25 Jahre Arcanum: Warum RPG-Fans diesen Steampunk-Klassiker noch heute feiern
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Arcanum: Von Dampfmaschinen und Magie ist 25 Jahre alt und trotzdem eines der faszinierendsten Rollenspiele des Genres. Warum Troikas Kult-RPG bis heute begeistert, liegt nicht an der Grafik, sondern am einzigartigen Setting und an der großen Rollenspiel-Freiheit.
Es gibt Rollenspiele, die altern vor allem an ihrer Technik. Und dann gibt es Rollenspiele, die überstehen verwaschene Texturen, hakelige Bedienung und den Charme steinalter PC-Menüs, weil ihre Ideen einfach stärker sind. Arcanum: Von Dampfmaschinen und Magie gehört klar zur zweiten Sorte.
In diesem Artikel
- 1 Troika Games, ein kleines RPG-Wunder
- 2 Magie und Technik als Herzstück der Welt
- 3 Der Preis des Fortschritts
- 4 Freiheit mit Konsequenzen
- 5 Eine Welt im Umbruch
- 6 Die Leere und die dunkle Seite der Arcanum-Lore
- 7 Nicht alles ist gut gealtert
- 8 Warum Arcanum 2026 wieder relevant ist
- 9 Arcanum neu erleben, aber mit den richtigen Erwartungen
2026 feiert das RPG von Troika Games sein 25. Jubiläum. Ein guter Anlass, um noch einmal auf einen Titel zu schauen, der schon damals nicht aalglatt, easy zu spielen oder massentauglich sein wollte. Genau das macht ihn heute aber so spannend. Vor allem alte RPG-Fans schwärmen bis heute von Arcanum (jetzt kaufen 29,90 € ), weil es ihnen etwas gibt, das in moderneren Genrevertretern nicht immer selbstverständlich ist.
Arcanum ist sperrig. Arcanum ist alt. Arcanum kann richtig unfair sein und ist aus heutiger Perspektive eben ein Spiel aus einer ganz anderen PC-Ära. Doch unter der dicken Schicht Patina steckt ein Rollenspiel, das euch nicht in eine feste Heldenrolle drängt, sondern euch selbst entscheiden lässt, wer ihr in dieser Welt sein wollt und wie weit ihr für eure Ziele geht.
Troika Games, ein kleines RPG-Wunder
Noch spannender wird Arcanum, wenn man sich das Studio dahinter anschaut. Troika Games war kein riesiger Entwicklerapparat, sondern ein vergleichsweise kleines RPG-Studio mit enormem Talent und einer kurzen, aber bemerkenswerten Geschichte.
Gegründet wurde Troika Games 1998 von Tim Cain, Leonard Boyarsky und Jason D. Anderson. Alle drei kamen von Interplay und waren eng mit Fallout verbunden. Genau deshalb steckt in Arcanum auch so viel Fallout-DNA. Nicht, weil es inhaltlich ein postapokalyptisches Rollenspiel wäre, sondern weil es dieselbe Lust an Freiheit, Konsequenzen, schrägen Figuren und moralisch fragwürdigen Entscheidungen mitbringt.
Quelle: Sierra Entertainment
Schon das Hauptmenü mit seiner ikonischen Musik ist Nostalgie pur.
Interessant ist dabei vor allem, wie viele Spieler Troika heute zuerst mit Vampire: The Masquerade Bloodlines verbinden. Kein Wunder! Bloodlines hat sich über die Jahre zu einem der bekanntesten Kult-RPGs überhaupt entwickelt. Doch ausgerechnet Arcanum war Troikas Debütspiel und nach den damals bekannten Verkaufszahlen auch ihr erfolgreichster Titel.
Das macht Troikas Geschichte im Rückblick fast tragisch. Das Studio veröffentlichte nur drei Spiele: Arcanum, The Temple of Elemental Evil und Vampire: The Masquerade Bloodlines. Alle drei hatten Ecken, Kanten und technische Probleme. Alle drei wirkten stellenweise unfertig. Aber alle drei hatten Ideen, die vor allem bei RPG-Veteranen bis heute nachhallen.
