Können die Entwickler von Black Mirror mit ihrem neuen Adventure Alter Ego an ihren einstigen Erfolg anknüpfen?
Wir schreiben das Jahr 1894. In der südenglischen Hafenstadt Plymouth geschehen bizarre Dinge. Die Leiche von Sir Williams, von dem es hieß, er hätte zu seinen Lebzeiten viele grausame Morde begangen, verschwindet in der Nacht nach dessen Begräbnis auf mysteriöse Weise aus ihrem Sarg. Und kurz darauf kommt es zu weiteren Verbrechen. Ist "Die Weiße Bestie" etwa noch am Leben? Nun liegt es an Taschendieb Timothy Moor und Detective Briscol, zwei ungleichen Helden, das Rätsel um Sir Williams zu lösen...
Was wie ein guter alter englischer Krimi aus der filmischen Blütezeit des letzten Jahrhunderts klingt, ist die Story von Alter Ego, dem neuen Point'n'Click-Adventure von den Machern des legendären Black Mirror.
Der Dieb und der Detektiv
Alter Ego
Timothy ist zwar ein Dieb, der vor dem Gesetz keinen Halt macht, aber trotzdem ein sympathischer Kerl mit einem guten Herzen. Eben ein typischer Held mit gewissen Schwächen. Er träumt den Traum, den viele junge Europäer ohne Perspektive zu dieser Zeit träumen. Mit seinem Kumpel Brian will er nach Amerika auswandern, um im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ein neues Leben anzufangen. Leider läuft dabei aber einiges schief: Auf der Überfahrt nach Plymouth wird er als blinder Passagier entdeckt und von einem Matrosen bis auf die Unterhose ausgeraubt. Im Hafen von Plymouth gelingt ihm glücklicherweise die Flucht durch die Kanalisation. Wie Timothy später in einer zwielichtigen Kneipe herausfindet, will Brian ihn auf dem Friedhof treffen. Ausgerechnet in der Nacht, in der Sir Williams aus seiner Gruft verschwindet...
Alter Ego
Während unser Dieb also eher zufällig in die geheimnisvolle Geschichte verwickelt wird, muss Detective Briscol von Berufs wegen an den Fall ran. Briscol ist vom Typ her ganz anders als Timothy: ein stets korrekter Gentleman, der sich nur ungern mit Gesindel einlässt. Er wurde gerade erst nach Plymouth versetzt und kommt voller Freude über seinen neuen Arbeitsort, von dem er sich einen Karriereschub verspricht, zur Polizeiwache, um den Dienst anzutreten. Doch auch bei ihm läuft am Anfang nicht alles reibungslos: Erst werden ihm seine Unterlagen von einer in der Wache wartenden Prostituierten gestohlen und dann ist schließlich auch noch sein Dienstausweis nicht da. Trotzdem muss er kurz darauf zu seinem ersten Tatort. Er wird vom Priester der örtlichen St. Patricks Church gerufen, der die Gruft, in der Sir Williams beerdigt wurde, aufgebrochen vorgefunden hat.
Alter Ego
In der ca. 6-8 Stunden dauernden Geschichte steuert ihr abwechselnd die zwei Protagonisten, um hinter das Geheimnis um den verschwundenen Leichnam und die rätselhaften Morde zu kommen. Während ihr euch als Timothy nach der Flucht durch die Kanalisation erstmal an dem Matrosen rächt, einen Abstecher in einen versifften Pub macht und mit eurem Kumpel Brian auf Diebestour geht, müsst ihr als Briscol viel Detektivarbeit und Spurensuche auf dem Friedhof verrichten, um des Rätsels Lösung näher zu kommen. Erst gegen Ende des Spiels treffen sich die zwei Figuren und lüften das Geheimnis gemeinsam.
Point'n'Click'n'Error
Alter Ego
Alter Ego spielt sich in traditioneller Point'n'Click-Manier. Mit dem Mauszeiger sucht ihr die Umgebung nach Hot-Spots ab, habt ihr einen gefunden, färbt der Zeiger sich rot. Mit der linken Maustaste benutzt oder nehmt ihr einen Gegenstand, mit der rechten Taste werden Objekte untersucht. Sehr einfach kann man es sich durch einen Druck auf die F1-Taste machen, dann werden nämlich alle verfügbaren Hot-Spots markiert. Diese Hilfe ist manchmal auch bitter nötig, da man als Detective auf Spurensuche teilweise alle Hot-Spots abklappern muss, um weiterzukommen, auch wenn sie so banale Erkenntnisse wie "Aha, diese Gräber wurden also nicht geplündert" bringen. Im Inventar am unteren Bildschirmrand, in dem sich selten mehr als ca. 5-10 Objekte ansammeln, müssen ab und zu Gegenstände kombiniert werden. Zum Beispiel untersucht ihr als Detective Bristol einen Edelstein mit einer Lupe, um zu prüfen, ob dieser echt ist. Im Prinzip läuft im Spiel alles strikt linear ab nach dem Muster: Klicke erst an dieser Stelle oder sprich mit jener Person, um an der nächsten Stelle klicken und weiterkommen zu können. Die Rätsel sind zwar meist logisch, trotzdem frage ich mich, warum ich eine Buchseite erst Brian zeigen muss, damit ich diese auf ein Regal anwenden kann, um dann schließlich erst in der Lage zu sein, die Leiter vor dem Regal zu verschieben, um an das gewünschte Buch heranzukommen. Leider bekommt ihr so gut wie nie Tipps, an welchen Hot-Spots es nach der letzten Aktion weitergeht, sodass ihr viel zwischen verschiedenen Schauplätzen hin und herlaufen und rumprobieren müsst. Zum Glück gibt es keine Lade- oder sonstige Wartezeiten, sodass man sehr schnell von einem Ort zum anderen und wieder zurück kommt. Abgesehen vom immer einzuhaltenden linearen Ablauf gibt es auch einige Rätsel, deren Lösung zumindest für mich weniger naheliegend ist. So muss ich einen Korken aus einer Flasche ziehen, um diesen dann auf eine Tür anzuwenden, um deren Schloss zu verstopfen. Auch hier wäre ein kurzer Tipp hilfreich, damit man erst mal weiß, dass man das Schloss überhaupt verstopfen soll, bevor man überlegen kann, womit man das denn am Besten anstellt. Es wäre dem Adventure-Spielgefühl auf jeden Fall zu Gute gekommen, wenn man auf die F1-Hilfe verzichtet und dafür etwas mehr Hinweise gegeben hätte, was in etwa als nächstes zu tun ist. Dann würde man nicht ständig dazu verleitet werden, einfach die Hilfe einzuschalten und alles durchzuklicken, bis man das richtige gefunden hat.
