Die Macher von IL-2 haben ein weiteres Mal ein solides Flugspiel veröffentlicht, das sehr viel Wert auf den Simulationsaspekt legt.
Auf dem PC ist es eine andere Sache, doch auf Konsolen sind Flugsimulatoren sehr große Mangelware, weswegen es umso erfreulicher ist, dass Gaijin Entertainment, die Macher von IL-2 Sturmovik: Birds of Prey, ein neues Spiel veröffentlicht haben, die Rede ist von Apache: Air Assault, das sich, wie es der Name schon sagt, um den wahrscheinlich bekanntesten Kampfhubschrauber der Welt kümmert.
Apache schlägt das Drogensyndikat
Apache Air Assault
Wenn man als Spieler bei Apache: Air Assault eine trockene Simulation erwartet, dann trifft das in Teilen sogar zu, zum Beispiel bei der Story. Hier kämpft man als Ritter in tarnfarbender Rüstung, also als Amerikaner, gegen böse und vor allem mächtige Drogenhändler, die sich allerlei Kriegsgerät leisten können, sogar gut bestückte Kampfhubschrauber. Die Handlung selbst wird allerdings nur vor Missionsbeginn in knappen Textfenstern und während des Fluges ein wenig durch Funksprüche näher gebracht. Ansonsten lassen sich die Aufträge ziemlich zusammenhanglos nacheinander oder in einer beliebigen Reihenfolge, falls den genügend der insgesamt 16 Missionen freigeschaltet wurden, anwählen. Man arbeitet sich also recht lose voran.
16 Aufträge hören sich vielleicht nicht nach viel an, doch diese sind meist sehr umfangreich ausgefallen und dauern gerne 30 Minuten oder länger. Der Aufbau ist dabei typisch: Man fliegt von Wegpunkt zu Wegpunkt und zerstört die dortigen Feinde, wehrt Angriffswellen auf den eigenen Stützpunkt ab, verfolgt einen feindlichen Konvoi oder beschützt verbündete Einheiten. In einer Missionen müssen wir beispielsweise über der Absturzstellen einen Helikopters kreisen und warten, bis der Medivac eintrifft. Währenddessen greifen Terroristen mit Raketenwerfer und auf Motorräder oder Pick-Ups an, Black Hawk Down lässt grüßen. Insgesamt orientieren sich die Einsätze an wohl bekannten Strukturen und sind nur in den seltensten Fällen richtig frisch ausgefallen. Dennoch gibt es genügend Aufgabentypen, so dass man sich nicht gleich gelangweilt fühlt.
Alles unter Kontrolle
Apache Air Assault
Apache: Air Assault ist in drei Schwierigkeitsgraden spielbar, wobei Nummer 3 erst freigeschaltet werden muss. Im ersten kann man den Hubschrauber noch einigermaßen und ohne all große Probleme steuern, doch schon hier zeigt sich, dass die Kontrolle über die tonnenschwere Kampfmaschine wahrlich kein Zuckerschlecken ist. Freunde von Arcade-Action werden kaum auf ihre Kosten kommen, da man das schwere Kampfgerät nicht sofort beschleunigen oder drehen kann, weil die Flieh- und Beschleunigungskräfte durchaus realistisch wirken. Manöver müssen vorausschauend geplant werden, während man zu jeder Zeit in Konzentration bleiben muss. Höhen- und Seitenruder bedienen sich schließlich nicht von selbst und auch die Geschwindigkeit und damit die Neigung des Helikopters will überwacht werden. Wenn es dann in den zweiten Schwierigkeitsgrad geht, wird es noch komplexer.
Bewaffnet ist ein Apache standardmäßig mit einer dicken Bordkanone, ungelenkten Hydra-Raketen und zielsuchenden Hellfires. Später kommen noch die mächtigen Stinger hinzu. Theoretisch ist die Munition limitiert, praktisch wird sie jedoch in den ersten beiden Schwierigkeitsgraden automatisch nachgeladen. Bei MG und Hydras dauert das nur wenigen Sekunden, bei Hellfire-Raketen benötigt der Vorgang allerdings gute drei Minuten. In der schwersten Stufe muss man zum Aufmunitionieren zurück zur Basis. Man sollte sich also überlegen, wie man seine Waffen einsetzt. Apache: Air Assault ist ohnehin kein Spiel, dass nach dem Motto "fire and forgert" vorgeht, weil man sich aufgrund der anspruchsvollen Zielerfassung seinen Abschuss hart erarbeiten muss. Zudem sind Ziele nur dezent markiert und nicht sofort sichtbar. Da wir hier eine Simulation vor uns haben, "heilt" sich der Kampfhubschrauber nicht. Werden wir mehrmals getroffen, wachsen die Schäden schnell an, zum Beispiel am Motor. Plötzlich lässt sich das Fluggerät nicht mehr sonderlich gut beschleunigen, reagiert zunehmend träger auf Richtungseingaben und verliert langsam an Höhe. Irgendwann ist Schicht im Schacht und ein Absturz lässt sich nicht mehr vermeiden.
Halbes Leid ist geteiltes Leid
Apache Air Assault
In den ersten beiden Schwierigkeitsstufen, haben wir bis zu vier Leben zur Verfügung und spawnen an Ort und Stelle wieder ins geschehen. Ansonsten ist gleich beim ersten Mal der Einsatz gelaufen. Das Respawn-System sorgt für etwas weniger Frust, doch wenn einzelne Einsatzziele nicht mehr erfüllt werden können, zum Beispiel wenn eine befreundete Einheit zerstört wird, dann muss die teils sehr lange Mission komplett von vorne begonnen werden. Das sorgt für reichlich Unmut, da das Kampfgeschehen auch ohne diesen Umstand schwer genug zu meistern ist. Nach jedem erfolgreich absolvierten Einsatz werden immer wieder neue Tarnfarben oder Hubschrauber freigeschaltet. Die Motivation bleibt allerdings auf recht niedrigem Niveau, da die erzählerischen Qualitäten des Spiels gegen Null tendieren. Lediglich die Herausforderung während einer Mission hält zumindest hartgesottene Spieler bei der Stange.
Apache Air Assault
Wer sich ein wenig mit Kampfhubschraubern auskennt, der wird wissen, dass im Apache ein Navigator und ein Bordschütze sitzen. Diese Tatsache wurde auch im Spiel umgesetzt. So übernimmt die KI das MG und feuert mehr oder weniger effektiv auf die Feinde, während man sich als Spieler um die Steuerung und die Raketenkontrolle kümmert. Natürlich darf man auch selbst mit dem Bordgeschütz zu Werke gehen. Dabei kann man aus mehreren Flugperspektiven wählen. Die Third-Person-Ansicht ist zwar am übersichtlichsten, im Cockpit spielt es sich hingegen besonders realistisch. Dabei kann man zudem jederzeit in die Ansicht des mächtigen MGs wechseln und die Feinde manuell ins Visier nehmen, wahlweise mit einer Wärmebildansicht. Da der Hubschrauber in diesem Moment von alleine weiter fliegt und man locker abstürzen kann, sollte der automatische Schwebemodus aktiviert werden. Dabei ist es in gewissen Situation durchaus nötig in die MG-Sicht zu wechseln, um Ziele präzise anzugreifen, quasi wie ein Sniper, doch oft muss man schnell wieder in die Flugsteuerung wechseln, da Raketen im Sekundentakt auf den Apache zufliegen.