Tim Cain ist heute noch auf YouTube aktiv und erzählt dort immer wieder aus der guten alten Troika-Zeit. Dabei bezeichnete er die Spiele des Studios sinngemäß als "fehlerhafte Meisterwerke". Und irgendwie passt das perfekt: Troika hatte große Ideen, viel Mut und ein kleines Team, das sich bei all seinen Einfällen wohl nicht immer rechtzeitig selbst gestoppt hat. Das Ergebnis waren Rollenspiele mit Macken, aber eben auch mit einer Persönlichkeit, die vielen modernen Spielen fehlt.
Gerade deshalb ist Troika Games heute so spannend für einen Retro-Blick. Das Studio stand nur wenige Jahre, von 1998 bis 2005, für eine sehr spezielle Art von PC-Rollenspiel: kontrovers, experimentell, manchmal kaputt, aber nie langweilig. Arcanum war der erste große Beweis dafür.
Bloodlines wurde später zwar zum bekannteren Kultspiel, aber Arcanum zeigte schon 2001 sehr deutlich, wofür Troika stand: für Welten, die nicht nur Kulisse sind, sondern auf eure Entscheidungen reagieren. Für Rollenspiele, in denen ihr nicht einfach eine vorgefertigte Heldengeschichte erlebt, sondern wirklich ausprobieren könnt, wer eure Figur ist und welche Spuren sie hinterlässt. Und das alles in einem Setting, das bis heute zu den eigenständigsten zählt, die das Rollenspielgenre je hervorgebracht hat.
Quelle: Sierra Entertainment
Welcher Held darf es denn bitte sein? Die Charaktererstellung von Arcanum ist recht übersichtlich, orientiert sich aber klar an klassischen Pen-&-Paper-Rollenspielen.
Magie und Technik als Herzstück der Welt
Arcanum spielt in einer Welt, in der industrielle Revolution und uralte Magie direkt aufeinanderprallen. Dampflokomotiven, Schusswaffen und Maschinen verändern die Gesellschaft, während Magier, Elfen und alte Mächte ihre Vorherrschaft schwinden sehen. Das ist kein hübscher Hintergrundgag, sondern der Kern des Spiels.
Gerade dieser Kern ist Tim Cain bis heute wichtig. In einem Video über die Lore von Arcanum erklärt der Entwickler, dass Magie und Technologie nicht einfach zwei Fraktionen sind, die sich spinnefeind sind. Sie funktionieren grundlegend gegensätzlich. Magie bedeutet in Arcanum, dass der eigene Wille die Naturgesetze vorübergehend unterdrückt. Ein Magier erschafft Feuer aus dem Nichts, teleportiert sich an einen anderen Ort oder reißt eine Seele zurück in einen Körper. Technologie macht das Gegenteil. Sie arbeitet mit den Naturgesetzen, nutzt sie aus und verstärkt sie.
Quelle: Sierra Entertainment
Mit der Entscheidung, ob ihr lieber Zauber wirkt oder auf Wissenschaft setzt, beeinflusst ihr auch eure Ausrichtung zwischen Magie und Technik.
Genau deshalb vertragen sich Technologie und Magie in Arcanum nicht. Wer stark magisch begabt ist, bringt technische Geräte durcheinander. Wer sich ganz der Technik verschreibt, hat wiederum Probleme mit Zaubern, magischen Artefakten und übernatürlichen Kräften.
Dadurch bleibt der Gegensatz zwischen Magie und Technik nicht nur eine Erklärung im Hintergrund, sondern prägt ganz konkret, wie sich Arcanum spielt.
Cain betont außerdem, dass diese Trennung kein kleiner Gameplay-Gag ist, sondern eine tragende Säule des Settings. Er erzählte außerdem, dass seine Entwicklerkollegen immer wieder vorschlugen, es müsse doch irgendein Element geben, das Magie und Technik zusammenbringt. Genau diese Idee lehnte er aber schon damals ab. Für ihn wäre so eine Lösung kein cleverer Kniff gewesen, sondern hätte ausgerechnet das ausgehebelt, was Arcanum im Kern ausmacht.
Doch wie sieht es eigentlich mit der Story aus? Arcanum beginnt mit einem Auftakt, der bis heute im Gedächtnis bleibt: Unsere Figur reist an Bord der IFS Zephyr, eines gewaltigen Zeppelins, als plötzlich fremde Flugmaschinen angreifen. Aus der luxuriösen Reise wird binnen Sekunden eine Katastrophe.
