ernten zu lassen.
Allerdings: So toll es etwa ist, mit dem Reaper im Schleichmodus Gegner auszuschalten, ohne entdeckt zu werden; die Balance leidet gegen Ende unter diesen hochgradig einflussreichen Fähigkeiten und den erbeuteten Waffen der getöteten Chosen, XCOM 2 wird einen Tick zu leicht. Für Einsteiger und alle, denen die Gefechte bislang zu hart waren, sind das freilich gute Neuigkeiten. Wer die Kampagne aber bereits mehrmals durchgespielt hat, dürfte sich gegen Ende nach dem starken Auftakt etwas langweilen: War of the Chosen poliert die Anfangsphase zwar hochgradig auf und ist insgesamt die beste Version von XCOM 2, aber wir hätten uns dennoch gewünscht, dass sich Firaxis noch etwas für die bekannte Endphase aufspart. So aber verteidigt Enemy Within für den Vorgänger den Titel "Bestes XCOM-Add-on".
Quelle: PC Games
Zwischen euren Soldaten formen sich jetzt zarte Bande der Freundschaft. Das bringt praktische Team-Skills mit sich.
Wertungsabzug wegen Bugs und Konsolen-Performance
Neben der Tatsache, dass War of the Chosen sein Pulver zu früh verschießt, spricht ein weiterer Punkt gegen eine Wertung von 85 oder mehr: Die Testversion, die uns zwei Wochen vor Release zur Verfügung gestellt wurde, hatte noch mit technischen Problemen zu kämpfen. So kam es manchmal während einer Mission zum Crash. Zudem setzte zeitweise das Autosave-System aus und Anzeigefehler wie in falscher Reihenfolge abgespielte Ereignisse (erst wird der Gegner getroffen, dann erst schießt der Soldat) wirkten sich störend auf die Atmosphäre aus. Ein Patch vor dem War of the Chosen-Release am 29. August soll hier noch Abhilfe schaffen; die Wertung aktualisieren wir in diesem Fall nachträglich.
Update: Inzwischen ist das 15 Gigabyte große Update für unsere Testversion erschienen, die zum Verkauf angebotene Fassung steht gleich in der neuen Fassung zum Download bereit. Sowohl die Abstürze als auch die fehlerhafte Autosave-Funktion wurden ausgebessert, allerdings kommt es ab und zu immer noch zu kleineren Logikfehlern bei der Darstellung. Zusammen mit einem neuen Challenge-Modus reicht das für eine Aufwertung. Abseits der Kampagne könnt ihr in War of the Chosen jetzt Online-Herausforderungen annehmen und Einsätze mit fest vorgegebenen Truppen und Zielen spielen. Dabei gilt es, möglichst viele Punkte zu verdienen - euer Ergebnis wird am Ende auf eine Online-Rangliste hochgeladen, wo ihr euch mit anderen Spielern messen könnt. Ein netter Zeitvertreib für alle, die nicht genug von den Taktik-Gefechten bekommen!
Nach dem XCOM 2: War of the Chosen Konsolen-Release am 12. September 2017 haben wir den Test um die Wertung für PS4 und Xbox One erweitert. Ärgerlicherweise gibt es wie beim Hauptspiel starke Ruckler, selbst auf der Playstation 4 Pro hat das Add-on mit mieser Performance zu kämpfen. Immer wieder bricht die Framerate auf unter 30 Bilder pro Sekunde ein, bei den animierten Ladebildschirmen mit Missionsbriefing können es teilweise sogar einstellige Werte sein!
Apropos Ladebildschirme: Die muss man auf den Konsolen deutlich länger ertragen als am PC. XCOM 2: War of the Chosens Streaming-Technik ist den Aufgaben sowohl auf PS4 als auch Xbox One nicht gewachsen, bei Missionsstart wartet ihr bis zu zwei Minuten! Die Hälfte dieser Zeit starrt ihr auf einen schwarzen Bildschirm. Die Wartezeiten beim Laden eines Spielstands innerhalb eines Einsatzes sind kürzer, dennoch ziehen wir für die nervigen Ladezeiten und die häufigen Ruckler zehn Punkte von der PC-Wertung ab. Inhaltlich unterscheiden sich die Konsolenversionen nicht von der technisch überlegenen PC-Fassung, auch der Preis ist mit 40 Euro gleich.
Tipp: Wir empfiehlen, das Hauptprogramm XCOM 2 vor Installation des Add-ons War of the Chosen von der Festplatte zu löschen und eine komplette Neuinstallation vorzunehmen. Ansonsten kann es zu weiteren Bugs kommen.
Metacritic bewertet das Add-on mit 88%.
