Können die Entwickler von Black Mirror mit ihrem neuen Adventure Alter Ego an ihren einstigen Erfolg anknüpfen?
Gruselige Technik
Alter Ego
"Horror-Elemente" und "Kinoreife Zwischensequenzen". Das versprechen die Macher von Alter Ego zumindest auf der Packung des Spiels. Beides ist, wenn überhaupt, höchstens in minimalen Ansätzen vorhanden. Zum Einen sind die Entwickler mit den Zwischensequenzen äußerst sparsam umgegangen. Das Spiel beginnt und endet mit einer kurzen, grafisch eher schwachen Rendersequenz. Die Anzahl solcher Szenen zwischen Anfang und Ende lässt sich aber locker an einer Hand abzählen. Das größte Manko ist jedoch, dass einige wirklich dramatischen und kinoreifen Szenen einfach ausgespart werden und dem Spieler entweder lediglich per Dialog vermittelt werden oder schlicht und einfach außerhalb des Sichtbereichs stattfinden. So sehen wir beispielsweise kurz eine Polizeikutsche mit Gefangenen, erfahren gleich danach aber lediglich in einem Gespräch, dass die Gefangenen bei der Überfahrt geflüchtet sind. Auch die Animationen sind leider alles andere als cineastisch. Sowohl in den wenigen Zwischensequenzen als auch im Spiel sind die Bewegungen zu jeder Zeit hölzern und absolut nicht zeitgemäß. Wendet man beispielsweise einen Gegenstand an, ploppt dieser einfach in die Hand des Protagonisten oder ist überhaupt nicht zu sehen. Wenn Timothy sich auf dem Friedhof wegen eines Schreis erschreckt oder in einem Keller von hinten niedergeschlagen wird, sieht das einfach nur lächerlich aus. Ebenso gänzlich unpassend sind die Lippenbewegungen der Personen während den vielen Gesprächen. Immerhin machen die Sprecher fast immer eine sehr gute Arbeit. Neben einer guten Sprachausgabe ist die entsprechende Hintergrundmusik wichtig für die Gruselstimmung. Schaurige Musik gibt es auch. Aber dummerweise nur im Menü. Denn während des Spiels gibt es so gut wie keine Klänge zu hören, nicht einmal auf dem düsteren Friedhof. Atmosphäre kommt da kaum auf. Wenigstens die Hintergründe sind hübsch und detailliert, wirken aber trotzdem meist wie starre, leblose Bilder.
Alter Ego
Zum Schluss geben wir in nebenstehendem Screenshot noch ein Beleg dafür, wie unfertig das Spiel auf den Markt geworfen wurde. Oder soll dieser Untertitel-Platzhalter wirklich über die fehlenden Stimmgeräusche aus dem Telefon hinwegtrösten? Wir empfehlen jedenfalls dringend die Anwendung eines Patches. Es haben sich nämlich noch weitere Fehler eingeschlichen. In den Zwischensequenzen wurden auf unserem Monitor die Untertitel am unteren Rand zur Hälfte abgeschnitten. Außerdem hinterlässt das Ende einen sehr faden Beigeschmack. Dies bezieht sich sowohl auf den Ausgang der Story, als auch darauf, dass man sich nach dem Ende urplötzlich wieder im Startmenü befindet. Also wenn ich ein Spiel mühevoll durchgespielt habe, dann gehören für mich die Credits am Ende dazu. Oder wenigstens ein nettes "Thanks for Playing."