Das Luftschiff stürzt ab, wir erwachen in den Nebelbergen zwischen Trümmern und Leichen und erhalten von einem sterbenden Passagier einen Siegelring sowie eine rätselhafte Mission.
Das klingt erst einmal nach klassischem Abenteuerauftakt. Doch Arcanum hat wenig Interesse daran, euch einfach durch ein gewöhnliches Heldenmärchen zu führen. Schon kurz nach dem Absturz wird klar: Ihr bekommt ein Ziel, aber keinen sauber markierten Weg dorthin. Wie ihr vorgeht, mit wem ihr redet, wen ihr austrickst oder ob ihr Probleme lieber mit Worten, Magie, Technik oder Gewalt löst, liegt bei euch.
Quelle: Sierra Entertainment
Die Story von Arcanum beginnt mit einem Gnom, einem Siegelring und einer rätselhaften Spur, die euch immer tiefer in eine große Verschwörung zieht. Und je näher ihr der Wahrheit kommt, desto härter wird klar: Die Auflösung hat es wirklich in sich.
Der Preis des Fortschritts
Vor allem aber wirft Arcanum uns in eine Welt, die mitten im Umbruch steckt. Das Spiel greift die turbulente Ära der industriellen Revolution auf und zeigt nicht nur ihren Fortschritt, sondern auch ihre Schattenseiten. Maschinen, Fabriken, Eisenbahnen und neue Erfindungen bringen Wohlstand, Geschwindigkeit und ganz neue Möglichkeiten. Gleichzeitig reißen sie alte Sicherheiten ein, verschärfen soziale Spannungen und lassen viele Menschen, Elfen, Zwerge und andere Bewohner dieser Welt orientierungslos zurück.
In diesem Artikel
- 1 Troika Games, ein kleines RPG-Wunder
- 2 Magie und Technik als Herzstück der Welt
- 3 Der Preis des Fortschritts
- 4 Freiheit mit Konsequenzen
- 5 Eine Welt im Umbruch
- 6 Die Leere und die dunkle Seite der Arcanum-Lore
- 7 Nicht alles ist gut gealtert
- 8 Warum Arcanum 2026 wieder relevant ist
- 9 Arcanum neu erleben, aber mit den richtigen Erwartungen
Genau daraus zieht Arcanum einen großen Teil seiner Faszination. Für manche ist der technische Fortschritt ein Aufbruch in eine bessere Zukunft. Für andere fühlt er sich an wie eine Entwicklung, die ihnen den Boden unter den Füßen wegreißt. Alte Machtverhältnisse geraten ins Wanken, magische Traditionen werden buchstäblich in den Wind geblasen, Städte wachsen rasant und soziale Konflikte brechen immer offener aus. Viele Bewohner dieser Welt wirken, als müssten sie plötzlich in einer Zeit leben, die sie längst überholt hat.
Auch das passt zu Cains Erklärung der Lore. In Arcanum wird Magie nicht als ewige Konstante verstanden, sondern als Kraft, die in Zyklen stärker und schwächer wird. Zur Zeit des Spiels scheint Magie nachzulassen. Gerade deshalb gewinnt Technologie an Bedeutung. Wenn Magie alle Probleme lösen kann, braucht niemand Dampfmaschinen, Schusswaffen oder brandneue Transportmittel. Wenn Zauber aber schwächer werden und Magier nicht mehr auf jede Frage die beste Antwort haben, schlägt die Stunde der Erfinder, Fabriken und Maschinen.
Quelle: Sierra Entertainment
Eure Entscheidungen im Spiel beeinflussen nicht nur einzelne Quests, sondern können sogar das Schicksal ganzer Königreiche bestimmen.
Während Magie in Rollenspielen lange zum klassischen Inventar gehörte, hat Technologie in Arcanum einen ganz eigenen Reiz. Sie ist nicht nur neu, laut und gefährlich, sondern vor allem zugänglicher. Für Magie braucht man Talent, Wissen und Ausbildung. Eine Pistole kann dagegen fast jeder in die Hand nehmen und abfeuern. Vielleicht nicht besonders elegant und treffsicher. Aber plötzlich reicht ein Finger am Abzug, damit auch jemand gefährlich werden kann, der früher gegen Magier, Ritter und Co. kaum eine Chance gehabt hätte.
