Das erwachsene Gameplay macht Age of Conan zwar zu etwas Besonderem, WoW vom Thron stoßen kann es dennoch nicht.
"Guckst du mich an, hau isch dir uffe Kopf!"
Neben der gut erzählten Geschichte, die sich immer wieder in Nebenquests und sekundären Storyelementen verzweigt, möchte AoC vor allem eines perfektionieren: Das PvP-System. Denn während bisher unter "player versus player" (Spieler gegen Spieler) meist nur wortwörtlich ein Kampf "Spieler gegen Spieler" gemeint war, will AoC hier auftrumpfen und neben sofort spielbaren, spaßigen Mini-Games und eigenen PvP- sowie RP-Servern, auch Kriegsbelagerungen einführen.
Age of Conan: Hyborian Adventures
Hierbei spielen Gilden eine wichtige Rolle, denn während sie bisher meist nur ein loser Verbund von Spielern waren, mit denen man spezielle Quests und Dungeons bestreiten konnte, bekommen diese Verbände nun einen wahren Sinn und Zweck. In den äußeren Königreichen sind beispielsweise spielerkontrollierte Festungen und Burgen zu finden, welche selbstverständlich zahlenmäßig begrenzt sind. Diese können von Gilden eingenommen und als Basis, ähnlich wie ihn Guild Wars, genutzt werden. Dabei soll sich ein Kampf zwischen den verfeindeten Gilden bilden, jederzeit wird man mit einem Angriff rechnen müssen. Wie dies jedoch genau abläuft konnten wir bisher noch nicht testen.
Ein weiterer revolutionärer Aspekt, den die Macher aus der Spielschmiede Funcom einbauen wollen, ist die Crossover_Möglichkeit des PvP-Systems. Wenn nächstes Jahr das Spiel schließlich auf der Xbox360 erscheint, soll es möglich sein, als PC Spieler auch gegen Konsoleros anzutreten. Ob dieses oft gescheiterte Vorgehen und nur selten erreichte Feature es wirklich in das Endprodukt schafft, erst nachgepatcht wird oder im Laufe des nächsten Jahres gar komplett rausfällt, erfahren wir aber wohl nicht mehr vor dem Release auf Microsofts Konsole.
Spielgefühl und Technik
Age of Conan: Hyborian Adventures
Neben den genannten Aspekten sticht Age of Conan aber vor allem wegen seiner Härte, seiner Brutalität und der Freizügigkeit aus der Menge an vergleichbaren Titeln heraus. Laut Publisher will man das erste MMMO sein, dass unverblümt die wirklichen Auswirkungen eines brutalen Schwert- oder Axtkampfes zeigt. Wo die Grenzen der sogenannten "Jugendschützer" stehen ist auch schon ersichtlich geworden. Von den ehemals 50 Combo-Attacken mussten in Deutschland fünf komplett entfernt werden, da abgetrennte Arme, Köpfe und andere Gliedmaßen für den hiesigen Markt wohl zu brutal wären. In den prüden USA wurde zwischenzeitlich jedoch ganz woanders nachgepatcht. Nach lautstarken Protesten musste dort die Darstellung weiblicher Brustwarzen wegzensiert werden, gegen abgetrennte Arme und Beine hat dort drüben jedoch niemand etwas.
Age of Conan: Hyborian Adventures
Kampfsystem und grafische Oberfläche sollten jedem Rollenspieler bekannt sein. Einzige Neuerung: der Nahkampf. Denn statt einmal einen Knopf zu drücken, der immer wieder den gleichen Schlag verursacht, müssen wir in AoC selbst entscheiden, wie wir angreifen. So sind die Angriffstasten 1, 2 und 3 mit den Angriffsrichtungen Links, Mitte und Rechts belegt. Wenn der Gegner die Deckung auf der rechten Seite vernachlässigt muss man daher rechts zuschlagen und kassiert dafür Boni. Im Verlauf des Spieles werden zudem noch die bereits erwähnten 50 Combos erlernt, um auch für besonders happige Gegner gewappnet zu sein. Durch diese Neuerung im Kampfsystem entwickeln sich die Kämpfe zunehmend taktischer und dynamischer, man muss förmlich mitkämpfen und steht nicht nur einfach dabei und klickt einmalig eine Taste bis zum Umfallen des Gegners, wie bei den Platzhirschen der Szene: World of Warcraft, Lineage II und Guild Wars. Altbekannt sind dahingegen die Zauber und Flüche, die typischerweise nur einmal mit Tastendruck aktiviert werden. Das klingt zwar kompliziert, geht aber sehr rasch ins Blut über. Eine Anzeige erleichtert dem Spieler zudem die Entscheidung, wohin geschlagen werden soll, indem die Verteidigungswerte des Gegners darin grafisch dargestellt werden.
Age of Conan: Hyborian Adventures
Technisch hat der Titel, bedenkt man die schiere Größe des Terrains, zwar einiges drauf, dennoch wirken manche Gegenden arg vernachlässigt, trist und gar langweilig. Vor allem Dungeons präsentieren sich anfangs noch immerwährend gleich, ein wenig Abwechslung täte gut. Atmosphärisch und stimmig ist die Grafik-Pracht dafür fast überall, von der Perfektion jedoch noch weit entfernt. Titel wie Herr der Ringe Online haben da schon effektreicher ausgesehen. Clipping-Fehler und einige grafische Ungereimtheiten runden da das Bild der teils lieblosen Umsetzung noch weiter ab. Negativ erwähnt werden sollte noch der Hardwarehunger des Online-RPGs: 2,4GHz Duo Prozessor mit 2GB Ram und einer Geforce der 8er-Serie sind die empfohlenen Vorraussetzungen, doch es darf auch ein bisschen mehr sein, um die Pracht auch in der höchsten Konfiguration zu erleben. Was jedoch zutiefst beeindruckt und die grafischen Macken in den Hintergrund rückt ist die Soundkulisse. Fulminant wurde der Soundtrack und die atemberaubende Effektkulisse in Szene gesetzt und lässt dumpfe Schläge, das Knacken von Knochen und das Klirren von Schwertern in brutalen Kämpfen in besten 7.1-Sound erklingen. Auch die Sprachausgabe und vor allem die deutsche umsetzung gelang gut, an der Text-Portierung hapert es aber noch gewaltig: Viele Questgegenstände und Items sind noch nicht eingedeutscht worden. Hoffentlich gibt es da nicht solche nachträglichen prtierungsversuche wie bei "Ironforge->Eisenschmiede"... An monatlichen Abo-Kosten verschlingt AoC satte 14,94 € und hebt sich dadurch negativ vom Rest der MMO-Welt ab.