Genau darin steckt eine der spannendsten Ideen von Arcanum. Technischer Fortschritt ist hier nicht einfach gut oder böse. Er eröffnet Chancen, stürzt die Welt aber auch ins Chaos. Für die einen bedeutet Technik Aufbruch. Für die anderen ist sie der Moment, in dem alles, woran sie bisher geglaubt haben, plötzlich den Bach runtergeht.
Ihr könnt in Arcanum eben ein charismatischer Redner sein, ein bis an die Zähne bewaffneter Ritter, eine mächtige Magierin, ein brutaler Schläger, eine Diebin, ein naiver Idealist oder ein skrupelloser Schurke, der andere zu seinem Vorteil manipuliert. Und das Spiel reagiert darauf nicht nur über ein paar lapidare Dialogzeilen, sondern über Quests, Begleiter, Reaktionen, Lösungswege und besonders wichtig: Konsequenzen!
Freiheit mit Konsequenzen
Viele RPGs werben mit Entscheidungsfreiheit. Arcanum lebt sie. Ein Konflikt lässt sich oft mit Gewalt lösen, aber eben nicht nur. Wer überzeugend reden kann, bekommt Türen auf, die Kämpfern verschlossen bleiben. Wer technisch begabt ist, baut sich Hilfsmittel, um an Orte zu gelangen, die selbst Magiern verschlossen bleiben. Wer magisch stark ist, löst Probleme auf gänzlich andere Weise. Wer die Welt von Arcanum aufmerksam erkundet, findet Hinweise in Büchern, Karten, Gesprächen und Gerüchten.
Quelle: Sierra Entertainment
Das Notizbuch ist euer wichtigster Begleiter: Es sammelt Gerüchte, Hinweise und Quests und hilft euch dabei, in Arcanums großer Welt nicht den Überblick zu verlieren.
Besonders spannend ist bis heute das Notizbuch, in dem Gerüchte, Hinweise und offene Fragen landen. Arcanum nimmt euch nicht an die Hand und schickt euch brav von Markierung zu Markierung. Es erwartet, dass ihr lest, zuhört, Spuren verfolgt und auch mal falsche Schlüsse zieht und euch verlauft. Genau dadurch fühlt sich die Welt nicht wie eine bloße Kulisse an, sondern wie ein lebendiger Ort voller Gerüchte, Geheimnisse und seltsamer Geschichten, die nur darauf warten, von euch entdeckt zu werden.
Heute wirkt das fast wie ein kleines Wunder. Viele moderne Rollenspiele sind simpler, filmischer und verständlicher erklärt, stecken euch aber auch stärker in einen vorgegebenen Rahmen. Arcanum vertraut dagegen darauf, dass ihr eigene Wege findet, falschen Spuren nachgeht und auch mal Zeit mit Dingen verbringt, die am Ende vielleicht gar nicht wichtig waren. Gerade dadurch fühlt sich das Abenteuer weniger wie eine geführte Tour an und mehr wie eine echte Entdeckungsreise.
Quelle: Sierra Entertainment
Wer gut reden und andere überzeugen kann, kommt in Gesprächen mit NPCs deutlich leichter ans Ziel. Manche knifflige Aufgabe oder schwierige Begegnung lässt sich außerdem mit einem Schicksalspunkt meistern.
Das merkt man auch an den großen Ideen hinter der Welt. Cain beschreibt seine Design-Philosophie so: Erst kommt das Setting, dann die Story und erst danach das Gameplay. Und genau so spielt sich Arcanum auch. Die Regeln sind nicht nur dafür da, Kämpfe, Werte und Charakterfortschritt zu ordnen. Sie wachsen aus der Welt selbst heraus.
Wenn Magie und Technik einander stören, dann ist das nicht bloß eine Frage von Ausrüstung und Zaubern. Es beeinflusst, wie der Held durch die Welt reist, wie Städte für die jeweiligen Figuren funktionieren, wer Macht gewinnt, wer sie verliert und welche Entscheidungen in dieser Welt überhaupt möglich sind.
Als Held könnt ihr versuchen, euch aus all dem herauszuhalten. Oder ihr werft euch voll in diesen Konflikt hinein, stellt euch auf eine Seite und werdet am Ende genau das Zünglein an der Waage, das den Lauf der Dinge verändert.
Und ja, natürlich müssen wir auch über den Hund in Arcanum sprechen. Denn der treue Vierbeiner ist nicht nur ein beliebter Begleiter, sondern hat sogar eine besonders spannende Hintergrundstory:
Eine Welt im Umbruch
Aus diesem Gegensatz entsteht eine Atmosphäre, die bis heute erstaunlich einzigartig ist. Arcanum ist kein weiteres Mittelalter-Fantasy-RPG mit ein paar Dampfmaschinen im Hintergrund. Es ist schmutziger, ironischer und stellt immer wieder die Frage, wie viel eine Gesellschaft für Fortschritt zu opfern bereit ist. Die industrielle Revolution ist hier kein hübsches Dekor, sondern der Motor für Konflikte, Machtkämpfe und moralische Grauzonen.
Besonders spannend ist dabei, wie viel versteckte Lore in dieser Welt steckt. Cain spricht in einem seiner Videos etwa darüber, dass es früher noch mächtigere Zauber gegeben haben könnte als jene, die wir im Spiel lernen. In Arcanum enden die Magieschulen bei Stufe 5. Einige Hinweise und Aufzeichnungen in der Spielwelt legen aber nahe, dass es einst Zauber der Stufe 6 oder sogar der Stufe 7 gegeben haben könnte.
Das führt zu einer faszinierenden Frage: Was macht es mit einer Welt, wenn ihre größte Magie nur noch in alten Geschichten weiterlebt, während Maschinen immer mehr den Ton angeben? Vielleicht gibt es irgendwo noch abgelegene Orte, weit entfernt von Minen, Dampfmaschinen und Eisenbahnschienen, an denen die alte Magie genug Kraft hat.
Und vielleicht ziehen sich mächtige Magier genau deshalb in einsame Türme und vergessene Winkel der Welt zurück. Nicht, weil sie besonders geheimnisvoll wirken wollen, sondern weil ihre Kräfte dort draußen noch funktionieren, während sie in der Nähe moderner Technik langsam verblassen.
Auch die Technologie selbst bietet laut Cain viel Stoff für allerlei spannende Geschichten. Sie kann die Naturgesetze nicht brechen, aber Technologen würden trotzdem versuchen, den Wundern der Magie so nahe wie möglich zu kommen. Schnellere Züge, bessere Flugmaschinen, moderne Medizin und Experimente, bei denen man vielleicht lieber nicht so genau hinschaut.
Besonders unheimlich wird es, wenn Technik versucht, einen Menschen wiederzubeleben. Kommt dabei wirklich dieselbe Person zurück? Ist da noch eine Seele im Körper? In einer Welt, in der Magie auch Glaube und Religion prägt, sind solche Fragen nicht nur philosophisch spannend. Sie können ganze Weltbilder ins Wanken bringen.
In diesem Artikel
- 1 Troika Games, ein kleines RPG-Wunder
- 2 Magie und Technik als Herzstück der Welt
- 3 Der Preis des Fortschritts
- 4 Freiheit mit Konsequenzen
- 5 Eine Welt im Umbruch
- 6 Die Leere und die dunkle Seite der Arcanum-Lore
- 7 Nicht alles ist gut gealtert
- 8 Warum Arcanum 2026 wieder relevant ist
- 9 Arcanum neu erleben, aber mit den richtigen Erwartungen
All diese Ideen waren übrigens nicht nur lose Gedankenspiele und Tagträume. Viele dieser Lorefragen sollten in einer möglichen Fortsetzung aufgegriffen werden. Doch dazu kam es nie: Troika Games musste 2005 schließen, und Arcanum 2 blieb eines dieser Rollenspiele, über die Fans bis heute nur spekulieren können.
Quelle: Sierra Entertainment
Die Leere ist einer der geheimnisvollsten Orte in Arcanum. Ihre Geschichte hätte in einem möglichen zweiten Teil offenbar noch deutlich stärker erforscht werden sollen.
Die Leere und die dunkle Seite der Arcanum-Lore
Ein weiterer Bereich, den die Entwickler bis heute besonders spannend finden, ist die Leere. In Arcanum ist sie der Ort, an den Seelen nach dem Tod gelangen. Gleichzeitig können Menschen auch mit ihrem Körper dorthin verbannt werden. Schon dadurch gehört die Leere zu den geheimnisvollsten Parts der gesamten Spielwelt.
Cain stellt dazu Fragen, die perfekt zu Arcanums Mischung aus Fantasy, Steampunk und schwarzem Humor passen: Was befindet sich wirklich in der Leere? Wer hat die Ruinen dort hinterlassen? Woher stammen die seltsamen Kreaturen, die dort leben? Haben Wesen aus dieser Dimension überhaupt Seelen? Und falls ja, wohin gehen diese Seelen, wenn sie sterben?
Quelle: Sierra Entertainment
Auf den ersten Blick wirkt die Karte recht klein. Tatsächlich steckt dahinter aber eine riesige Spielwelt, in der ihr euch nach Herzenslust austoben könnt.
Noch spannender wird es, wenn Technologie ins Spiel kommt. Arcanum deutet bereits an, dass bestimmte Geräte Reisen zwischen Dimensionen möglich machen können. Daraus ergibt sich eine spannende Frage: Könnte Technik irgendwann eine Verbindung zur Leere herstellen? Und falls ja, wäre das ein Triumph des Fortschritts oder der Moment, in dem Forscher eine Grenze überschreiten, die besser unangetastet geblieben wäre?
Genau hier zeigt sich, warum Arcanum bis heute nachhallt. Die Welt fühlt sich nicht abgeschlossen an. Hinter jeder Quest, jeder Maschine und jedem magischen Artefakt scheint noch eine größere Frage zu lauern. Viele davon beantworteten die Entwickler auch bei späteren Q&A-Runden bewusst nicht vollständig, damit Spieler Raum für eigene Deutungen und Fantasien behalten.
Quelle: Sierra Entertainment
Der vielleicht größte Trumpf von Arcanum ist seine Welt. Hier steht Fantasy nicht einfach neben Technik, nur damit ein Ritter auch mal eine Pistole tragen darf. Der Gegensatz zwischen Magie und Fortschritt prägt Politik, Gesellschaft und sogar den Alltag von ganz normalen Bürgern.
Nicht alles ist gut gealtert
So sehr Arcanum fasziniert: Ein moderner Blick auf das Game muss auch ehrlich sein. Die Bedienung ist altbacken, das Kampfsystem ist chaotisch und an einigen Stellen buggy, die Balance wackelt an einigen Stellen und optisch braucht man schon eine gewisse Liebe für den Retro-Look. Wer heute von Baldur's Gate 3, Divinity: Original Sin 2 oder Pathfinder kommt, muss sich erst an das langsamere Spieltempo, das kantige Interface und die sperrige Kampfmechanik gewöhnen.
Quelle: Sierra Entertainment
Die industrielle Revolution lässt Städte rasant wachsen, doch der Fortschritt kommt so schnell, dass viele Bewohner von Arcanum dabei auf der Strecke bleiben.
Auch deshalb ist Arcanum kein Klassiker, den man jedem Rollenspiel-Fan einfach so in die Hand drücken sollte. Wer ein einfaches RPG erwartet, wird von Arcanum vermutlich enttäuscht werden. Wer aber verstehen will, warum ältere PC-Rollenspiele bis heute einen besonderen Ruf genießen, findet hier eines der spannendsten Beispiele.
Denn Arcanum ist technisch ganz klar gealtert. Daran gibt es wenig zu rütteln. Seine großen Ideen wirken dagegen erstaunlich frisch: eine reaktive Welt, echte Rollenspielfreiheit und ein Setting, das auch 25 Jahre später noch Spieler fasziniert.
Arcanum hat außerdem einen fantastischen Soundtrack, der mit seinen Streichern und melancholischen Melodien bis heute viele Künstler inspiriert:
Warum Arcanum 2026 wieder relevant ist
Gerade im Jubiläumsjahr lohnt sich der Blick zurück. 25 Jahre nach Release fühlt sich Arcanum wie ein Spiel aus einer Zeit an, in der Entwickler lieber zu viel wollten als zu wenig. Genau das merkt man dem RPG bis heute an. Es ist nicht glatt, nicht immer fair und sicher nicht perfekt. Aber es hat eine eigene Stimme. Und die fehlt vielen modernen Rollenspielen manchmal mehr als die nächste hübsche Zwischensequenz.
Klar, das Spiel ist kein perfekt polierter Klassiker. Es ist ein Rollenspiel voller Brüche. Aber genau diese Brüche machen es interessant. Arcanum erlaubt absurde Charakterkonzepte, ungewöhnliche Lösungswege und Entscheidungen, die nicht immer sauber in das Konzept von Gut oder Böse passen.
Quelle: Sierra Entertainment
In Arcanum zählt nicht nur, was ihr sagt, sondern auch, wie eure Figur auftritt. Schon ein schickes Kleid kann dafür sorgen, dass NPCs anders reagieren und neue Dialogoptionen auftauchen.
Dazu kommt das Erbe von Troika. Wer Fallout liebt, wer Vampire: The Masquerade Bloodlines schätzt oder einfach verstehen möchte, warum manche alten RPGs bis heute fast ehrfürchtig genannt werden, kommt an Arcanum kaum vorbei. Es ist ein Stück Rollenspielgeschichte und zugleich ein hervorragendes Beispiel dafür, dass starke Welten und echte Entscheidungsfreiheit länger im Kopf bleiben als die schönste Technik.
Cains heutige Gedanken zur Lore machen das Ganze noch spannender. Eine Rückkehr von Arcanum wäre nicht spannend, weil Magie und Technik plötzlich doch miteinander verschmelzen. Reizvoll wäre sie gerade dann, wenn sie den alten Konflikt beibehält und zeigt, wohin er diese Welt als Nächstes führt. Was passiert, wenn Magie immer mehr verschwindet? Wie weit gehen Technologen, wenn sie versuchen, die letzten Wunder der Welt mit Maschinen nachzubauen? Was liegt wirklich jenseits der Leere? Und welche Abgründe tun sich auf, wenn eine Gesellschaft plötzlich Dinge möglich macht, für die sie moralisch überhaupt nicht bereit ist?
Arcanum neu erleben, aber mit den richtigen Erwartungen
Arcanum ist alt, ja. Aber es ist nicht nur aus Nostalgie interessant. Es ist eines dieser Rollenspiele, die auch heute noch zeigen, wie stark ein Spiel sein kann, wenn Welt, Regeln und echte Rollenspielfreiheit ineinandergreifen.
Wer 2026 Bock auf einen Kultklassiker hat, sollte Arcanum deshalb nicht daran messen, was moderne RPGs heute alles bieten. Betrachtet das Game eher wie eine Zeitreise in eine mutigere, rauere RPG-Ära, in der nicht alles erklärt, gezeigt oder für jeden Spielstil perfekt ausbalanciert war. Genau dann entfaltet Arcanum noch immer seine besondere Magie: Man steuert nicht einfach nur eine Figur durch eine Geschichte, sondern formt einen Charakter, trifft Entscheidungen und lebt mit den Folgen.
Übrigens: Arcanum ist heute auf Steam und GOG erhältlich, allerdings nur in englischer Sprache. Wer das Rollenspiel lieber auf Deutsch erleben möchte, kann auf einen Fan-Patch zurückgreifen, der die deutsche Fassung wieder spielbar macht. Auch das ist irgendwie eine kleine Liebeserklärung an diesen Klassiker. Selbst nach so vielen Jahren gibt es noch Fans, die alte RPGs nicht einfach verschwinden lassen, sondern Übersetzungen, Sprachfassungen und wichtige Dateien für neue Spieler bewahren.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum RPG-Fans bis heute von Arcanum schwärmen. Nicht, weil es perfekt war. Sondern weil es etwas gewagt hat, das viele Rollenspiele versprechen, aber nur wenige wirklich einlösen: eine Welt, die euch frei handeln lässt und eure Entscheidungen nicht einfach wieder vergisst.
Was ist mit euch? Wäre Arcanum heute noch etwas für euch? Habt ihr gute Erinnerungen an den RPG-Klassiker oder ist das Spiel damals komplett an euch vorbeigegangen? Teilt eure Meinung und eure Erinnerungen gerne mit uns in den Kommentaren. Beachtet beim Kommentieren aber bitte die Forenregeln und die allgemeine Netiquette im Internet. Solltet ihr noch keinen Account haben, könnt ihr über eine Registrierung nachdenken, die viele Vorteile mit sich bringt. Unsere Video-Inhalte findet ihr bei Youtube, Instagram und Tiktok.
